Battle Of The Ear: Danju – Stoned Ohne Grund // Review

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(Chimperator/Groove Attack)

Natürlich kann man es sich einfach machen und hinter dem »neuen« Danju ein Konzept vermuten. Name, Look und Sound, alles fresh out the box – hinter der Dreifaltigkeit des Phönix-aus-der-Asche-Moves mag mancher die Chimperator-Strippenzieher vermuten: So wurde Danju in der Stuggi-Schmiede geformt und geschliffen, um vom Cro-Sidekick zum Antagonisten des schnuckeligen Platinpandas zu avancieren – der Bad-Boy-Gegenentwurf für die wirklichen »Bad Chicks«. Wer sich jedoch tiefergehend mit the artist formely known as DaJuan beschäftigt, dem fällt auf, dass man dem Schwaben viel vorwerfen kann, aber keine kalkulierten Moves. Dazu gibt es auf Danjus Seite – und das ist im positivsten aller Sinne gemeint – zu viel Verplantheit. Dabei ist »Stoned ohne Grund« gar nicht mal ein Kiffer-album voller Kush-Romantik, sondern vielmehr Kopf-aus- als Kopf-rauch-Mucke. War »Cali«, das Vorgänger-Tape, eher dafür gedacht, um im klapprigen Cabrio durch endlose Sommertage zu tuckern, lohnt »Stoned ohne Grund« für Nachtfahrten; für den Drive-by am Drive-in; für das Abhängen auf Autobahnpark­plätzen und die Verpfandflaschung des Backseats (ausgenommen »Für Mama«, dessen Cheesy­ness wir an dieser Stelle einfach mal wegigno­rieren). Die Platte ist der Soundtrack für jede Erledigungsblockade, dem ständigen Weiterschieben von Aufgaben, die Antithese zu Motivationsmucke, sprich: Prokrastinationsmusik. Im Strudel der Verschlunzungen werden da ganze Zeilen zu einem Bandwurmwort zusammengeschnuschelt. Am Ende wirkt »Stoned ohne Grund« nicht am Reißbrett konzipiert. Es gibt angehängte Skits, skizzenhafte Brückenparts und unausgebügelte Unterschiede in der Aufnahme­qualität. Es versucht nicht, ein Copycat vom Panda zu sein. Das schenkt dem Album eine Locker­heit, die man sich mit dem Anspruch auf den »großen Wurf« sicherlich selbst genommen hätte. Hat man aber nicht.

Text: Jan Kawelke

 
Zugegeben: Als Best Friend Forever von Cro hat man es im deutschen Rapzirkus nicht unbedingt leicht. Von Vorteil ist natürlich, dass man es sich umso einfacher macht, eine bestimmte Zielgruppe zu erschließen – call it minderjährige Mützenmädchen. Umso verwunderlicher sind bei jener Rezipientenreduktion nun allerdings die Inhalte, die das jüngste Chimperator-Signing auf »Stoned ohne Grund« verarbeitet. Denn die fallen weitaus expliziter aus, als die seines Bärenbruders. Was seit dem Wechsel von Dajuan zu Danju mittlerweile verdächtig nach den US-Jungs mit Dollarzeichen im Namen aussieht, versucht über Strecken tatsächlich auch so zu klingen – mit dem Problem, dass das größte Issue in Sturaq (ja, Guns im Video) eher Uni als Uzi heißt. Darüber hinaus gilt es, die Veröffentlichung der nächsten limitierten Jordans nicht zu verpennen und – Gott bewahre – bloß kein Fruit Of The Loom zu tragen. Wenn im ähnlichen Kontext dann die Rede von den »Bros aus den Slums« ist und Danju das Prädikat »bester Weißer im Game« für sich in Anspruch nimmt, verstricken sich die Widersprüche so sehr, dass man als Hörer, der Rap ernst nimmt, nicht nur aussteigt, sondern sich gar düpiert sieht. Der vorläufige Fremdschamhöhepunkt wird nach spanischem Cerveza-Gemurmel und melodramatischen ­Booty-Call-Skits von verflossenen Liebschaften dann mit der Single »Für Mama« erreicht – einer Ode an die bananenschleckende Milf des neuen Girls, das Danju zur derzeitigen Gelegenheitsgeliebten erkoren hat. LOL-Faktor on a Zillion: Danju will am liebsten Mutter und Tochter ficken, reimt Sau auf Frau und unterlegt das Ganze mit Auto-Tune-Gelalle und schlagereskem Uptempo-­Gedudel. Da fällt es rück­blickend selbst dem 16-jährigen Ich schwer, darüber hinwegzusehen, geschweige denn zu lachen.

Text: Katrin Melchior