Flako – The Mesket // Review

flako-the-mesket-cover

(Project Mooncircle/ hhv.de)

Wertung: Vier Kronen

In Zeiten, in denen öffentlich-rechtliche Kulturredakteure wahllos irgendwelche Bedroom-Beatbastler zu legitimen Nachfolgern von J Dilla emporstilisieren, ist Vorsicht geboten. Dass die Post-FlyLo-Beat-Generation aus viel Weizen und noch viel mehr Spreu besteht, macht die Unterscheidung nicht gerade einfacher. fLako hingegen gehört eindeutig mit zur Speerspitze einer Bewegung, die konstant und konsequent die Grenzen des sonischen Raumes namens Hip­Hop auslotet und erweitert. Im Spannungsfeld zwischen Berlin, London und dem »Beat BBQ« entstanden über die letzten Jahre instrumentale Skizzen, Brecher und Bomben, die via Digital-Release oder limitierten Vinylauflagen bei diversen Labels erschienen und den gebürtigen Chilenen als extrem talentierten und progressiven Bastler zeigten. »The Mesektet« ist keine Resteverwertung, sondern so etwas wie ein Vermächtnis – die Tracks stammen allesamt aus der Zeit vor 2009, sind entweder unveröffentlicht oder waren vorher nur schwer erhältlich. Das Label lässt dazu verlauten, dieses Album markiere »das Ende einer Ära seines Produktionsstiles«.

 

Wie dem auch sei, »The Mesektet« ist ein gelungener Begleiter für das Leben im Kopfhörer: 30 Tracks, selten länger als zwei Minuten, fügen sich zu einem schlüssigen Ganzen zusammen. Der überstrapazierte Begriff des »Kosmos« klingt auf einmal gar nicht mehr so abgedroschen, so steht »Mesektet« in der griechischen Mythologie für ein Schiff, das der Sonnengott Ra benutzte, um den Mond durch die Nacht zu tragen. fLako ist ein Fuchs an den Geräten, dieses Album verdeutlicht es noch einmal: Melodien, die sich einbrennen, gepaart mit swingenden Late Claps, Snares, brutzelnden Basslinien und die in diesem Bereich sehr schwierig zu erlangende eigene Art und Weise der Verbindung – all das erschafft Bilder im Kopf und sorgt gleichzeitig für eine gut trainierte Nackenmuskulatur. Es bleibt abzuwarten, ob sich die vom Label angedeutete musikalische Neuausrichtung in abstraktere Sphären bewegt. Bis dahin ist »The Mesektet« allemal die definitive fLako-Werkschau mit genug Tiefe für den gepflegten Eskapismus.



Text: Philipp Lembke

 

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