Ufo361 – Ich bin ein Berliner // Review

Ufo361

Anno 2012 erscheint über den Channel von Aggro TV ein Musikvideo, das sich allein schon dadurch von der »HDF«-Masse abhebt, dass der Protagonist auf einem Fahrrad unterwegs ist. Selbstverständlich ist das nicht der ausschlaggebende Punkt, um den Ur-Kreuzberger von da an auf dem Schirm zu behalten. Charismatische Lines mit Straßenbackground auf ­staub­trocke­nen Vorzeige-Premo-Drums brachten den Jungen vom Kottbusser Tor zusammen mit Leuten wie Said und Greeny Tortellini damals auf die Map. Nach diversen Relea­ses gab das Team Hoodrich 2014 jedoch seine Trennung bekannt. Man wolle sich »musikalisch verschieden entwickeln«. Und nachdem Straßenrap Boombap durchgespielt hat, ist in Ufos Fall die Richtung spätestens seit der Videoauskopplung des Titelsongs »Ich bin ein Berliner« klar: »Trap or die« ist das Motto der ­Producer-Crew Broke Boys, die für die meisten Produktionen auf dem Mixtape verantwortlich sind. Die Goldzähne glänzen auf dem Cover, es wird ordentlich Lean in den Uludag geschüttet und der Kotti liegt plötz­lich in Atlanta. »Mein Flow ist so Future/Leute sagen: ‚Mach Feature mit Future!’« Ufo361 macht auf diesen Produktionen so gut wie alles richtig, wenn er dunkle Trap-Höhlenästhetik aus den Staaten mit Berliner Schnauze kombiniert. Ufo erfindet das Rad damit zwar nicht neu, aber er setzt diese Einflüsse schlicht konsequenter um als viele seiner Mitbewerber. »Ich bin ein Berliner« ist zeitgeistig, hat einen ganz eigenen Charme und funktioniert im Club genauso gut wie auf der Straße – da könnt ihr von Sido bis Bonez MC alle fragen, die als Featuregäste vertreten sind. Auch wenn Ufo mit dem Soundwandel einige alte Hood­rich-Anhänger vor den Kopf stoßen wird, das passiert immer, wenn Weiterentwicklung im Spiel ist. Aber für solche Leute hat Ufo eine klare ausformulierte Botschaft in petto: »Gewöhnt euch mal dran, denn so werd ich jetzt kling’.«

Text: Artur Kasper