Interview: DCS

 

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Sie sind deutsche HipHop-Urgesteine aus Cool Cologne, heute erwachsene Männer, Familien­väter, Rechtsanwälte und Werber: DCS, vormals Die Coolen Säue, bestehend aus Schivv, Ro ­Kallis, Peer Formance, DJ Lifeforce und – manchmal – Albo. Mit »Silber« erscheint nun ihr erstes gemeinsames Lebenszeichen seit gut zwölf Jahren. Das Album tritt den Beweis an, dass man auch hierzulande mit HipHop erwachsen werden kann und darf. Dass man sich für seine subkulturelle Sozialisation nicht schämen muss, selbst wenn man mittlerweile einen anständigen Beruf ausübt. Oder Verantwortung für andere Menschen trägt. DCS sind ­zufrieden mit ihrem Leben, alle frühere Wut und Aggression ist einem souveränen Selbstbewusstsein gewichen. Das macht DCS zu den ersten stolzen »Hobby-Rappern«, die uns aus der goldenen Deutschrap-Ära Ende der Neunziger erhalten geblieben sind. Ein Interview mit Schivv und Ro Kallis.

 

 

Nach fast zehn Jahren weitgehender Funkstille kommt nun tatsächlich ein neues Album von euch. Warum der Titel »Silber«?
Schivv: Irgendwann haben wir überlegt, wie lange wir diese HipHop-Sache eigentlich schon mitmachen. Da hab ich mich an eine Textzeile von Kallis erinnert, da ging es um seine erste Berührung mit Rap durch »Walk This Way«, 1986. Und ich dachte: »Krass, 25 Jahre her. Also feiern wir dieses Jahr Silberhochzeit.«
Kallis: Genau. Außerdem reden wir jetzt wieder, und wenn Schweigen Gold ist, dann ist Reden eben Silber. Auf meiner Soloplatte hab ich mal gesagt: »Ich trag lieber Silber, weil mir Gold zu billig ist.« Man denkt auch an die Silberrücken.
Schivv: An dieses leicht Graumelierte auch… (lacht) Ich finde, Silber steht für eine bescheidene, aber wertige Grundhaltung, die wir auf uns und das Album gut anwenden können.

 

Gehen wir mal 25 oder 20 Jahre zurück, zur Geburtsstunde eurer Crew. Könnt ihr mal euren Hintergrund in der ­damaligen HipHop-Szene beschreiben?
Kallis: Eine Szene gab es für uns damals nicht. Wir waren in unterschiedlichen Crews unterwegs, ich mit Lifeforce, wahnsinnig schlecht auf Schulenglisch rappend bei der Cologne Rap Association, nebenbei hatte ich noch eine Britcore-Crew namens The Musical Punishment, die auf dem »Joining Forces«-Sampler vertreten war. Auf lokalen Jams haben wir Leute wie Exponential Enjoyment, LSD, CUS oder STF kennen gelernt. Auf diesen Partys liefen eben auch Schivv und Peer herum. Irgendwann habe ich die Schule gewechselt und bin zu Peer in die Klasse gekommen. Wir haben uns schnell angefreundet und beschlossen, zusammen was auf Deutsch zu machen.
Schivv: Für Peer und mich war Kallis der erste Rap-Aktivist, den wir kennen lernten. Ich komme gar nicht von diesem Attitude-Hintergrund, sondern mich hat primär immer die Musik interessiert. Wir waren de facto die einzigen Typen auf dem Schulhof, die sich für Rap interessiert haben, also hat man schnell zusammen rumgehangen. Ziemlich bald waren wir eine Band und haben Songs und Shows zusammen gemacht.

 

