Waldo The Funk – Domingo Vogel // Review

waldo the funk

(WSP Records Chapter ONE / Universal Music)

Waldo The Funk, der sympathische Bartträger aus Heilbronn, war schon bei seiner EP vor rund drei Jahren kein Typus Rapper, der mit Promo-Stunts und Takeover-Plänen auftrat. Im Aufstiegsjahr der Pandamaske war »Toykis« ein subtiles Statement aus Sample-Instrumentals und unverkrampfter Low-Profile-Attitüde – nicht per se gegen Mainstream und Eingängigkeit, aber für Rap als Kleinkunst. Das Albumdebüt »Domingo Vogel« erblickt das Licht in einer Szene, die vielleicht ihre Stars, aber nicht ihre Mechanismen gewechselt hat. »Ich frag mich halt dann selbst: Hey, wann kommt dein Album raus?/Vielleicht nie, du Lauch, ich weiß es auch nicht«, eröffnet Waldo ganz leichtfüßig. Zwischen bodenständigem Reflexionsrap in der Tradition von Hiobs Untergrundklassiker »Fragmente« und der beschwingten Crate-Digger-Ästhetik des Deutschrap der Nullerjahre platziert sich Waldos Debüt elegant zwischen den Ären. »Domingo Vogel« ist dank sphärischem Organic-Cloud von Enaka, sonnigem Bossa-Nova-Trap von Dexter oder lauluftigem Biergarten-Bap der Dramadigs ein HipHop-Entwurf, der sich dem Zeitgeist nicht unterwirft, ihn aber integriert. Die klassische Sample-Flip-Handhab harmoniert hier vorbildlich mit modernem Soundverständnis, ohne gleich Kunstbegriffe wie Boom-Trap aufzudrängen. Der »bio-vegane Spliffer« betet derweil keine Abgrenzungsphrasen herunter oder wähnt sich in zweckgereimter Souveränität, sondern philosophiert selbstironisch über Geldprobleme, Social-Media-Peinlichkeiten und Versagensängste: »Wenn nicht Kippe oder J/Dann mit der Pumpgun«. Das hypnotische »Daniel Sohn«, das rauchige »OAMD« und der zufriedene Afterhour-Tune »Nachhauseweg« sind Songs eines Rappers, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und dies bei aller Unaufdringlichkeit zu hartnäckigen Ohrwürmern verwandeln kann. In Zeiten von aufgeregtem Twitter-Aktualitätswahn besticht »Domingo Vogel« mit einer erfrischenden Unverkrampftheit, die dem Affenstall called Deutschrap eine Eigenschaft zurückgibt, die all zu oft unterschätzt wird: Understatement.

Text: Fionn Birr