YOURZ – ROAR! // JUICE Premiere

Yourz

Dass in der SektorWestBüdchenGang längst nicht nur gerappt wird, ist spätestens seit der letzten Platte von Dufsen klar. Auch YOURZ, der gerade noch weitestgehend im Alleingang das Sparky-Album »Leuchtraketen« produziert hat, widmet sich Solowerken. Während der Sound auf »Leuchtraketen« noch dystopischer daherkam und von britischer Bass-Music und Clams Casino beeinflusst war, wirkt die JUICE Premiere zu »ROAR!« klanglich wärmer, aber nicht weniger wütend. Warum sich die Hauptcharacktere im Video so in den Haaren haben und wie YOURZ zu einem unveröffentlichten Casper-Acapella kam, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

 

Worüber streiten die beiden Frauen im »ROAR!«-Video eigentlich?
YOURZ: Der Streit ist frei interpretierbar. Vielleicht geht es um Eifersucht, einen geplatzten Coup oder ein Missverständnis. Der Titel bezieht sich auf die Energie, die von den beiden ausgeht. Es wird sich angebrüllt. Daher: ROAR!

2007 warst du dreimal auf Prinz Pis Streetalbum »Das Prinz Ip Prinz Pi« vertreten. Waren das deine musikalischen Anfänge?
Nicht ganz. Anfangen hat alles mit Vega (damals noch VRS). Er hatte mich 2006 im Sentino-Forum entdeckt. Ich habe ein Queen-Beat-Medley im Heatmakerz Stil hochgeladen. Er hat mich daraufhin Separate vorgestellt, für dessen Camp ich 2006 und 2007 einige Beats gemacht habe. Er hat mir auch den Kontakt zu Abroo, Prinz Pi und Casper ermöglicht. Ich habe sogar noch ein exklusives Acapella von Casper rumliegen, auf dem er sich dafür bedankt, dass ich für ihn einen Remix mache. Leider habe ich das nie verwendet, und mittlerweile ist der Respekt vor seinem Schaffen zu groß, um das noch mal anzugehen.

Was waren damals die Einflüsse?
Damals war der Einfluss klar von den Diplomats geprägt. Gepitchte Vocals, schnelle HiHats und Snare-Rolls. Wenn nicht Heatmakerz, dann Timbaland, Neptunes oder Scott Storch. Mich haben die ausproduzierten Beats aus den Staaten damals beeindruckt – da hat einfach jedes Detail gestimmt und so wollte ich auch klingen. An dieser Stelle Grüße an meinen Freund und Kollegen Big Flexx, von dem ich mir damals einiges abgeschaut habe. Er produzierte als Erster aus meinem Dunstkreis mit FL Studio und wir beide sind bis heute dabei geblieben.

Sparkys Album »Leuchtraketen«, das du fast komplett produziert hast, rückt musikalisch eher in eine britische Bass-Music-Richtung. Auch Burial und Clams Casino scheinen Einflüsse gewesen zu sein. Warum die Umorientierung?
Ich habe schon vor der Zusammenarbeit mit Sparky sphärische Flächen und elektronische Sounds in Beats verwendet, ohne, dass mir »Cloud« ein Begriff war. Sparky hat mir zum ersten Mal Songs von Künstlern gezeigt, die für diesen Sound stehen. Wir haben uns im Vorfeld des Albums mehrmals getroffen und er hat mir die ganzen Sachen von Clams Casino, Yung Lean, Yung Hurn, Young Krillin, A$AP Rocky oder auch The Streets gezeigt. Ich habe dann versucht einen ähnlichen Vibe für das Album zu erzeugen. Die Produktionen von Spexo oder auch Dufsen haben mich wiederum motiviert, verstärkt analoge Drums zu verwenden und sie mit elektronischen Sounds zu kombinieren.

Wie siehst du die Entwicklung von instrumentaler Musik mit HipHop-Background?
Es tut gut zu sehen, dass Produzenten aus dem Schatten der Rapper treten und mit ihrer Kunst für sich stehen. Ich beobachte auch ein Umdenken bei den Magazinen und Portalen, die seit zwei, drei Jahren verstärkt über Produzenten berichten. Unabhängig zu produzieren bedeutet auch kreative Freiheit: Man ist an keine feste Songstruktur gebunden.

Haben Soundcloud und Bandcamp etwas in der Wahrnehmung von Beats verändert?
Absolut. Das Internet ist voller Inspirationsquellen. Nie war Musikbearbeitung- und Veröffentlichung einfacher.

Gibt es für dich überhaupt musikalische Schranken? Gerade in Köln und Berlin passiert ja zum Beispiel eine Bewegung von HipHop-Beats in Richtung House.
Die Line von Eizi-Eiz trifft es ganz gut: »Wer Hip Hop macht, aber nur Hip Hop hört, betreibt Inzest« – ich lasse mich gerne von allem und jedem inspirieren, unabhängig von Genres. Eines der nächsten Projekte wird eine EP mit meinem Gitarristen CAZZPA sein. Er ist absoluter Rockfan. Ich bin gespannt, welcher Stilmix dabei herauskommt.