Wie kam es dazu, dass ihr als DCS dann relativ schnell einen Plattenvertrag unterschrieben habt?
Schivv: Wir haben Rap ja eher spaßig betrieben, wir waren überhaupt nicht wütend. Für uns war HipHop kein soziales Abgrenzungsinstrument, sondern einfach unsere individuelle Ausdrucksform. So kam es, dass wir mit unseren Inhalten am ehesten dem entsprachen, was damals auch Die Fantastischen Vier gemacht haben. Die hatten auch keine Probleme, keine Wut und keinen Hass. Wir waren eben nicht wie Advanced Chemistry, die HipHop sehr politisch, ernsthaft und dogmatisch betrieben haben. Das war zwar auch richtig, aber hatte irgendwie auch beschränkende Faktoren. Wir hingegen hatten eine gewisse Leichtigkeit, die die Labels anscheinend gut fanden. Mit der EMI haben wir dann einen sogenannten Artist-Development-Deal gemacht, so etwas gibt es heute gar nicht mehr. Die haben uns ein Budget gegeben, für Equipment und Studiozeit. Wir haben zwei Wochen lang in einem High-End-Studio erste Demos aufgenommen, während im Nebenraum Babs Becker ihre erste und einzige Single aufgenommen hat. (lacht) Wir waren uns noch nicht darüber bewusst, was wir künstlerisch wollen, und steckten plötzlich in so einem riesigen Möglichkeiten-Apparat drin, den wir nicht bedienen konnten. Unsere Musik wurde reflexartig extrem hart, was den EMI-A&Rs natürlich nicht so gefallen hat. Über mehrere Ecken haben wir dann andere A&Rs und unser damaliges Management kennen gelernt. Mehrere Labels haben sich für uns interessiert, und so kamen wir zu diesem Deal bei Ariola.
Kallis: Wir kannten natürlich auch die Fantas, also dachten wir: Die haben einen Major-­Deal, das machen wir jetzt auch so. Wir ­waren dann bei denen die Vorgruppe im Kölner E-Werk vor ein paar tausend Menschen – das war de facto unser zweites Konzert.
Schivv: Zwei Wochen später hatten wir unser erstes eigenes Konzert in der »Ruine«, da wurden 400 Menschen nach Hause geschickt. Das war damals ein richtiger Fun-Rap-Hype. Obwohl wir da überhaupt nicht reinpassten. Das war plötzlich unsere Welt, ohne dass wir sie uns ausgesucht hatten. Bei den Aufnahmen zum ersten Album »Stärker als das Schicksal« und vor allem dann zu »Ungesund und teuer« haben wir gemerkt, was das für ein Scheiß-Hustle ist. Einerseits war die Major-Zeit cool. Da gab es viele geile Highlights, aber eher auf Party-Ebene. Plötzlich sitzen aber auch A&Rs mit im Studio und stellen die immer gleichen Fragen nach den Singles. Acht Monate haben wir da gehockt, von einzelnen Songs sieben oder acht Versionen gemacht. Ein Krampf. Und am Ende hat dieser Spagat nicht funktioniert. Dann haben ein paar Underground-Leute angefangen, uns zu haten, was uns natürlich abgefuckt und belastet hat.

Ihr habt es schon erwähnt, »Ungesund und teuer« hat nicht funktioniert. Auf gut Deutsch: Es ist gefloppt.
Kallis: Kann man so sagen. Und danach hat jeder gekuckt, wie es für ihn weitergeht. Für mich war es schon eine krasse Option gewesen, Rap zum Beruf zu machen. Das war ein Leben, das mir gefallen hat. Ich hab dann schon sehr gestrugglet, etwas Neues zu finden. Und bevor ich meinen jetzigen Job in der Werbung gefunden habe, hab ich auch viele andere Jobs ausprobiert. Für Peer und Schivv war es leichter: Die hatten sehr früh entschieden, Jura zu studieren. Das haben sie zwar für die Band ein wenig schleifen lassen, konnten aber leicht dahin zurückkehren. Die hatten einen Anker, der mir fehlte.
Schivv: Peer und ich sind immer tiefer in die Business-Aspekte der Branche eingestiegen, hatten dann eine eigene Verlags­edition und eine kleine Produktionsfirma. Durch die Connection zu unserem Anwalt haben wir Einblicke bekommen, die man als Künstler nicht hat. Wir haben uns mal vor Augen geführt, was es eigentlich heißt, als Künstler seinen Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen – und zwar nicht nur für die Dauer deiner Karriere, sondern auch darüber hinaus. Das ist wie bei den Fußballprofis. Du musst zusehen, dass du in kurzer Zeit sehr viel Geld verdienst, sonst bist du irgendwann am Arsch. Uns war klar, dass das unmöglich ist, ohne unsere Kunst zu kompromittieren. Die Quintessenz dieses Frustgefühls war das »1999… Von vorne!«-Album: Scheiß auf alles, wir machen Rapmusik. Es ist ironisch, dass wir von diesem Album viermal so viele Tonträger verkauft haben wie von unseren ersten Alben. Neulich hat jemand auf einem Blog geschrieben, dass das Album damals das Underground-Bekenntnis war. Irgendwie stimmt es: Rap war gerade Big Business geworden, aber wir wendeten uns total anti­zyklisch dem Underground zu. Das war für uns aber eine logische Entwicklung.

