Dela – Übersetzung Verloren

Für viele deutsche HipHop-Interessierte mit Vorliebe für Straßen-Rap ist Frankreich das gelobte Land. Dort ist der Beton härter, die Rapszene dank der Radioquote größer und Geld kann man im Land der Sefyus und Boobas mit Räuberpistolen-Rap auch noch machen. Da erstaunt es, wenn ein französischer Produzent seine Heimat gen Kanada verlässt und bevorzugt US-Untergrund-Rapper mit Beats versorgt, anstatt den klassischen Banlieue-Bap zu machen. Dela wuchs zwar ganz in der Nähe von Paris auf, aber sein sein Interesse an HipHop wurde dennoch vor allem durch US-Rap geprägt.

Als der Wu-Tang Clan sein monumentales »Enter The 36 Chambers« veröffentlicht, ist Dela eines von unzähligen Kids, die dank dieser Platte HipHop zu verstehen beginnen. »Ich war eigentlich noch Rock-Fan, aber diese Platte hatte die Energie von Rockmusik. Das hat mich fasziniert.« In der Folgezeit entdeckt er nicht nur die heimische Szene, sondern beginnt auch, mit seinem Tapedeck Loops zu basteln, entwickelt sich technisch und musikalisch weiter und wächst Beat für Beat weiter in die neue Kultur. Bis zur ersten Band ist es jetzt nur noch ein Katzensprung. »Schon als Kind habe ich angefangen, Gitarre, Bass und Drums zu spielen. Eines Tages fragte mich ein Freund, ob ich nicht mit ihm eine HipHop-Crew aufmachen wollte. Eigentlich eine absurde Frage. Ich sagte aber sofort: Ja, klar.«

Dela & Blu – WhatUWanna by wedrinkwater

Auf dem Pariser Radiosender Generation FM läuft jeden Abend französischer HipHop. »Ich habe immer diesen Sender gehört. Dort legten damals viele großartige DJs auf und so wurde ich immer mehr in den Bann gezogen. Bis heute bin ich von der melancholischen Stimmung vieler Platten von damals inspiriert.« Im Lauf der Zeit veränderte sich die französische Szene und Delas Interesse an ihr wird immer geringer. »Französischer HipHop mit Anspruch wird heute im Mainstream kaum mehr beachtet. Mir scheint es so, als sei dieser Teil der Szene mittlerweile ausgestorben. Man kann nur noch Erfolg haben, wenn man Musik für Kinder macht. Entsprechend war mein Sound in Frankreich einfach nicht gefragt. Ich habe irgendwann nur noch über Labels in Deutschland, Japan oder Amerika releaset.«

Als Dela 2008 sein zweites Album veröffentlichen will, kommt es zu größeren Problemen. »Wir fanden für die Platte lange kein vernünftiges Label oder auch nur einen Vertrieb und dann ging alles schief. Uns blieben unzählige Türen verschlossen, die Magazine ignorierten mich. Ich hatte das Gefühl fest zu stecken.« Als das Album Monate vor dem offiziellen Europa-Release geleakt wird, wendet sich Dela frustriert vom Musikmachen ab. Er bekommt ein Visum für Kanada und beschließt, Frankreich und seine Karriere als Produzent hinter sich zu lassen. Als er in Montreal ankommt, torpediert ein kurzer Moment diese Entscheidung. „Ich machte das Radio an, hörte den Sender ein paar Minuten und plötzlich lief da ein Song von mir. Für mich war das ein Zeichen.« Wenige Tage später kauft sich Dela eine neue MPC und fängt wieder an zu produzieren.

Für sein aktuelles Album »Translation Lost« hatte er zunächst kein Konzept, aber irgendwann entdeckte Dela die übergreifende Melancholie, die sich in die Instrumentals geschlichen hat. Über Twitter fragte er seine Gefolgschaft, ob und welche Vokalisten er featuren soll. Zu Delas Erstaunen sprach sich die Mehrzahl der Follower jedoch für ein Instrumental-Album aus. Dennoch geht er diesen Schritt inoch nicht konsequent bis zu Ende. »Ich wollte einfach nicht auf Beiträge von Künstlern wie Blu verzichten. Ich bin ein Fan von ihm, außerdem kennen wir uns schon lange. Also habe ich ihn angefragt. Ich denke aber, dass ich in Zukunft zwar meinen HipHop-Wurzeln treu bleiben werde, aber dennoch meine musikalischen Grenzen immer weiter in verschiedene Richtungen austesten und etwas Neues probieren will. Ich glaube, dass es gerade im Instrumental-HipHop noch viele unentdeckte Möglichkeiten gibt. Ich hoffe, ich kann dieses Genre noch ein Stück weiter voran bringen.«

Text: Julian Gupta
Foto: Andre1

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