Waka Flocka Flame – Flockaveli

    Die kreative Krise von Gangsta Rap ist an Waka Flocka Flame offenbar spurlos vorbeigegangen. Wahrscheinlich hat er noch nicht mal davon gehört. Und falls doch, interessiert es ihn nicht die Bohne. Außer der Straße kennt er nichts – und so klingt seine Musik eben auch. Mit einer Paarung aus der bewährten Dummdreistigkeit seines So Icey-Vorgesetzten Gucci Mane plus einiger gutturaler Brülleinlagen hat sich rasch einen gut grölbaren Namen gemacht. Nun legt er sein erstes Album vor – und das ist so dreckig wie der Süden und so heiß wie die Hölle. Es gibt keine Ausfälle, keine misslungenen Ausflüge in den R&B- oder Popbereich, sprich keine unangenehmen Überraschungen. Wortspiele oder um drei Ecken gedachte Vergleiche sowieso nicht. Ein wenig aus dem Rahmen fällt lediglich ein Featurepart von Wale (!), der sich aber angenehm in das Gesamtkonzept von „Flockaveli“ integriert. Und das lässt sich mit „Auf die Fresse!“ ganz gut zusammenfassen. Lex Lugers Synthie-Instrumentals marschieren angriffslustig nach vorne, und Waka schreit sich unermüdlich Frust und Ärger von der Seele. Nicht nur auf dem gleichnamigen Song geht er so hart in der Farbe, dass es einem die Freudentränen in die Augen treibt. Aus jeder Sekunde sprüht hier die entfesselte Energie und das mit Händen greifbare Charisma, und wenn Waka feststellt, dass “one lousy-ass bullet can’t fuckin’ stop me”, dann ist das nichts als die Wahrheit: Im vergangenen Januar wurde sein rechter Arm bei einem Überfall in Atlanta glatt durchschossen. Auch seine zahllosen lyrischen Kumpels, allesamt No Names wie YG Hottie, Popa Smurf, Gudda Gudda oder Slim Dunkin, sind permanent zum Angriff bereit und reiten eine Attacke nach der nächsten. Höhepunkte sind angesichts dieser massiven Hit-Dichte nur schwer auszumachen, wobei die Singles „Hard In The Paint“ und das geschmeidige „No Hands“ durchaus gut ausgewählt sind und das polternde „Fuck The Club Up“ noch ein bisschen mehr Adrenalin in die Venen des Hörers pumpt als die restlichen Songs. Danach möchte man erstmal die nächste Bushaltestelle zerlegen. Wenn man klug ist, investiert man die gewonnene Energie aber lieber im Fitnesscenter – bei einem weiteren Durchlauf.

    Brick Squad/Warner

    Oliver Marquart