Ultimate P: Die zehn essenziellen Prodigy-Tracks // Liste

Foto: Wilma Peters

Die Nachricht erwischte uns gestern wie eine Faust, die sich unerwartet in die Magengrube bohrt: Prodigy, tot im Alter von nur 42 Jahren. Klar, Albert Johnson, wie P mit bürgerlichem Namen hieß, litt unter Sichelzellenanämie, einer Blutkrankheit. Spätestens nach Tupacs Rundumschlag »Hit ‚Em Up« wusste das jeder Rap-Fan. Doch Anzeichen, dass Prodigy größere gesundheitliche Probleme haben könnte, gab es bis zuletzt kaum. Das Duo aus Queensbridge war auch in Europa noch regelmäßig live zu sehen – gemeinsam tourte man zuletzt 2014 durch Deutschland. Solo konnte man Prodigy hierzulande zum letzten Mal im Rahmen der The Game-Tour im vergangenen Herbst bewundern.

Ob und inwiefern sein verfrühter Tod mit einem Krankenhaus-Aufenthalt vergangene Woche in Las Vegas zusammenhängt, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Was vorerst bleibt sind Wut, Trauer und Unverständnis darüber, dass einer der einflussreichsten MCs aller Zeiten nicht mehr unter uns weilt. Aber auch die Gewissheit, dass Ps Katalog ihn unsterblich machen wird. Wir trauern mit den Hinterbliebenen und erinnern uns mit zehn Lieblingsmomenten an den H.N.I.C. Rest in power, dunny!

Mobb Deep – Survival Of The Fittest
»There’s a war goin‘ on outside no man is safe from« – mit den eröffnenden Worte zu »Survival Of The Fittest« bringt Prodigy die Lebensumstände der schwarzen Minderheit in Amerika zur Mitte der 90er mehr als deutlich auf den Punkt und schafft damit die wohl meistzitierte Line aus einem Mobb-Deep-, wenn nicht gar aus einem Rap-Track. Schenkt man der Internetplattform whosampled.com glauben, wurde die Single bis Dato 135 wiederverwertet. Unter anderem von den Kollegen Kool G Rap, Jay-Z und Kanye West. Mit Nate57s »Nur die starken Überleben« hatte der Beat gute 14 Jahre später auch seinen Weg in die hiesige Rap-Landschaft gefunden. Die Definition von zeitlos.

The Alchemist feat Prodigy & Nina Sky – Hold U Down
Im engeren Sinne handelt es sich bei »Hold U Down« weder um einen Prodigy-Solo-Release, noch um eine Mobb-Deep-Single, sondern eigentlich um die erste Auskopplung von Alchemists Producer-Debüt »1st Infantry«, das damals zusätzlich mit einem Gesangspart der (N)one-Hit-Wonder-Women von Nina Sky gezuckert wurde und den Sommer 2004 von New York und der Rap-Welt beherrschte (und übrigens auch auf der JUICE-CD #46 zu finden war). »When it comes to Tecs, I’m similar to a Menace/An O-Dog sniffing ‚caine couldn’t fuck with the damage«, der hypnotische Akkord lies Bandana P allerdings so viel Comfort Zone, dass er einen seiner besten Strophen-Einstiege verfasste. Alc erzählte später im Interview, dass er viele seiner Produktionen oftmals unfertig releast wurden, da er nicht so schnell ausproduzieren wie Prodigy schreiben konnte. Künstlerpech, könnte man sagen.

Capone-N-Noreaga feat. Mobb Deep & Tragedy Khadafi – L.A., L.A.
Auch waren P und Hav als Bad-Boy-Kumpels nicht untätig im vielzitierten Eastcoast/Westcoast-Krieg gewesen. Wenngleich sie eher als Randfiguren anzusehen sind, gab es wenig später mit »Drop A Gem On Em« sogar einen Antwortsong auf 2Pacs ikonisches »Hit ‚Em Up«, in dem Pac sich auf recht ekelhafte Weise über Ps Sichelzellenanämie amüsiert hatte. Auslöser für ihre Beteiligung war allerdings der Remix zur 96er CNN-Single »L.A., L.A.«, der eine direkte Bezugnahme auf Tha Dogg Pounds »New York, New York« darstellte, in dessen Video Kurupt, Daz Dillinger und Snoop Dogg als animierte Riesenmenschen durch NYC marschieren und alles plattwalzen. Ansage würde man das wohl heute nennen.

50 Cent feat. Mobb Deep – Outta Control
Es war das fulminante Comeback zweier New Yorker Rap-Veteranen, die auf dem Label des damals größten Rap-Stars der Welt ihren zweiten Frühling feiern durften – ebenfalls dank ihres vorangegangenen Mixtapes »Free Agents«, das sich ohne große Promo-Trommel sagenhafte 400.000 mal absetzte. Auch wenn das folgende Album »Amerikaz Nightmare« im Nachhinein alte Mobb-Deep-Fans nach den Unpässlichkeiten »Murda Muzik« und »Infamy« wieder milder stimmte, sah selbst P diese LP »nur als einer von vielen Schritten auf dem Weg nach oben«, wie er im JUICE-Interview 2005 verriet. Die stemmige Dre-Poduktion für das 50-Feature hingegen katapultierte die beiden allerdings nicht bloß zurück auf den Mainstream-Radar, sondern obendrein in die Black-Music-Playlisten der internationalen Großraumschuppen und damit auf ein Level, das P und Havoc seit »Shook Ones Pt. II« nicht mehr erreicht hatten  – ja, hier schien plötzlich wieder alles »Outta Control«.

LL Cool J feat Keith Murray, Prodigy, Fat Joe & Foxy Brown – I Shot Ya (Remix)
Wenn heute Haftbefehl über Rothschild-Verschwörungen fantasiert oder ein klickgeiler YouTuber die Verbindung zwischen Jay Z und den Freimaurern feststellen will, ist das vor allem die Schuld von, genau, Prodigy. Dieser verlautbarte nämlich auf dem 95er »I Shot Ya«-Remix von LL, ja ebenfalls aus Queens, als erster Rapper der HipHop-Geschichte überhaupt, seine Paranoia vor Geheimlogen: »Illuminati want my mind, soul and my body/Secret society, trying to keep they eye on me«. Ein Umstand, den P fortlaufend betonte, so auch in einem absolut absurden Blog-Beitrag aus 2008. Man merke: Verschwörungstheorien waren seine Idee.

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