Review: Cormega – Mega Philosophy

cormega_cover
 
(Aura/Slimstyle)
 
Eines mal vorweg: Wer Cormega nicht kennt, der sollte nicht bloß dieses Album kaufen, sondern gleich die ganze Diskographie, die zu den hochwertigsten zählt, die Indie-Rapper je zustande gebracht haben. Die alte Ausrede, dass der Mainstream-Erfolg nicht aus Mangel an Fleiß oder Talent auf sich warten lässt, sondern aufgrund der eigenen Ecken und Kanten, die dem Anbiedern an Meinungsmacher und Majorlabels im Weg stehen? Im Fall von Cormega ist es keine Ausrede. Von beidem liefert gleich die erste Single »Industry« einen Beweis, auf der Cormega mit kühler Präzision seine Abrechnung mit der Großfinanz des Musikgeschäfts vertont. In his own words: »What’s the difference between a label and pimpin?/You sell yourself, they tell you how to spend it.« Dass auch dieses Album der große kommerzielle Wurf nicht werden wird, verrät bereits der Blick aufs Cover, das so unspektakulär gehalten ist, als solle es die musikalischen Schätze, die darunter begraben liegen, wie ein Blickschutz vor dem zufälligen Interesse aller Gelegenheitskäufer bewahren – after all, only real recognize real. Doch auch Hörern der ersten Stunde wird die Kost, die Mega hier auftischt, nicht unbedingt schmecken: Die Beats sind instrumentaler, melodischer, weiter als noch auf früheren Alben, halten sich höflich im Hintergrund und bieten dabei den Platz, den Mega braucht, um seine tiefen Gedanken zu entfalten. Und das tut er, Track für Track für Track, ohne je aus dem selbstgestrickten Raster des reflektierenden Straßenphilosophen auszubrechen. Dabei rührt er zwar oft profunde Wahrheiten an, trägt diese aber so geballt und, man kann es nicht anders sagen, oberlehrerhaft vor (»The streets taught me to be wise and honorable«), dass selbst der realkeependste Rap-Head spätestens nach der halben Spielzeit händeringend wünscht, Cormega würde mal kurz hinter dem Rednerpult hervortreten und einem seiner Studiosi ohne triftigen Grund, aber mit dem Hunger vergangener Tage, den Kopf abbeißen. Er kann’s doch.
 
Text: Constantin Baron van Lijnden
 

 

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