Olexesh – Makadam // Review

olexesh-makadam-cover

(385ideal / Groove Attack)

»Makadam ist eine spezielle Bauweise der Straße, auf der wir täglich laufen, aber gar nicht wissen, woraus sie besteht«, erklärt Olexesh im Outro zu »Weyauu«. Doch auch wenn er nicht weiß, aus was der Pfad gemacht ist, den man beschreiten muss: Olexesh weiß ganz genau, wie man sich darüber zu bewegen hat. Am besten im Benzer und schnell. Denn der Feind lauert am Straßenrand mit Kreuzschlüssel, um dir die Felgen abzumontieren und dein Gefährt auf Backsteine zu verfrachten. Aus der Traum von 1 Life auf der Fast Lane. Dann hieße es Uschanka aufziehen, raus in den europäischen Winter und den Rest zu Fuß über den gefrorenen Asphalt. Olexeshs Leitlinien zur Verhinderung dieses Desasters sind fest umrissen: Bist du Mannsbild, dann tanze niemals und beuge dich keiner Autorität. Lieblos und hektisch ist die makadamsche Welt, in der so was wie Ein-echter-Mann-sein dich davor bewahren soll, zu zerbrechen. Das macht zwar keinen Spaß, sichert aber immerhin dein Überleben in einer Umgebung, in der der Teufel gebietet – sei es in Form von Drogen, Geld oder Verrätern. (Echter) Man(n) kennt das. Doch Olexesh steckt nicht allein in der Scheiße, so beschränkt ist seine Sicht nicht. Also hilft er, wo er kann, sagt »bleib entspannt, ich mach das«, setzt sich für dich ans Steuer, damit du ausruhen kannst, während er einen Schluck vom Wodi nimmt und trotzdem noch hochkonzentriert in den Sonnenuntergang über den Makadam brettert – in mitfühlenden Gedanken bei den »Tödlichen Versprechen«, die junge Frauen nach Europa lockten, bevor sie ausgebrannt von Prostitution im Sarg endeten. Der 28-Jährige hat vieles registriert, wogegen er machtlos ist. Doch das Handtuch werfen wird er nicht. Er drückt den Play-Button seines Walkmans und besinnt sich auf das Jahr 1996, als ihm ein gewisser Marshall Mathers den Weg wies. Die »Wodis auf Ice« dazu machen es ihm schon leichter, dem erbarmungslosen Struggle ein paar posi­tive Seiten abzugewinnen. 21 Tracks stark, ist »Makadam« gelungene Selbst- und Außenbetrachtung, die sich nur hier und da noch von konservativen Vorstellungen lösen könnte.

Text: Jan Burger

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