Black & Proud – Vom Blues zum Rap // News

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Geschichte der afroamerikanischen Musik, die Nächste, bitte! Mit »Black & Proud: Vom Blues zum Rap« erzählen die beiden Künstler Brüno und Hervé Bourhis zahlreiche Anekdoten von Al Green und Billie Holiday über Erykah Badu bis hin zum Wu-Tang Clan und Kendrick Lamar – in Form eines Comics. Oder eher: einer illustrierten Sammlung an lesenswerten Bruchstücken.

Dieses eine Mal noch. Trotz der vielen Regal­meter in Buchhandlungen mit Abrissen über afroamerikanische Musik, trotz Ed Piskors »Hip Hop Family Tree« und Robert Crumbs »Heroes Of Blues, Jazz & Country«, eben dieses eine Mal braucht es noch eine kurze illustrierte Geschichte dieses Sounds. Denn Brüno und Hervé Bourhis haben mit »Black & Proud« einen beeindruckenden Comic geschaffen, in dem sie im Schnelldurchlauf durch die Jahre fliegen, Zusammenhänge aufzeigen und Anekdoten erzählen.

Ihre selbstgesetzte Vorgabe: »Afroamerikanische Musik, ja, aber ohne Jazz (ein zu breites Thema, das ein eigenes Buch verdienen würde) – bloß ausschließlich US-amerikanische Popmusik. Von 1945 bis 2015. Von Blues bis Beyoncé.« Jeweils eine Doppelseite pro Jahr muss da reichen.

Afroamerikanische Musik, ja, aber ohne Jazz

So erzählen sie auf der einen Seite von verschiedenen Ereignissen, es geht um Daniel Dumiles Pechsträhne, bevor er MF Doom wurde, um Erykah Badus Schwierigkeiten mit den Behörden in Dallas, um die Gravediggaz mit RZA und Prince Paul. Auf der anderen Seite präsentieren Brüno und der französische Comickünstler Bourhis dann ein Album aus dem jeweiligen Jahr mit großem Cover und weiteren Hintergrundinfos. Ihre Auswahl fällt sehr geschmackssicher und damit etwas überraschungsarm aus. Mit Kendrick Lamar, Wu-Tang und Run The Jewels umreißen sie HipHop, mit Curtis Mayfield und Marvin Gaye den Soul.

Dafür verfallen die beiden Künstler nicht dem Gestus der überheblichen Kenner, lassen Lücken zu. Das hier sind einfach zwei Typen, die viel Freude an afroamerikanischer Musik haben – fertig. Dass sie Jazz weitgehend ausgespart haben, hilft ihrer Form der Geschichte, denn so ergibt sich trotz der vielen kleinen Ausschnitte ein komplettes Bild. Anders wäre es zu unübersichtlich geworden.

Sicherlich setzt sich mit diesem Comic niemand hin und liest ihn von Anfang bis Ende. Dafür haben die beiden Künstler ihn wohl auch gar nicht konzipiert. Es geht um das Blättern, Schmökern, Entdecken. Wie in einem riesigen Plattenladen lässt sich zwischen Epochen wie Künstlern hin- und herspringen. Historisches Hintergrundwissen über politische Umstände, die Bürgerrechtsbewegung oder Blaxploitation fehlen ebenfalls nicht.

Es geht um das Blättern, Schmökern, Entdecken

Zeichnerisch orientieren sich der als Sohn eines französischen Soldaten in Deutschland geborene Brüno und Bourhis übrigens nicht am cleanen Stil des US-amerikanischen Mainstreamcomics. Selbst die kurzen Abrisse mit Panels scheinen mit dicken Linien und flächigen Farben in ihrem Ansatz zu bleiben, was so etwas wie distanzierte Nähe zum Gegenstand der Beobachtung schafft. Und diesen Ansatz kann es gar nicht oft genug geben, wenn er zu so leichten und unterhaltsamen 176 Seiten führt.

Text: Björn Bischoff

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