Karate Andi: »Mir ist egal, ob die Leute das verstehen oder nicht. Hauptsache, sie lachen!« // Interview

 
Du schießt in deinen Texten gegen so ziemlich alles und jeden. Gibt es auch Randgruppen, die du nicht verarschen würdest? Kennt dein Humor Grenzen?
Rassismus ist natürlich scheiße, da muss man das Kind auch mal beim Namen nennen. Da braucht man auch keinen Humor für. Aber sonst darf oder muss Humor ziemlich viel.

Was ist eigentlich aus dem Genre Pennerrap geworden? Gibt es eine neue Generation Andi?
Das musst du die Generation Andi fragen. Die sind ja alle autark, aber die Küken sind flügge geworden, wie man bei uns in Kiel so schön sagt. Die Generation Andi wird ja nicht erzogen, sondern macht, was sie will. Von daher ist mir das egal. Ich kann das gar nicht kontrollieren.

Du hast also noch keine Jugendlichen erlebt, die wegen deiner Texte angefangen haben, Schore zu spritzen?
Nee, Leute, die meine Musik hören, sind ja so intelligent, dass sie das einschätzen können. Die checken schon die Kritik in meinen wachrüttelnden Zeilen und durch meinen erhobenen Zeigefinger. Damals hab ich meinen Rap als Pennerrap bezeichnet, heute würde ich es eher Zeigefingerrap nennen.

Auf »Eisen« rappst du: »Artet die Party nicht in Gewalt aus, war’s keine gute.« Was war denn die letzte gute, gewalttätige Party, auf der du warst?

Das ist ja ein Zitat vom guten alten Takti, dem Blonden. Dem musste ich unbedingt mal Respekt zollen. Über die letzte Party kann ich leider nicht sprechen, da laufen noch Ermittlungsverfahren. (grinst)

Auf deinem Album rappst du von »GHB in unseren Drinks.« Ist dir GHB, besser bekannt als Liquid Ecstasy, nicht zu dreckig?
Das hat sich einfach gut gereimt. Da ich es noch nicht probiert habe, kann ich das leider nicht bestätigen. Bei Human Traffic nennen wir das: die Kuscheldroge.

Gibt es denn neue Szenedrogen in Berlin, die du empfiehlst?
Auf jeden Fall Flakker, das ist MDPV [Methylendioxypyrovaleron – ein Amphetamin, das unter anderem als Streckmittel für Ecstasy und Speed verwendet wird; Anm. d. Verf.], das kann ich jedem nur ans Herz legen. Macht hochgradig süchtig und ist relativ günstig. Da gibt es auch eine super Doku auf Youtube. Wenn man sein Leben wegschmeißen will, sollte man direkt auf MDPV umsteigen.

Du schießt auf deinem Album gegen Leute, die auf Filme mit Dennis Hopper und Kevin Costner stehen. Was hast du gegen »Waterworld«?
(lacht laut) Ah, krass, hat Dennis Hopper denn da mitgespielt? So war die Zeile gar nicht gemeint. Alter, klar, der Bösewicht mit der Augenklappe. Nö, ich hate den Film überhaupt nicht, ich hab nur gehört, dass er damals der größte finanzielle Flopp der Kinogeschichte gewesen sein soll. Aber Respekt an Dennis Hopper, der ist eh King. Oh shit, Dennis Hopper ist tot? Dann rest in peace, Alter.

An wen richtet sich die Zeile »Erzähl mir nicht, du seist von Madlib inspiriert«?
Ich feier Madlib auf jeden Fall und hab zu Hause auch ein paar Beatplatten von ihm. Ich hab damals auch Lootpack gehört und find das cool. Aber es gibt halt diesen spezifischen Rapnerd, ein Typus, der sich für besonders gebildet hält, sich damit brüstet, Madlib zu hören, aber immer Blödsinn labert und einfach nervt.

Wählst du noch die APPD, die anarchistische Pogopartei Deutschlands?
Die haben meine Stimme, ganz klar. Obwohl ich die jetzt schon so oft gewählt hab und es immer noch keine Bierhydranten gibt. Zumindest nicht in Ostberlin. Bei denen scheint ein bisschen der Wurm drin zu sein, aber das Kreuz mach ich trotzdem noch bei der APPD. Das sagt mir schon mein gesunder Menschenverstand. Die könnten auch ein leeres Parteiprogramm abgeben, da ich eh nicht lesen kann, macht das ja nichts. (grinst)

Du kommst deiner demokratischen Bürgerpflicht also nach und würdest auch zum Wählen aufrufen?
Auf jeden Fall, wählen ist ganz wichtig. Geht wählen, Kinder!

Fotos: Josha Lohrengel

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