Vince Staples – Prima Donna // Review

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((Def Jam / Universal))

Wenn Vince Staples mit seinen gerade mal 23 Jahren bereits den Rücktritt vom Mic androht, muss es in seinem Inneren brodeln. Zu beschwerlich scheint der Spagat zwischen seiner humorvollen Persönlichkeit mit Potenzial zum Stand-up-Comedian in Interviews und erbarmungs­loser Reflexion des Lebens auf musikalischer Basis zu sein. Trotz der durchweg positiven Resonanz auf sein letztjähriges Majordebüt »Summertime ’06«, äußert sich Vince öffentlich wenig euphorisch über die eigene Kunst. Und auch »Prima Donna« strickt diesen Eindruck als ausgeklügelte Konzept-EP fort: Vince schlüpft in die Rolle eines Rappers, dem der Erfolg zu Kopf gestiegen ist. Aus der Überheblichkeit wird Paranoia, die zu Selbstzweifel und Selbsthass führt. Der düstere Geisteswandel eskaliert mit dem Knall einer 9mm – Selbstmord. Wie im Film »Memento« werden die Geschehnisse allerdings rückwärts erzählt und je Track eine weitere Stufe durchleuchtet. Nach dem Suizid leitet ein André-3000-Sample die 21-minütige mentale Irrfahrt ein. Vince bringt introvertiertes Storytelling und auf in Rage gerappten Tracks wie »Loco« die bestgeflowten Verse seiner Karriere. Das tiefergelegte Gerausche von DJ Dahi, No I.D. und James Blake könnte die bedrohliche Erzählung kaum treffender untermalen. Besonders der Titeltrack mit A$AP Rocky verdient die frühzeitige Auszeichnung zum Kofferraum-Banger des Jahres. Ob »Prima Donna« Parallelen zu Vinces eigenem Geisteszustand aufzeigt oder nur sein zynisch-künstlerischer Kommentar zur Scheinheiligkeit der Musikindustrie ist, lässt sich durch die vielen ironischen Äußerungen nur mutmaßen. Sicher scheint: Mit jedem weiteren Meilenstein steigen Vinces Popularität und sein Desinteresse am Showbiz gleichermaßen an. Im Grunde dürfte diese Review also gar nicht existieren – zu kostbar ist derzeit Vince‘ Existenz im US-Rap, als dass wir die Verwirklichung seiner Drohung tatsächlich riskieren wollen.