D-Fekt – Schattenseite // Review

d-fekt_cover

Es ist wahrlich kein einfaches Vorhaben, eine Instrumental-Platte zu machen, die auf voller Albumlänge funktioniert. Häufig landen solche Dinger in der Schublade »Easy Listening« oder »Zeug zum nebenher hören«. Der Vorteil wiederum ist, dass das Aneckpotential einer solchen Platte verhältnismäßig gering sein dürfte, beschränkt man sich eben auf rein musikalische Gefilde und sieht von polarisierenden Lines ab. Jener Reiz könnte es auch gewesen sein, der D-Fekt, auch bekannt als MC der Band Weltuntergäng, dazu veranlasst hat eine solche Instrumental-Platte zu machen. Mit »Schattenseite« wagt er sich nun erstmalig in die Riege der hauptberuflichen Producer. Ein Schritt, der in Rapkreisen mittlerweile schon fast zum guten Ton gehört. Zwar klingt das musikalische Credo des Weltuntergäng-Dunstkreises in den Produktionen durch, macht aber nicht den Großteil der Platte aus. Bummtschakk findet nach wie vor seine Verarbeitung, doch das Inventar wird durch Ambient, Space-Sphären und elektroakustische Elemente viel weiter gesponnen. So lassen einige Tracks gleich von vornherein gar nicht erst zu, mit Rhymes bespuckt zu werden. D-Fekt arbeitet in großen Teilen mit schleppenden Takt-Rückläufigkeiten und dem gezielten Einsatz disharmonischer Höhen und Tiefen, die aber keineswegs den Höreindruck stören. Im Gegenteil sind es genau diese Aspekte, die seine Instrumentals aus der Schublade »Fahrstuhlmusik« heraus katapultieren. Synthetisches jeglicher Coleur wird auf »Schattenseite« verbraten, irgendwo zwischen Space-Rauschen, düsteren Theremin-ähnlichen Klängen, 8-bit-Elementen und Dub-Gewobble. Dann und wann verliert sich D-Fekt dabei ein wenig in seiner Detailverliebtheit, und steigert mit überladenen Momenten die Gefahr der Reizüberflutung. Der häufige Einsatz des klassischen Klaviers und die Boombap-Statuten ergeben mit den genannten Bestandteilen jedoch einen insgesamt ausgeglichen Mix, der sich in eine Linie mit dem Schaffen aus dem Low-End-Theory-Umfeld reiht.

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