Lord Narf: #girlboss auf weird // UnderTheRadar

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Geboren wurde Lord Narf in den Händen von Father, aufgezogen und geliebt von der Awful-Family. Gemeinsam mit ihren #girlboss-Schwestern Tommy Genesis und Abra ist sie die Zukunft der Female MCs. Future-Sound mit High-Synths und Stoner-Voice, Gitarrenriffs mit Funk und harten Bars – musikalische Tabus gibt es bei ihr nicht. Narf ist sassy und selbstbewusst und steuert die nötige Portion Tough-Girl zum bewährten Awful-Rezept bei.

Lord Narf kommt ohne filmreifes Drama in ihrer Background-Story aus. Keine Explosionen, keine Gangfights; Nur ein Mädchen, das Bock auf Musik hatte. Aufgewachsen in ATL kämpfte sie sich als einer der coolen Weirdos durchs College. Ein Zusammentreffen mit Father, dem Leader der Awfuls, war somit fast unvermeidlich. Über ihre damalige Weed-Connection Ethereal crashte sie zu Father, KeithCharles Spacebar und Archibald Slim. Die Mitglieder der bis dato noch nicht existenten Awful Crew hingen damals schon miteinander rum und so folgte eines aufs andere. 2014 wurde sie dann als erste Female MC des Labels offiziell gesigned. Der allmächtige Weirdo-Vater erkannte schnell, dass Narf mit ihrem verspielten Turn-Up und der absichtlichen Ungleichmäßigkeit in den Songs perfekt in die Gruppe der andersartigen Posse passen würde.

 

Kurz nach dem offiziellen Signing droppte die erste EP »For The Funky«. Ihr Sound schien aus einer anderen Galaxie zu stammen. Groovy Beats, die durch klangvolle Trompeten-Samples und jazzige Drum-Sets Lust auf einen Abend in einem Keller-Club machten, in dem der Rauch in weißen Fäden unter der Decke entlangschwirrt. Darauf folgte die EP »Sick« mit einer mächtigen Portion Girly-Rap à la Familienmitglied Abra, kombiniert mit schräger Stoner-Stimme und einer kleinen Prise Lil B. Acht Tracks, sieben verschieden Producer: den dadurch entstandenen Mix nutzte sie als Sprungbrett für ihre musikalischen Backflips. Trotz des Durcheinanders wirkt ihr Sound keinesfalls affektiert. Jeden einzelnen Beat belebt Lord Narf mit ihrem abstrakten Flow, der sich nichts aus Balance und Melodie macht. Das Motto: »Scheiß auf »weniger ist mehr!« Auf ihrem aktuellen Release »Autoyurnt« mit Slug Christ führt sie eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit Autotune und Delay. Hohe, verspielte Synths, die von souligen Beats plötzlich auf unmelodisch elektronische Tracks umschlagen und Bars über Drugs und Sex. »Viele picken sich einen gewissen Stil raus und bleiben dann dabei. Ich scheiße darauf. Ich will auf jeder Spur die Beste sein«, sagt Narf dazu. Aus dieser Intention heraus entsteht ein skurriles Klangbild aus Offbeat und Future-Tunes.

»Ich will jedem, egal ob Mann oder Frau, zeigen, wie die Dinge richtig gemacht werden.«

Die musikalische sowie gesellschaftliche Kluft zwischen Mann und Frau sei ihr besonders unangenehm, sagt Narf. Denn die Frage ist, was es braucht, um mit Musik beide Geschlechter gleichermaßen anzusprechen, ohne sich anzubiedern. Das Game zu verbessern, indem sie jedem einzelnen, egal ob männlich oder weiblich, eine Identifikationsmöglichkeit bietet ist das Hauptziel von Narfs Musik – das betont sie immer wieder. »Am Ende des Tages gibt es immer bestimmte Themen, mit denen sich Männer oder Frauen einfach nicht identifizieren können. Ich gebe mein Bestes, um zu garantieren, dass du zu meiner Musik rocken kannst und dich nicht unwohl fühlst, egal wer du bist.« Mit einer sexy Schoolgirl-Attitude rappt Narf dann einerseits über Drogen, skizziert Rauschfantasien und liefert Material für die Club-Playlists. Auf der anderen Seite aber stehen Tracks wie »B&B«, bei denen die eigene Depression heraufbeschworen und schließlich für alle hörbar analysiert wird.

Diese Vielschichtigkeit macht Lord Narf schwerer zugänglich, als die anderen Frauen aus dem Awful-Camp und zum sperrigsten Charakter in der Gruppe aktuell polarisierender weiblicher Rapper. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass sie bisher noch nicht den Status von Abra oder Tommy Genesis genießt. Doch das ist nur noch eine Frage der Zeit. Bis dahin verwirrt sie die Internet-Bohème weiter mit ihrem schrägen Sound der jetzt im Debütalbum »Witchcraft« mündet.

Die Menge an Musik, die tagtäglich durchs Netz kursiert, ist unüberschaubar. Zwischen einer Menge Trash versteckt, blitzen immer wieder Rohdiamanten hervor: die nächsten Hypes der Stunde. #UnderTheRadar widmet sich ebenjenen Artists.

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