Kanye West & Jay-Z Review #5

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Da wir »Watch The Throne« in unserer neuen Ausgabe #138 aufgrund schlechten Timings nicht berücksichtigen konnten, unterziehen wir die 16 Tracks der »Deluxe Edition« einer täglichen Track-by-Track-Rezension. Wir verzichten dabei bewusst auf die Nennung inoffizieller Links zu den jeweiligen Songs. »Watch The Throne« ist bei iTunes ganz einfach zu erstehen oder eben in den Weiten des Internets anderweitig zu finden. Hier die Review zu »Gotta Have It«, dem fünften Song auf »Watch The Throne«.

 

Natürlich ist es nicht groß verwunderlich, dass es sich auf »Gotta Have It« wieder alles um den unermesslichen Reichtum der HipHop-Heiligen Carter und West dreht. Vielleicht ist der Song deswegen bei den ersten Hördurchläufen nicht weiter aufgefallen. Nicht negativ – aber auch nicht wirklich positiv. Dies mag daran liegen, dass »Gotta Have It« zwischen all der Opulenz beinahe minimalistisch, fast wie eine Skizze wirkt. Während wenig später mit Autotune, Choral-Pomp und Dubstep-Einlagen einige ziemlich große Fässer aufgemacht werden, hat man es hier auf den ersten Blick »nur« mit einem klassischen Neptunes-Banger zu tun. Die Pharrell-und-Chad-typische Drum-Programmierung, Background-Vocals von Kid Cudi – schön und gut. Die wirklichen Qualitäten des Songs erkennt man erst beim Blick auf die Details.

 

Etwa die Tatsache, dass die Kanyes Sample-Künste das Drum-Geboller der Neptunes direkt nach »Otis« in die nächste Hommage an einen der ganz Großen der amerikanischen Musik verwandeln. Nicht ein oder zwei, ganze drei Songs des großen James Brown wurden hier zerhackstückelt und in nur 150 Sekunden Musik untergebracht. An Sample Clearance-Kosten denkt man wohl eher weniger, wenn man gerade mit Hova über den Dächern Manhattans in einer zum Studio umfunktionierten Hotel-Suite am nächsten Meisterstück werkelt. Kanye sowieso nicht. Der lässt sich nämlich direkt in den ersten Zeilen mal wieder zu einem kleinen, aber effektiven Rant in Richtung Medien hinreissen. Die würden schließlich aus seiner Sicht nur zu gern seine innige Beziehung zum Geld torpedieren: »Money matrimony, yeah they tryna break the marriage up.«

 

Mal ehrlich, ihr amerikanischen Medien-Kollegen? Sowas geht gar nicht. Woher sollte denn ohne die Millionen auf dem Konto die Inspiration für solch großartige Ideen kommen? Ideen wie die, die Kanye seinem »Big Brother« kurz darauf zuspielt – nur damit dieser uns vor Augen führen kann, welch extravaganter Zeitanzeiger sein Handgelenk ziert:

 

Kanye: »Imma need a day off, I think I call Ferris up.«
Jay-Z: »Bueller had a Muller, but I switched it for a Mille cause I’m richer…«

 

Und das ist nur die Spitze des Bergs an Referenzen, die hier innerhalb von wenigen Zeilen auf unwissende Hörer losgelassen werden. Ja, sogar das One-Hit-Wonder des Jahres YC darf sich darüber freuen, dass die ungleich wohlhabenderen Herren an der Spitze ihre »Racks« auch gerne stapeln.

 

Wie bereits angekündigt geht es hier um wenig mehr als darum, nochmal so richtig den Prahlhans raushängen zu lassen, bevor es in der nächsten Anspielstation ans Eingemachte geht. Nicht ganz klassisches Material für die nächste Best Of-CD, aber im Kontext dieses musikalisch und textlich recht schwergewichtigen Albums erfüllt der Titel seinen Zweck. Bevor in der zweiten Hälfte der pure »Luxury Rap« gegen die wirklich wichtigen Themen eingetauscht wird, ist »Gotta Have It« die perfekte Entspannungs- und Lockerungsübung für Kopf und Geist.

 

On to the next one.

 

Text: Sascha Ehlert

 

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