Aesop Rock – The Impossible Kid // Review

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(Rhymesayers/Warner)

Wer mit Ende dreißig anfängt zu skaten, kann eigentlich nur ein Vollidiot sein – und/oder in der Midlife-Crisis. Nicht aber Aesop Rock: Für den Rapper und Produzenten, der seit zwanzig Jahren Musik veröffentlicht, war die Rückkehr aufs Skateboard Teil eines persönlichen Großreinemachens, das eher dem Gegenteil einer Midlife-Crisis entspricht. Aesop ist zurück in der Halfpipe, er zeichnet wieder und ließ so­gar seine Wahlheimat San Francisco für einige Zeit hinter sich, um in den Wäldern Kaliforniens nach sich selbst zu suchen. Und man glaubt ihm, wenn man sein siebtes Album »The Impossible Kid« hört, auf dem er zum ersten Mal nicht klingt wie der Last Man Standing des Def-Jux-Rap. Noch zwei Jahre nach Schließung des einflussreichen Underground-Labels hatte sich Aesop angehört, als hätte ihm niemand Bescheid gesagt. Seine 2012er-Platte »Skelethon« verbiss sich in kopflastigen Wortspielen, prinzipiellem Pessimismus und unbouncigen Beats, bis nur noch die ganz Harten im Garten hinterherkamen. Es war eine der besten Alt-Rap-Platten des Jahres – und ganz sicher diejenige, die man sich am schwersten verdienen musste. Damit verglichen ist »The Impossible Kid« ein cake walk. Selten zuvor hat Aesop so geradlinig produziert und beherzt gescratcht, so offen gerappt über Selbsthass, schwierige Familienverhältnisse und den Galgenhumor, mit dem kluge Menschen wie er solchen Problemen mitunter begegnen. Die Worte sind noch immer beladen mit Doppeldeutigkeiten, schiefen Metaphern und anderen Gedanken­sprüngen, aber es wird nie zu viel auf »The Impossible Kid«, nie altklug oder selbstverliebt. »It’s a record, not a rehabilitation«, rappt Aesop Rock, und er hält sich daran: »Kirby« und »Rings« sind seine zwingendsten Hits der letzten zehn Jahre, »Lazy Eye« hat eine Basslinie, die man im Supermarkt vor sich hinpfeifen möchte. Wahrscheinlich wird es Menschen geben, denen das schon wieder zu gesetzt ist, denen das Verkorkste und Soziopathische von Aesops bisheriger Persona fehlen. Sie können dem Rapper ja im Skatepark auflauern, während wir seine neue Platte hören.

Text: Daniel Gerhardt

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