F.R. – Wer bist du?

 
Battle Of The Ear / VÖ: 14. Mai 2010
 
(4,5 von 6 Kronen) Es ist ein bewährter Ablauf der HipHop-Industrie: Ein talentierter, junger Künstler wird erst von der Szene hochgejubelt, als logische Konsequenz aus dem Hype mit einem ordentlichen Plattenvertrag versehen, um anschließend in den üblichen Foren zu Tode gehatet zu werden. Im Falle von F.R. ging das mit dem Haten dank einer seltsamen Promokampagne zur letzten Platte sogar recht einfach. Was dort aber gerne vergessen respektive unterschlagen wird, ist der einfache Umstand, dass der junge Herr Römer überaus gut rappen kann. So auch auf seiner neuen Platte. Was F.R. in “Son Of A Preacherman”, “Bändige Beats” oder “Exzess All Areas” abliefert, ist inhaltlich, lyrisch, aber vor allem auch raptechnisch klares A-Liga-Material. Im großartig selbstironischen “FrRrRrRrRr” setzt sich F.R. für 2 Minuten und 52 Sekunden selbst die Deutschrap-Krone auf, und mit “Sekunde 1” hat er einen durchaus massenkompatiblen, dabei aber komplett unpeinlichen Hit auf der Platte. F.R. hat sich in den letzten Jahren als Mensch und automatisch auch als Künstler weiterentwickelt. Vielleicht sieht er heute ein paar Dinge anders als früher. Vielleicht hat er heute teilweise ein loseres Mundwerk. Ihm daraus den berüchtigten Autenz-Strick zu drehen und zu behaupten, der Streber wolle ein Player werden, wisse nur leider nicht wie, ist sagenhaft festgefahren. Gerade einem jungen Talent wie F.R. sollte man den notwendigen Platz einräumen, sich weiterentwickeln zu dürfen, Selbstwidersprüche eingeschlossen. Einziger wirklicher Kritikpunkt an F.Rs neuer Platte sind daher die Produktionen der Beatgees, denen es mir persönlich zu oft an Ecken und Kanten fehlt. Sei’s drum. F.R. ist und bleibt ein Top-Rapper. Ob’s gefällt oder nicht: Seine letzten beiden Platten spiegeln mehr Lebensrealität deutscher Raphörer wider, als manchem Sturschädel lieb sein mag. Auf “Wer bist du?” gelingt ihm abermals der Spagat zwischen tiefsinnigen Konzepttracks, lockerem Braggin’ and Boastin’ und Ohrwürmern auf technisch höchst anspruchsvollem Niveau. Sehr gutes, rundes Album. jug
 
(2,5 von 6 Kronen) Seit F.R. als 14-Jähriger vor sechs Jahren für sein erstes Album “Mundwerk” als deutsches Rap-Wunderkind gefeiert wurde, muss er gegen die entsprechenden Erwartungen und Vorurteile ankämpfen. Nach dem bestandenen Abitur konnte sich F.R. nun komplett auf die Musik konzentrieren und ist mit seinem vierten Album “Wer bist du?” zurück im Spiel. Wie im Titel angedeutet, unternimmt F.R. darauf eine Selbstfindung. Er kreiert auf hohem sprachlichen und technischen Niveau ideenreiche Bilder, weicht aber auf andere Erzählpersonen aus, wenn es zu intim und emotional wird. Zwischen Retrospektive und typischer Selbstdarstellung werden zwar die täglichen Probleme von F.R. sichtbar, die Ecken und Kanten seiner Persönlichkeit bleiben aber in der Regel zwischen den Zeilen versteckt. Produziert haben fast ausschließlich die Beatgees, die auch schon für Sido, Massiv, Culcha Candela oder Rosenstolz hinter den Reglern saßen. So tritt F.R. bei “Bändige Beats” als Dompteur mit Augenzwinkern auf: Schnelle Raps folgen dem Beat, an eher sanften Stellen beschwört er ihn durch Gesang. Das Problem an dem Album sind im Ergebnis mit Sicherheit nicht F.R.s unbestreitbare Fähigkeiten am Mikrofon, sondern die allzu offensiv poppige Produktion. Die Harmonien sind stets auf Charttauglichkeit gebürstet, die prinzipiell durchaus vorhandene Individualität der Texte wird auf diese Weise musikalisch glattgebügelt. Selbst der dreckige Beat von Farhot (“Ellenbogen raus”) wird durch Streicher aufgewertet und durch einen gesungenen Refrain ins Radioschema gepresst. Kurzum: Insgesamt schielt der Sound von “Wer bist du?” einfach zu deutlich und kalkuliert in Richtung Mainstream und verfängt sich dabei in seiner eigenen Unentschlossenheit. Wirklich schade um die vertane Chance. mv
 

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