Taktlo$$: »Auftritte sind zwar leicht verdientes Geld, aber die Lust dafür ist erloschen« // Interview

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Hätte er sich früher nicht so oft verletzt, wäre aus Taktlo$$ womöglich ein Fußballstar geworden. »Eine Mischung aus Zidane, Maradona und Philipp Lahm«, deutet er an. Deutschrap wäre nicht dasselbe, doch zum Glück kam alles anders. Im Mai spielte Tak-47 »Das letzte Konzert«, das als »Die letzte Box« nun auf DVD erscheint. Wir stellten ihm deshalb ein paar Fragen über das Karriereende von Fußballern.

Rapper beenden ihre Karriere selten aus freien Stücken, Fußballer hingegen schon. Am berühmtesten war wohl das Ende von Zinedine Zidane.
Das war so tragisch. Ich hab geweint.

Weil er aufgehört hat? Oder weil er mit einer Kopfnuss abgegangen ist?
Die Art und Weise. In dem Moment, als die Tränen kamen, dachte ich nicht: Der hört jetzt auf. Sondern: der beste Spieler der Welt, im Finale, die bessere Mannschaft – und dann passiert das und sie verlieren.

Warum war Zidane für dich der beste Spieler der Welt?
Aufgrund seines Könnens, seiner Art mit dem Ball. Er war ein Künstler, ein Virtuose.

Gibt es in der aktuellen Fußballergeneration Spieler, die du als Künstler anerkennst?
Christiano Ronaldo ist sehr effizient, aber wenn ich ihn spielen sehe, sieht das nicht nach Kunst aus. Bei Messi ebenso wenig. Das ist keine Ballerina auf dem Fußballplatz. (lacht) Bei Zidane dachte ich: Der könnte von einem anderen Stern sein.

Wie weit bist du selbst mit dem Fußballspielen ­gekommen?
Als Kind wollte ich natürlich Weltmeister werden, bin aber nie vom Freizeitkicken weggekommen. Lag natürlich an mir, aber ich hatte auch viele Verletzungen.

Daran scheitern ja viele große Talente. Fällt dir jemand ein, der daran gescheitert ist?
Als Berliner und Bayern-Fan: Sebastian Deisler, der nicht zuletzt wegen Kopfkrankheit aufhören musste.

Bist du traurig darüber, Rapper und nicht Fußballer geworden zu sein?
Ich bin ja Fußballspieler, stehe auf dem Platz, verdiene bloß nicht meinen Lebensunterhalt damit. Ich spiele auf dem Hinterhof, das ist der echte Fußball. Den anderen Fußball schaut man sich an wie einen Kinofilm, wo die Leute viel Geld dafür bekommen, einem Ball hinterherzurennen.

Wie sieht für dich das ideale Karriereende aus?
Auf dem Höhepunkt zu gehen. Hätte Frankreich gewonnen, wäre das Karriereende von Zidane perfekt gewesen. Aber immerhin hat er aufgehört, als er noch der Beste war. Das ist das Entscheidende.

Als Taktlo$$ hast du mittlerweile dein Live-Ende verkündet, dein Karriereende aber noch nicht. Wie sollte das aussehen?
Es gibt einen Wunsch und es gibt Motivationsprobleme. Mein Wunsch: ein Soloalbum. »BRP Unendlich« habe ich vor über zehn Jahren das erste Mal angekündigt, aber die Luft ist halb raus. Manchmal kann ich noch was rauspressen, dann geht’s fürn paar Lieder, aber für ein ganzes Album müsste mich das Feuer noch mal richtig packen – das war bisher leider nicht der Fall. Aber das wär’s: das beste Soloalbum, das ich je gemacht habe, und dann Tschüss!

Würdest du es nur veröffentlichen, wenn es sicher dein bestes wäre?
Das wäre es automatisch, wenn mich das Feuer noch mal packt.

Hast du aus einem ähnlichen Grund im Frühjahr deine ­letzten Konzerte gespielt?
Ja. Auftritte sind zwar leicht verdientes Geld, aber die Lust dafür ist erloschen. Die letzten Konzerten haben sich aber gut angefühlt. Ich dachte danach tatsächlich: Jetzt könnte ich aufhören. Obwohl es für einen Künstler ja nichts Endgültiges gibt – außer den Tod.

Dieses Interview erschien in JUICE #177 (hier versandkostenfrei nachbestellen).u1_juice_177