Album der Woche: Crack Ignaz – Sturm und Drang

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Der österreichische Hawara meldet sich nach zwei Jahren musikalischer Pause mit seinem dritten Soloalbum »Sturm und Drang« zurück und entwickelt seinen Sound weiter.

Junge Autoren wenden sich ab von starren Mustern, zelebrieren das Genie und rücken ihre Emotionen in den Vordergrund. Nicht ohne Grund bezieht sich Crack Ignaz sein Album auf die literarische »Sturm und Drang«-Epoche des 18. Jahrhunderts, die von diesen Merkmalen geprägt war, denn auf seinem neuen widmet er sich Gefühlen, Beziehungen und reflektiert sich selbst. All das wird im Umfeld des digitalen Alltags angesiedelt, der nicht nur für Crack Ignaz dauerpräsent ist, sondern längst verändert hat, wie wir alle unsere Gefühle verarbeiten, zum Ausdruck bringen oder auch verschleiern. Crack Ignaz ist relatable, wenn er darüber rappt, wie er einer Verehrten ein digitales Herz in Form eines Likes hinterlässt, noch eindrücklicher sind allerdings die intimen Momente des Albums, in denen er verpasste Chancen, Enttäuschungen und Fehler thematisiert.

»Zu viel Träume sind zerplatzt, so wie Seifenblasen/
Aber alles, was ich bräuchte, wär’ ein neuer Start/
Zurück, wo ich für dich noch keine Enttäuschung war«

– CRACK IGNAZ AUF FLASCHENPOST

Ansätze dieser privaten Einblicke und reflektierenden Gedanken gab es schon auf seinen Releases der letzten Jahre zu hören, jetzt bekommen sie mehr Raum und sind mehr als Beiwerk, sondern stellen das zentrale Element von »Sturm und Drang« dar.

Pop-Balladen mit Rap-Einfluss

Die inhaltliche Neuausrichtung bekommt außerdem eine frische Soundkulisse. Verantwortlich für die Produktionen auf »Sturm und Drang« ist Producer und Songwriter Bvrger, der die Rawness aus Crack Ignaz Sound entfernt und sie mit getragenen Synths ersetzt. Dazu kommen verspielte Details und harmonische Autotune-Hooks, die einen organischen Übergang von Trap zu Pop-Balladen ermöglichen. Die ein oder andere Single mag unter der fehlenden Aggressivität und Durchschlagskraft gelitten haben, als Teil des Albums fügen sie sich dafür umso besser ein. Besonders der Track »Firn« zeigt mit der gesungenen Hook des irischen Rapduos Hare Squead, angesiedelt zwischen Rap, RnB und Pop, dass die Hits des Albums nicht zwangsläufig dort anzusiedeln sind, wo Moshpit-Potential besteht.

Ganz verzichten muss man darauf dank der Single »Herzschmerzgang« trotzdem nicht und seine freche Unbeschwertheit lebt Ignaz auch auf Tracks wie »Äha« oder »Sportschützenverein 5020« gekonnt aus. Der Österreicher bricht nicht mit seiner musikalischen Vergangenheit, aber er macht einen großen Schritt nach vorne. Dieses Experiment funktioniert, entgegen der Trends, als Albumformat.

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