Review: DCVDNS – D.W.I.S.

DCVDNS-Der-Wolf-im-Schafspelz-Cover

 

(Distributionz/Soulfood)

 

Wie hat er uns doch alle getäuscht: Getarnt mit Pullunder und Brille (eigentlich eine Günther-Jauch-Maske) kam DCVDNS durch die Hintertür in das ansonsten so streng bewachte Game; unter Vortäuschung großer Harmlosigkeit nahm er den Platz ein, der ihm von der HipHop-Obrigkeit gönnerhaft zugewiesen wurde; im Verborgenen, versteckt in der Haut eines niedlichen Schäfchens, schärfte er daraufhin die Waffen und lud sein goldenes Maschinengewehr. Und während wir noch alle darüber lachten, wie der junge Mann sich redliche Mühe gab, eine Zigarette zu rauchen, ohne dabei einen Hustenkrampf zu bekommen, saß er bereits in seinem trojanischen Wolf mit Kurs auf die Spitze des hiesigen Rap-Games. Und mit der Veröffentlichung seines neuen Albums ist er dort endlich angekommen – begleitet von Schüssen aus seiner goldenen Glock. So lässt DCVDNS auf der Platte die Schießeisen sprechen – ob mit gezückter Winchester im verbalen Doppel mit Morlockk Dilemma oder Salut schießend mit einer AK-47 in Gedenken an Nate Dogg. Real ist das alles – aber ob Produzent Wolfgang H. tatsächlich die deutsche Antwort ist auf Dr. Dre, das muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Doch DCVDNS macht das alles nicht zum Spaß. Es fällt ihm nicht leicht, dem Publikum seine wahre Identität zu offenbaren; und so lässt er sich in einem ganzen Stück darüber aus, dass er lieber »Kein Gee« wäre. Aber wahrscheinlich ist auch das wieder nur eine Finte, bei DCVDNS weiß man nie. Schließlich wird immer wieder angedeutet, der große Plan wäre noch lange nicht ausgeführt, entscheidende Schritte würden immer noch zu seiner Vollendung fehlen. Das vorliegende Album »Der Wolf im Schafspelz« ist daher lediglich ein weiterer Pinselstrich im Gesamtkunstwerk DCVDNS, der mit seinem aktuellen Longplayer sein bisher bestes Album vorlegt – so lange zumindest, bis sein nächstes erscheint. Und wir wissen jetzt: Bei Dominic Christoph von der Nordsee handelt es sich nicht nur um den kredibilsten Gangsta-Rapper der Welt, sondern um den ersten deutschen Rapper überhaupt.

 

Text: Max Leßmann

 

 

 

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