Review: Clipping – CLPPNG

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(Sub Pop/Cargo)
 
Das Geschirr in der Küche, das Dröhnen eines Weckers, kaputtes Glas oder ein guter, alter Tinnitus – Clipping hören aus allem einen Beat heraus. Dann entscheiden sie sich meistens für die hässlichsten dieser Geräusche, machen Field Recordings und Loops daraus und entscheiden als nächstes, dass sie sonst nicht viel brauchen für ihre Musik. »CLPPNG« ist das zweite Album des Trios aus Los Angeles. Es erscheint auf einem Label, das vornehmlich Indie-Rock veröffentlicht, und tatsächlich klingt wenig an der Platte nach dem HipHop, der sich gerade an den Küsten und im Süden der USA abspielt. Was Clipping aber entgegenkommt, sind allgemeine Entwicklungen an wichtigen Standorten wie Chicago, Atlanta oder Miami. HipHop ist dort gerade so minimalistisch und merkwürdig wie seit Jahren nicht mehr. Deshalb stoßen auch Clipping mit ihrer unerbittlichen Krachmusik auf erstaunlich offene Ohren – und bleiben doch ihr eigenes schwarzes Loch. Selbst Überschneidungen mit dem Tourette-Rap von Death Grips oder ähnlich ruppigen Projekten wie Dälek und Antipop Consortium, die vor 15 Jahren kurz am Durchbruch schnupperten, scheinen sich eher zufällig zu ergeben. Mehr noch als diese Bands setzen Clipping auf Drill und Düsternis. Die Produzenten Jonathan Snipes und William Hutson stampfen Soundruinen aus dem Boden, die schon ausgebrannt klingen, bevor sich MC Daveed Diggs darin breitmacht. Der Rapper und Bühnenschauspieler bricht im befehlshaberischen Tonfall über sein Publikum herein. Er ist aggressiv und konfrontativ, verzichtet weitgehend auf die Ich-Perspektive und erlaubt sich den Kunstgriff, Teile seiner Texte aus unverkennbaren Rap-Klassikern zusammenzusetzen. Zeilen wie »It was all a dream« und »Bombs over Baghdad« nehmen so neue Bedeutungen an. Ihre ursprünglichen Schöpfer werden gleichzeitig gerühmt und verhöhnt. Kompromisslosigkeit und Überforderung gehören dabei natürlich zum Programm. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass einen »CLPPNG« noch viel härter träfe, wenn Clipping ihre Zerstörungswut etwas zielgerichteter ausleben würden.
 
Text: Daniel Gerhardt
 

 

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