 

Aber danach war die Luft raus.
Schivv: Es lief halt irgendwie aus. Kallis hat noch die »Rodyssee«-EP mit einem ähnlichen Vibe gemacht, ich habe die »Druck/Vokale«-Maxi veröffentlicht. Da ging es bei mir schon aufs Jura-Examen zu. Lifeforce hat noch die »Beatz aus der Bude«-LP gemacht, die immer ein Traum für ihn war. Und dann sind wir ausgestiegen. Wir haben nicht mehr als Künstler an diesem Business teilgenommen, sondern uns dem persönlichen Weiterkommen gewidmet, das wir nicht mehr in der Musik gesehen haben. Liebe für Musik zu haben, heißt ja nicht zwingend, für eine ­Musikkarriere sterben zu müssen.

 

 

Seid ihr nach diesen Entscheidungen denn in Kontakt geblieben?
Kallis: Ja. Es gibt bei uns eine Tradition, die wurde auch nie gebrochen: Das DCS-Weihnachtsessen. Und da haben wir immer darüber gesprochen, dass wir eigentlich noch mal ein Album machen müssten. Aber es gab schon Jahre, in denen man sich sonst selten kontaktiert hat. Ich bin ja auch aus Köln weggezogen.
Schivv: Trotzdem gab es immer wieder Überschneidungen. Eigentlich sind wir immer eng geblieben, auch wenn Lifeforce aus Köln raus aufs Land und Kallis zunächst nach Hamburg, dann nach Amsterdam und schließlich nach Berlin gezogen ist. Weil wir uns so lange kennen, war immer nur ein Telefonat oder ein Treffen erforderlich, um an die alten Zeiten anzuknüpfen. Wir haben uns nie aus den Augen verloren. Wir haben einfach so krasse, prägende Jahre miteinander erlebt, das verschwindet nicht mehr.

 

Nach eurem Abgang ist im deutschen Rap eine Trendwende eingetreten, als 2003 der Straßenrap-Hype begann. Wie habt ihr das aus der Distanz erlebt?
Schivv: Ich muss ganz offen sagen, dass ich das alles für ein paar Jahre nicht mehr richtig verstanden habe. Wobei: verstanden schon, es hat mich nur überhaupt nicht mehr interessiert. Die künstlerische, kommerzielle und auch soziologische Relevanz von diesem Straßenrap-Phänomen will ich nicht in Zweifel ziehen. Aber mich hat das alles nicht berührt. Ich habe ja auch 2Pac nie gefühlt! Das Technische, was vorher im Rap extrem wichtig war, spielte plötzlich keine Rolle mehr. Ich konnte das analytisch verstehen, aber ich habe es nie gefeiert. Ausgenommen Sido, das war schon fresh. Im Endeffekt war es aber schon richtig, dass wir diesen Zyklus von knapp zehn Jahren einfach ausgesetzt haben. Wir hätten dazu nichts beitragen können und wollen. Aber es gab jedes Jahr drei bis fünf Releases, die uns bei der Stange gehalten haben. Und ich habe versucht, alle zwei Jahre mal irgendwo 16 Bars unterzubringen. Meistens war es mein Buddy Olli Banjo, der mir das ermöglicht hat.

 

Und dann kam das »10 Jahre Feuer­wasser«-Konzert, bei dem ihr zum ersten Mal nach langer Zeit wieder die Bühne betreten habt.
Kallis: Ja. Und schon beim ersten Proben wussten Schivv und ich sofort, wo unsere Einsätze waren. Das war wie Fahrradfahren.
Schivv: Das finde ich sehr faszinierend. Im Jurastudium hat man sich so viele Definitionen auswendig reingeprügelt. Da müsste man heute schon sehr nachdenken, um die wieder auf die Kette zu kriegen. Aber die Einsätze bei den Songs waren so drin, als hätten wir nie aufgehört – und das acht Jahre nach dem letzten Konzert. Das hat mir zu denken gegeben, wie tief das Rap-Ding in einem drinsteckt. Meine Frau hatte mich auch noch nie auf der Bühne gesehen. Das hatte eine große Bedeutung für mich. Es war einfach total nett, ein richtiges Familientreffen. Dafür müssen wir Curse danken. Dieser Abend hat bei uns den unbedingten Willen manifestiert, dieses Album fertig zu machen.

