Travis Scott – Birds In The Trap Sing McKnight // Review

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(Epic / Grand Hustle)

Kürzlich setzte Travis Scott dazu an, eine Episode von Ebros Morgenresidenz auf Hot 97 zu übernehmen. Die knappe halbe Stunde, die Hängeschädel Scott primär mit Ad-Libs füllte, brachte zweierlei Erkenntnisse. Erstens offenbarte der Jüngling aus Houston seine Karriere als große Transformation nach kanyeschem Exempel: Vor einigen Jahren noch forcierte der junge Musiknerd Jacques eine Karriere als Produzent und Songschreiber. Dann aber rutschte er irgendwie in diese diffuse Rapstar-Rolle, und als Fashion-Influencer und Turn-Up-Galionsfigur hat man eben weder Zeit noch Muße, auf Tastaturen rumzuhacken und an Knöpfchen zu drehen. Stattdessen wird Travis zum eigenen Executive Producer und interpretiert Sampling heute als die Kopplung diverser eigensinniger Produzenten von WondaGurl über Vinylz bis Cashmere Cat. Wer Jacques schon auf seinen ersten Mixtapes fehlende Schöpferkraft vorwarf und das Projekt Travis Scott als zu dichte Kopie seiner Einflüsse verstehen wollte, wird sich nun ins Fäustchen lachen. Doch wehe dem: Mit »Birds In The Trap Sing McKnight« geht Travis vollends in seiner Rolle als Ye-Jünger auf. Die Beteiligten zwängt er in ein enges Synth-Korsett, das die digitale Klaustrophobie, die Travis’ Tracks stets innewohnte, noch enger schnürt. So eng, dass dem eigentlichen Künstler nur mehr der Ausweg bleibt, mit Hilfe der geliebten Stimmkorrektur lauthals nach Luft zu schnappen. Auf seinem Weg vom Kreateur zum Kurator weiß Scott auch seine Gäste wohl zu platzieren: Three Stacks überlässt er mit »The Ends« die ehrenwerte Eröffnung und K.Dot spendiert er mit »Goosebumps« seinen ignorantesten Hit. Ob sich Travis damit freiwillig in den Schatten stellt, sei mal dahingestellt. Konträr zu seiner Fähigkeit als Galerist hat der Rapper Travis Scott jedenfalls weniger Fortschritte gemacht. Zerbröselte Xanax und ungeschützter Verkehr – ein Jahr nach dem Erfolg von »Rodeo« weiß Travis Scott abseits wahlloser Eskapaden, gelinde gesagt, wenig zu erzählen. So bleibt mit der 54-minütigen Auto-Tune-Extase »Bird« nicht die große Introspektion, aber ein kohärentes Zeitdokument des Vibes, den Scott fühlt wie keines seiner Idole – und keine seiner Kopien. Ach ja, Ebro-Erkenntnis Nummero zwo: Travis’ bester Song sei bis dato noch nicht erschienen. Nehmen wir Jacques Webster beim Wort.