Big K.R.I.T. – Album Stream

    Das Album-Format ist durch I-Tunes und MP3-Player dem Untergang geweiht – so die gängige These. Gerade im HipHop scheint diese Behauptung Bestätigung zu finden, auch wenn eine Rückbesinnung auf frühere Werte wie Interludes und einem klar definierten Soundkonzept wieder zu beobachten ist. Spürbar verändert hat sich definitiv der Stellenwert des Debüt-Albums im Zuge des Mixtape-Zeitalters. Die zwei prominentesten Beispiele: Wiz Khalifas »Kush & OJ« war fresher und freier als »Rolling Papers« und J. Coles »Friday Night Lights« hatte die größere Intensität und Hitdichte als »Cole World: The Sideline Story«.

    Dem selben Dilemma sieht sich Big K.R.I.T. nun mit seiner Debüt-LP »Live From The Underground« ausgesetzt, dem ganze 9(!) Mixtapes vorausgingen. Hätte man nicht schon »Return Of 4eva« und »4eva N a Day« auf der Def Jam-Etage locker als Alben durchwinken können? Und wie kompiliert man eigentlich ein Album, wenn zeitgleich im Internet fröhlich free-releast wird? Für das, wiedermal komplett in Eigenregie produzierte »Live From The Underground« hat sich der Südstaatler jedenfalls genug Album-Material beiseite gelegt, das dem Namen gerecht wird und eben nicht einfach nochmal die besten Mixtape-Songs aufwärmt. Davon kann man sich ab sofort im Stream auf www.npr.org vergewissern.

    »Live From The Underground« ist noch bounciger, up-tempo-lastiger und düsterer als sein bisheriges Schaffen. Ob er an der Seite von Blues-Gott B.B. King den »Praying Man« miemt, »Last Night A DJ Saved My Life« runterpitcht oder es »cool to be southern« macht – an der Rezeptur aus Soul- und Blues-Samples mit dicken 808-Untersetzern hat sich wenig geändert. Mit »Hydroplaining«, das einen gut aufgelegten Devin the Dude featuret und »If I Fall«, mit Melanie Fiona an der Hook, dürften die Single-Kandidaten auch schon feststehen. Dem Anspruch, ein klassisches, traditionelles und doch lyrisches Südstaaten-Album zu schaffen, ist er gerecht geworden, mehr aber auch nicht. Zu seinen letzten Tapes, die sich bereits zu sowas wie Klassikern entwickeln, ist keine Steigerung auszumachen. Vielleicht sollte man sich von diesen Erwartungen aber auch ein für alle mal verabschieden.