Ty Dolla $ign – Campaign // Review

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(Taylor Gang / Atlantic)

Bis dato beschlich einen das ­Gefühl, dass Cali-Crooner Ty Dolla $ign abseits der Musik und dem ausgiebigen Erforschen des weiblichen Körpers alles relativ egal sei. Aber in den wahrlich ernsten Tagen der wohl ­unangenehmsten ­Präsidentschaftswahl der ­jüngeren Geschichte muss sich ein Künstler seines Kalibers eben doch politisieren. Busenfreund YG hat es vorgemacht, und nun ­betreibt auch Ty Wahlkampf in Form seines neuen Mixtapes »Campaign«. Seine Art des Einflusses funktioniert allerdings auf wesentlich subtilere Art und Weise als in Form eines unmiss­verständlichen Diss-Tracks in Richtung Trump. Denn zwischen Trap-Brechern mit Future und Migos sowie den smoothen R’n’B-Herzstücken, die Ty in die obere Liga der Sänger und Songwriter hieven, finden sich kurze Kommentare zur ­aktuellen politischen Situation. Dabei ­kommen beide Kandidaten nicht besonders gut weg, am Ende bleibt Hillary jedoch das ­geringere Übel. Trotz der vermeintlich ernsten Aufmachung von »­Campaign«, liegt der Fokus am Ende doch wie erwartet auf ultra eingängigen Gesangseinlagen, die Ty Dolla $ign wortwörtlich in die Musikfamilienwiege gelegt wurden – und auch die Fleischeslust ­kommt am Ende nicht zu kurz. Das führt in manchen Momenten zu einer seltsamen Mischung, so als spräche man nach dem Sex bei der Zigarette danach über die aktuelle politische Situation. In der glitzernden R’n’B-Welt gab es durchaus schon schlechtere Ideen.

Text: Arne Lehrke