Massiv – Blut gegen Blut 2 // Review

 

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(Al-Massiva/Intergroove)

Wertung: Vier Kronen

Dass das Sequel zu seinem klassischen Gangsta-Opus »Blut gegen Blut« in puncto Härte ein mindestens würdiger Nachfolger werden würde, hat Massiv ja schon im Interview angekündigt. Und so, wie sich »Blut gegen Blut 2« nun präsentiert, hat der mittlerweile independent agierende Wahl-Weddinger den Mund offenbar nicht zu voll genommen: Der Massiv mit Kind auf dem Arm war mal, jetzt trägt er stattdessen Raketenwerfer. Das Bild ist in diesem Zusammenhang ganz bewusst gewählt, denn was, was auf diesen 25 Anspielpunkten passiert, ist eben nicht hart im Sinne ultrarealistischer Crime-Beschreibungen, sondern vielmehr hart im Sinne eines Actionfilms. Und zwar ganz ausdrücklich die Sorte Actionfilm mit deutlich mehr Ballerei und Explosionen als Story. Natürlich hat Massiv auch hier die eine oder andere ernsthafte und nachdenkliche Zeile untergebracht; wenn er sich etwa kritisch zur laufenden Debatte über Integration und Islam äußert und seinen grundsätzlich versöhnlichen Standpunkt erneut unterstreicht, dann vergisst man für einen Augenblick, dass man gerade noch die lyrische Knarre im Maul hatte. Aber solche Töne spielen auf »Blut gegen Blut 2« nur am Rande eine Rolle, im Großen und Ganzen ist das Album ein gerapptes Maschinengewehrmassaker erster Güte, randvoll mit brachialen Synthetik-Brechern, Gunshots und hanebüchen übertriebenen Ansage-Lyrics, die vor roher Gewalt, Mafia-Talk und effekthaschenden Aneinanderreihungen gefährlich und ghetto klingender Vokabeln nur so strotzen: »Wedding, wer besorgt mir Gasgranaten?/Hörst du, wie es zischt? Ich klatsch den Bankautomaten/Blaulicht-Gewitter, TNT-Sperrgebiet/Moabiter Knast, jeder smoket Dynamit« – in solchen wüst gespuckten Zeilen einen tieferen Sinn zu suchen, dürfte ein aussichtsloses Unterfangen sein, aber dafür ist dieses Album nun auch wirklich nicht gemacht. »Anti-massentauglich« nennt der Protagonist selbst diese Musik, womit er nicht nur den Nagel auf den Kopf trifft, sondern auch implizit eingesteht, dass er mit »Blut gegen Blut 2« den mit Sicherheit aufkommenden Gegenwind gerne in Kauf nimmt. Pädagogisch wertvoll? Fehlanzeige. Für jeden was dabei? Mitnichten. Erstklassige Brachialunterhaltung für die Straße? Aber hallo.

 

Text: Marc Leopoldseder

 

 

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