 

Wie schwer war es logistisch, »Silber« zu produzieren?
Schivv: Sehr schwer. Wir sind auf Köln und Berlin verstreut, haben alle sehr zeitintensive Jobs, Mike und ich sind außerdem noch Familienväter. Ich war oft bis halb vier nachts im Studio, habe morgens dann normal gearbeitet, während meine zwei Jungs zu Hause schliefen, von denen einer gerade mal vier Wochen alt ist. Was man da bereit ist zu investieren, würde man für wenige Dinge auf der Welt machen. Das ist wohl wahre Leidenschaft. Gleichzeitig will man ja auch noch ein guter Vater und Mann sein.
Kallis: Ich habe meinen ganzen Jahresurlaub in Flüge nach Köln und lange Wochenenden in den wunderschönen Brewery Studios von Kut-L investiert.

 

 

Wie habt ihr das konkrete Album­konzept entwickelt?
Kallis: Irgendwann sind wir zusammen in die Eifel gefahren, haben Geräte und Schreibwerk mitgenommen und gesagt: Wir kucken mal, was dabei rumkommt. Und wenn nichts dabei rumgekommen wäre, hätten wir ein schönes Wochenende miteinander verbracht, was ja nie verkehrt ist.
Schivv: Dafür sehen wir Rap auch zu sportlich und sind selbstkritisch genug, wenn wir festgestellt hätten, dass es einfach nicht mehr reicht. Das fügte sich dann aber alles. Lifeforce kam mit einem Beat, und Kallis und ich haben uns wie früher die Zettel hin- und hergeschoben, er vier Bars, dann ich vier Bars. Es fluppte halt direkt.

 

Welche musikalischen Ansätze gab es?
Schivv: Ich hab auf Kallis immer eingeredet, dass die Platte hell klingen muss. Und für mich ist es genau diese helle Platte ­geworden. Crada hat uns ein paar Beats geschickt, unter anderem das Intro, das ursprünglich das Intro von Rasuls Album werden sollte. Für mich war es die perfekte Einleitung für die Platte, die wir machen wollten. Crada hab ich tatsächlich erst seit »Fireworks« gecheckt. Ich hab ihn in dem ­Zusammenhang bei ein paar Sachen beraten. Er hat so einen reduzierten, aber trotzdem mondänen und breitwandigen Luxus-Soulklang, und das passte wie die Faust aufs Auge.

 

Daneben hat DJ Adlib aus Köln auch einiges produziert.
Schivv: Adlib war ja früher bei Noisy Stylus, die bei Peer und mir in der Edition waren. Er hat uns über die Jahre immer wieder informiert, was bei ihm so passiert. Als wir seine neuen Beats gehört haben, sind wir trotzdem fast vom Stuhl gefallen. Wir sind jetzt der erste deutschsprachige Rap-Act, bei dem er Beats auf dem Album platziert hat – eigentlich eine Schande. Ach ja, und Roe Beardie hat seinen ersten Rap-Song seit zweieinhalb Jahren gemacht, »Sex im Alter« mit Olli Banjo und unser fast schon ein bisschen spektakuläres »Wie war das noch mal? 2012« mit Sido, was übrigens Sido selbst initiiert hat. Die Platte konnte allein deshalb entstehen, weil Roman von Anfang an dabei war und mit uns durchgezogen hat. Er hat alles zusammengehalten mit seiner Erfahrung, seinen Fähigkeiten und seiner Liebe zu unserem Projekt. Wir kennen uns ja seit Ewigkeiten und sind über die Jahre sehr eng geblieben. Er ist mittlerweile echt so was wie ein König der Medien. Er hat die Songs aufgenommen, gemixt und gemastert, Songs komponiert, Videos geschnitten, Fotos gemacht und bearbeitet und unser Cover gemacht. Wir können ihm nicht genug danken dafür. Ich habe das Gefühl, dass er durch unser Projekt wieder nachhaltig Spaß an dem Rap-Ding entwickelt hat, was ja für uns alle gut wäre.

