Yung Lean – Warlord // Review

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Man hätte ihn wirklich gerne als Eintagsfliege abgetan; als witziges Gimmick ohne Nachhall. Doch 2016 ist Yung Lean aus dem hiesigen HipHop nicht mehr wegzudenken. Ständig schwirrt er durch Artikel über junge deutsche und österreichische Rapper. Eine umstrittene Figur bleibt er weiterhin. Der Hype-Train ist ohnehin längst abgefahren. Tatsächlich war die letzte Yung-Lean-Platte »Unknown Memory« eine ziemlich fade Angelegenheit, musikalisch wie lyrisch orientierungslos. Erst jetzt, mit »Warlord«, hat Yung Lean es geschafft, sich mit seinem weltumspannenden Erfolg zu versöhnen. Heute bereist er zwar die Welt, sein lyrischer Kosmos ist dennoch ein altbekannter: Pop-Anspielungen noch und nöcher, unmenschlich viele Drogen, emotionale Kälte, wahnsinnig gute Beats. Selbstverständlich haben Yung Gud, Yung Sherman und White Armor auch »Warlord« produziert. Und die Synthese gelingt erneut: Noch nie klang deren wie zum Drogennehmen gemachter Rap-Entwurf so dicht und zugleich abwechslungsreich. Um bei den Narkotika zu bleiben: Die druck­volle Single »Hoover« taugt für Speed-induzierten Primetime-Wahnsinn, ruhige Stücke wie »Eye Contact« und »Stay Down« eher für bisschen Weed aus Afgha­nistan. Letztere Songs hinterlassen auch den größten Eindruck, weil es Yung Lean hier am besten gelingt, seine von Konsumgütern und Betäubungsmitteln bestimm­te Lebens­realität mit eindeutig einzugrenzendem Farbspektrum (alles zwischen grau und schwarz) auf eine Leinwand zu sprühen und dabei mehrere Schichten an Inhalt zu hinterlassen. Dank dieser Qualität schafft es »Warlord«, letzte Zweifel an Yung Leans künstlerischer Qualität beiseitezuwischen. Seinen Welthass und seine Flucht vor eben diesem verarbeitet er für seine Hörer plastisch erfahrbar. Wenn Yung Lean rappt: »I don’t have no feelings left, I don’t wanna hurt her«, dann glaubt man ihm jedes Wort. Oberflächenmusik? Nichts da!