Shake 070: Bigger than New York // UnderTheRadar

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Ein sonniger Tag in Paterson, New Jersey. Eine Gruppe Jugendlicher sitzt dort im Stadtpark auf einer Treppe: Sie trinken, rauchen und lassen die Ellenbogen tanzen, während LoFi-Trap mit organischem Kalimba-Sample im Hintergrund wabert. Der erste Part von »070 Freestyle«, dem Video-Auftakt des 070 Projects aus NJ, gehört Shake. Ob Shake Mann oder Frau ist, wird im ersten Moment nicht deutlich, das Gesicht versteckt sich hinter Sonnenbrille und Cap. Das Rätseln um das Geschlecht weicht allerdings bald der Verwunderung über den Auftritt der jungen, ja, Dame aus North Bergen. Es ist schwierig zu beschreiben, was Shake so interessant macht. Da ist ihre burschikose Stimme und die Intonation der Wörter, die mit Autotune-Delay über den Beat schweben. Da ist aber auch ihr Erscheinungsbild, ein trippy Batik-Hoodie, das dezente Face-Tat und ihre Gestik, die von der ersten Sekunde einnehmen. Ein bisschen erinnert sie an den frühen Post Malone, ihrer Person haftet jedoch etwas extrem Ernsthaftes an. Vor allem, wenn sie ihre Abhandlungen über zwischenmenschliche Emotionen und drogeninduzierten Erkenntniswahn mit ihrer moumentalen Stimme zerreißt.

 
The 070 Project sind sechs Teenager mit Fashion-Referenzen und juveniler Attitüde, die sich über ihre Heimatstadt und der Liebe zu ihrer Crew definieren. Im achtminütigen Video zu »070 Freestyle« geben sich mit Malick, Phi, B-Hesh, Hackley and Ralphy River neben Shake alle weiteren Member die Klinke in die Hand. Und obwohl bis auf Shake keiner von ihnen ein wirklicher Standout-Artist ist, ergibt sich aus den Diversitäten ein interessanter Mix, der keine wirklichen Ausfälle verbuchen muss. Neben besagtem Video ist von der New-Jersey-Clique nicht viel bekannt. Abgesehen von der Tatsache, dass ein Großteil der klanglichen Untermalung aus der In-House-Beatschmiede von The Kompetition stammt.

 
Das ganze Ding ins Rollen gebracht hat, wenn man diversen Blog-Reports Glauben schenken will, eine Dame namens YesJulz. Die 25-Jährige ist … ja, was ist sie eigentlich? Highsnobiety hatte sie in einem Mini-Poträt kürzlich als »conductor between big brands and their audiences« genannt. Vor allem soll sie es aber verstanden haben, den Messengerdienst Snapchat wie keine Zweite für Marketing- und Promotion-Zwecke zu instrumentalisieren. Sie könnte unter anderem dafür gesorgt haben, dass Shake bereits mit Vado oder »Uber Everywhere«-Artist Madeintyo gemeinsame Sache machte. Von Shake wird man noch einiges zu hören bekommen. Ein Liebling der Hype-affinen »Blogs« (in diesem Fall zählen wir uns dazu) ist sie schon jetzt.

 

Die Menge an Musik, die tagtäglich durchs Netz kursiert, ist unüberschaubar. Zwischen einer Menge Trash versteckt, blitzen immer wieder Rohdiamanten hervor: die nächsten Hypes der Stunde. #UnderTheRadar widmet sich ebenjenen Artists.