Review: Beastie Boys – Hot Sauce Committee Part Two

Beastie Boys Hot Sauce Commitee Part 2

 

(Capitol/EMI)

 

Die ewig coolen Beastie Boys: Durchforstet man seine ­Popkultur-Erinnerung nach ­Konstanten in Sachen Coolness, dann waren diese drei Typen seit ihrem Auftauchen Mitte der Achtziger eigentlich immer ganz vorne mit dabei. Die Beastie Boys waren schon als ­besoffene Grölheimer die Coolsten, sie waren es als avantgardistische ­Samplestreber, und zu Zeiten, als man sich als subkulturell ­interessierter junger Turnschuhträger ganz ausdrücklich nicht zwischen Rap und Ranzel­gitarren ent­scheiden musste, ­sowieso. Aber manch Miesepeter hat ­zwischenzeitlich ja doch mal daran gezweifelt, ob man wirklich immer älter und gleich­zeitig immer cooler werden kann: »Hello Nasty« war ja noch total super, genau das irre musikalische Potpourri aus allem was geil ist plus beastigem Brüllrap obendrauf – und mit den Instant-Überhits »Body Movin’« und »Intergalactic« schlugen die drei ältesten Jugendlichen der Welt brachiale Style-Schneisen des guten Geschmacks in ­Subkultur wie Popwelt. Aber dann war leider bisschen Flaute, wenn man ehrlich ist. Natürlich war »To The 5 ­Boroughs« keine schlechte Platte und »The Mix-Up« lief auch ganz brav immer dann, wenn ­instrumentale Musik gerade zum Inhalt des Aschenbechers passte, aber so richtig geil wie früher war das alles nicht. Die Ankündigung eines neuen, ­»richtigen« Beastie Boys-Albums mit Rap und Tralala nahm man dann eher gelassen hin: Was sollte denn schon auch ­Krasses passieren? Wack würde »Hot Sauce Committee Pt. 1« natürlich nicht werden, aber eine Revolution ganz bestimmt auch nicht. Und als dann bekannt wurde, dass MCA an Krebs erkrankt war, stellte sich unweigerlich so ein Das-war’s-jetzt-Gefühl ein: Schade, aber ich bin jetzt eben ein alter Sack und auch die zähesten Helden der Jugend werden irgendwann unfresh und sterben an Krankheiten, die nichts mit Rock’n’Roll zu tun haben, sondern schlicht und ergreifend mit dem Alter. Die Wirkung, die das nun als »Hot Sauce ­Committee Part Two« firmierende Album inmitten dieser Stimmung entfaltet, wäre natürlich ähnlich, wenn die Platte einfach nur okay wäre. Aber sie ist viel besser, ein typischer, ­großartiger Wurf nach Beastie-Manier, mit all den musikalischen ­Grenzüber­schreitungen, den psychedelischen ­Experimenten, aber gleichzeitig eben auch den rumpelnden Drums, dem geplärrten Achtziger-Rap, B-Boy-Bouillabaisse mit Pep und LSD drin. Allen anderen würde man so eine Stilvielfalt (und ­Texteinfalt) als aufgesetzt und gewollt ankreiden, aber hier gehören ruppige Breaks, ein Nas-Feature, ­Gitarrengeschrammel, verzerrte Stimmen, Reggae-Bässe mit Dub-Echos, Funk-Licks und blödsinnige Proberaum-Skits zum ureigenen Konzept. Und weil der innere Style-Kompass von Ad-Rock, MCA und Mike D nach wie vor bestens funktioniert, ist es auch ­scheißegal, dass »Hot Sauce Committee Part Two« – etwa im Gegensatz zum Jugendkultur­manifest »Ill ­Communication« damals – ­musikalisch einfach mal nichts mit dem Zeitgeist zu tun hat. Die Beastie Boys sind einfach so cool. Und zwar vermutlich auch noch mit 70.

 

Text: Marc Leopoldseder