 

Welche thematischen Vorgaben habt ihr euch für das Album gesetzt?
Schivv: Kallis hat zu Anfang der Produktion mal gesagt, dass er auf der Platte nicht einen einzigen Rap über Rap hören will. Ich war erst skeptisch, habe das später aber nachvollziehen und auch unterschreiben können. Unser Dogma war dann: kein Rap über Rap, keine Lügen, keine Scheinwelten. Alles, was wir sagen, muss mit unserem derzeitigen Leben oder mit den Erfahrungen, die wir gemacht haben, zu tun haben. Es sollte um das Leben von Erwachsenen gehen, die über Rap musikalisch sozialisiert sind und das aus ihrem Leben schlicht und ergreifend nicht loswerden. Und ich bin der festen Überzeugung, dass das Album, wenn man sich nur ein bisschen mit unserer Lebenswelt identifizieren kann, sogar so was wie echte Relevanz hat. Wir haben eben eine Rap-Platte aus der Warte gemacht: Unser Leben ist gut.

 

Gleichzeitig wirken »große« Themen auf Rap-Alben schnell pathetisch oder peinlich.
Kallis: Klar. Das war bei uns auch häufig Thema. Da muss man konkret über Schivvs Song über seinen Sohn [»Eins«, Anm. d. Verf.] sprechen oder meinen Song »Nachtfrost«, wo es um den Tod meiner Mutter geht. Das hätte beides hochpeinlich werden können. Aber wir sind eben eine Crew, wo man sich gegenseitig offen sagt, ob etwas funktioniert. Mir war es wichtig, dass die Jungs meinen Song absegnen. Natürlich sollte das Thema sie berühren, aber es sollte nicht unangenehm sein, den Song anzuhören.
Schivv: Wir alle haben eine relativ niedrige Schamgrenze. Wir schämen uns schnell für andere, aber auch für uns selbst. Den Unterschied macht letztlich die Sprache.

 

Als Anwalt und Werbetexter arbeitet ihr beide alltäglich mit Sprache.
Kallis: Ja. Das Texteschreiben fiel mir daher auch nicht schwer. Kreativität ist mein täglich Brot, ich muss jeden Tag etwas Kreatives zustande bringen, sonst kann ich meine Miete nicht zahlen. Insofern ging das recht einfach.
Schivv: Kallis ist mehr der Schreiber, ich bin eher der Techniker. Und ich hab nicht das Gefühl, dass Rap sich in den letzten zehn Jahren technisch so dramatisch verändert hat, als dass man nicht nahtlos dort wieder anknüpfen könnte. Ich bin selbstbewusst genug zu sagen, dass ich da reimtechnisch noch mitspielen kann. Klar, was beispielsweise Olli oder auch Megaloh machen, die ich beide natürlich feiere, das ist technisch noch mal auf einem anderen Level. Aber grundsätzlich können wir da noch gut mitspielen.

 

Rap entwickelt sich seit ­Marteria, ­Casper und Co. in eine neue ­Richtung. Dass ihr gerade jetzt zurückkommt, klingt nach einem Masterplan.
Schivv: Ey, gar nicht. Wir haben gar keinen Plan und hatten auch nie ein Timing. Das ist reiner Zufall, dass dieser Wiedererweckungsmoment in dieser Phase gekommen ist. Wir hatten das Glück, dass es bei uns schneller als beispielsweise bei Aphroe geklappt hat, der auch ganz klar in diese Zeit gehört, aus der wir kommen, und von dem wir auch ganz dringend dieses Soloalbum brauchen. Der hat sich in den Arsch gebissen, als ich ihm auf einer Feier erzählt habe, dass wir fertig sind. (lacht) Ich sah richtig, wie seine Gesichtszüge entgleisten. Nee, wir haben keinen Plan. Alles nur Fügung.

 

Andere gehen Golf spielen oder bauen Wein an, wenn sie beruflich und privat angekommen sind, ihr macht lieber eine Rap-Platte. Glaubt ihr, dass ­»Silber« euer Leben verändern wird?
Schivv: Hat es jetzt schon. Golf spielen oder Wein anbauen – das sind ja nun auch sehr arrivierte Bilder. (lacht) Andere gehen montags Fußball spielen, mittwochs pokern und freitags saufen. Musik ist tatsächlich ein Hobby für uns geworden. Ein extrem zeit- und geistintensives Hobby. Zugleich fordert einen das sehr, was diesen Wettbewerbs- und Sportgedanken birgt. Mich erfüllt das gerade sehr. Diese Platte aufzunehmen, hat unseren Prozess zur Bürgerlichkeit noch mal mittelfristig ein Stück weit aufgehalten.

 

Hobby-Rapper ist ab jetzt also kein Schimpfwort mehr.
Schivv: Nein. (lacht) War auch nie eins. Du musst es nur gut machen.

 

Text: Stephan Szillus

 

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