Your Old Droog – Alte Freundschaften [Feature + Neue EP]

DROOG_ALEXANDERRICHTER1
 
Your Old Droog liegt einiges daran, dich wissen zu lassen, dass er nicht Nas ist. Denn seitdem der Rapper aus Brooklyn quasi aus dem Nichts auf der Bildfläche erschien, drehen sich die Gespräche über Droog und seine Debüt-EP vor allem um dieses Gerücht. Doch die Ähnlichkeiten waren und sind auch weiterhin nicht von der Hand zu weisen: Schließlich besitzt Droogs Stimme ein vertraut heiseres Timbre. Und nicht zuletzt neigt der MC dazu, mit zeitweilig paraphrasiert wirkenden Reimfetzen und dem typischen Nasir-Jones-Vokabular zu kokettieren. Kein Wunder, dass die Rap-Gerüchteküche innerhalb kürzester Zeit brodelte und viele sich bald sicher waren, hinter dem mysteriösen Moniker ein geheimes Projekt der Queensbridge-Ikone erkannt zu haben. Dem war jedoch nicht so.
 
Unabhängig davon, ob der ganze Trubel um seine Musik nun ein gut geplanter PR-Stunt war oder wir es schlichtweg mit einem stimmlichen Doppelgänger zu tun haben: Droog, zweifelsohne ein talentierter MC, scheint von den allgegenwärtigen Vergleichen genervt. Sowohl sein ­Promoter als auch der Rapper selbst ermahnen mich vor unserem Interview, das Thema Nas unter allen Umständen außen vor zu lassen. Kurz wirkt die Stimmung gereizt, doch während des Gesprächs entpuppt sich Droog als gleichermaßen sympathisch und redefreudig. Und auch wenn seine Antworten deutlich erkennen lassen, dass sich Droog seiner Fähigkeiten am Mic sehr wohl bewusst ist, liegt eine gewisse Bescheidenheit in seiner Wortwahl.
 
Ich treffe Droog in Marco Polos Wohnung in Brooklyn. Mit dem Producer hat Droog nach eigenen Angaben bisher um die zehn Tracks aufgenommen, die er in absehbarer Zukunft ­veröffentlichen möchte. »Ich habe das Gefühl, dass Marco ­verstanden hat, was wir machen«, erklärt Droog, dessen Name sich von dem russischen Wort für »Freund« herleitet. »Er hatte schon seine eigenen Sachen am Start, die sowieso immer ill sind. Und dann hat er den Sound ­genommen, zu dem wir unseren Vibe gefunden hatten, und meinte, ‘ich weiß, worauf du gut klingst‘, und sich dem angepasst, was wir soundtechnisch erreichen wollten.«
 
Was Your Old Droog und sein Camp erreichen möchten, ist die vielbeanspruchte Rückbesinnung auf den Pomp der goldenen Jahre von New Yorks, ohne dabei den Draht zum Hier und Jetzt zu verlieren. Während unseres Gesprächs geht es viel um die Wichtigkeit seiner Reime, im Track »Nutty Bars« prahlt er: »I’m about to bring back storytelling.« Darauf angesprochen, entwickelt sich aus der Antwort eine ­Diskussion über den Standard von ­klassischem East-Coast-Lyricism, dem er sich verpflichtet fühlt: »Slick Rick ist definitiv der beste in diesem Storytelling-Scheiß. Aber mein Lieblingstrack, was Storys angeht, ist ’Gimme The Loot’ von Biggie. Ich war noch jung, als ich den Song zum ersten Mal hörte, und wie viele andere auch dachte ich, dass zwei MCs auf dem Track rappen. Bis mir mein Homie irgendwann erzählte, dass das einfach nur Biggies gepitchte Stimme war. Wobei ich das nicht mal glaube: Er hat seine Stimme einfach verstellt. Jedenfalls hat mich das umgehauen.«
 
»Für mich persönlich ist das Schwierigste in Sachen Rap, eine Geschichte zu erzählen«, fährt er fort. »Jeder kann einen Rap mit ein paar Punchlines ­schreiben. Aber um eine Geschichte ­erzählen zu können, musst du auf ein anderes Level kommen.« Der nächste Schritt bei Your Old Droogs Aufstieg ist ein Re-Release seiner gleichnamigen EP inklusive sechs neuer Songs, mit denen er der Kunstfigur Droog ­einige neue Facetten ­hinzuzufügen gedenkt. »Ich arbeite derzeit non-stop«, erklärt er. »Ich habe mittlerweile einiges auf Lager, aber in diesen sechs Songs geht es um mich als Persönlichkeit. Die EP war sehr darauf bedacht, meine Fertigkeiten als MC in den Vordergrund zu stellen und dahingehend das Maximum herauszuholen. Auf den neuen Songs habe ich Spaß.« Die Songs wären zum gleichen Zeitpunkt wie die EP entstanden. »Ich war dabei, mich weiterzuentwickeln und meine Stimme zu finden. Und ich glaube nicht, dass man diesen Aspekt schon in ­meinen bisherigen Songs gehört hat.« Mit einem verschmitzten Lächeln gibt er abschließend zu Protokoll: »Es wird interessant!«
 
UPDATE: Interessant wurde es in der Tat: Nach dem Re-Release auf Albumlänge seiner EP »Your Old Droog« im November, veröffentlicht Droog jetzt seine »Kinison EP«, die inspiriert ist von Rock-Einflüssen.
 

 
Text: Philip Mlynar
Foto: Alexander Richter