Timbaland – Shock Value II

 

Timbaland_Shock-Value-II

 

(Universal)

 

“Shock Value II” mit den gängigen HipHop-Kriterien zu bewerten, ist ein schwieriges, wenn nicht unmögliches Unterfangen. Timbaland hat Ludacris, Missy und Jay-Z gegen Jojo, Chad Kroeger und Miley Cyrus eingetauscht, und der erste HipHop-Moment des Albums kommt auf Track 5, wenn jedermanns Lieblings Drake für seinen Gastauftritt die Bühne betritt, die sonst weitgehend Timothy Mosley selbst vorbehalten bleibt. Natürlich beweist Timbo hin und wieder, dass er der König der kontemporären urban-elektronischen Beats ist – doch warum nur wartet er etwa in der Single “Morning After Dark” mit Nelly Furtado und Nelly Furtado-Klon SoShy, bis alle Parts vorbei sind, um die wirklich spannenden Ideen auszupacken? So richtig überzeugend wirkt nur Brandy mit ihren beiden Auftritten in den Songs “Meet In Tha Middle” und “Symphony”, wo sie sogar besser rappt als fast jeder Rapper auf diesem Album. Starke Momente sind sonst leider rar gesät, stattdessen gibt es allerlei mittelmäßige bis überflüssige Pop-Nümmerchen mit reichlich Radio-Appeal: Für “We Belong To Music” mit Miley Cyrus oder “If We Ever Meet Again” mit Katy Perry muss man schon die große Flatrate-Sause im Großraumtempel hinter sich gebracht haben, Timbos jüngerer Bruder Sebastian sollte endlich das Mic an den Nagel hängen, und die Crossover-Tracks mit Jet oder Chad Kroeger von Nickelback tun zwar niemandem weh, sind aber auch kaum innovativ. Am Ende bleibt festzustellen, dass Timbaland gerade etwas macht, was er in den vorherigen 15 Jahren seiner Karriere stets vermieden hatte: Er bleibt zu lange auf einem Sound hängen. Justins und Nellys große Alben sind mittlerweile fast vier Jahre her, und Timbo scheint verblendet vom Erfolg, den er mit dem “Futuresex”/“Loose”-Sound feiern konnte. Klar, ihn wird es kaum jucken, dass die HipHop-Fans auf “Shock Value 2” keinen einzigen echten Höhepunkt entdecken werden, schließlich ist er längst in den kommerziellen Pop-Olymp aufgestiegen. Doch andere Künstler haben bewiesen, dass dieser Erfolg auch mit sympathischer Einstellung und deutlicher Erdung im eigenen Subkulturhintergrund realisierbar ist.

 

Text: Yannick Frodl

 

 

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