T9 (Torky Tork & Doz9) – T9 // Review

t9

(HHV)

Torky Tork und Doz9 begegnen sich in einer Eckkneipe, irgendwo in Berlin. Regentropfen peitschen draußen auf den Bordstein, die Häuserschluchten der Hauptstadt sind getaucht in tristes Grau. Beide bestellen eine Flasche Schnaps, und während deren Inhalt immer weiter schwindet, reift in ihren Köpfen »T9« heran. Eine gemeinsame EP, die genauso düster daherkommt wie dieses fiktive Zusammentreffen. Doz9, die rappende Hälfte von Schaufel und Spaten, versucht gar nicht erst, Freundlichkeit zu heucheln. Stattdessen findet er sich battlend über das rohe Beatmaterial wieder und scheißt auf deine »Synthie-­pop Rockband«. Nebst Schüssen auf die fiktiven Feindbilder zeigt er uns das Berlin fernab der aufgehübschten Cafés. Für einige ist der letzte logische Ausweg aus dem perspektivlosen »Hundeleben« dabei Suizid. »Zehn Flaschen Wein« thematisiert diesen Schritt bildlich und lässt einen nicht zuletzt durch die Gesangs-Hook von Sonne Ra mit einem unwohlen Gefühl zurück. Auch auf den restlichen Tracks bricht die Sonne selten durch die Wolkendecke. Torky Tork kreiert eine Soundkulisse, die durch ein sperriges Gesamtbild nicht so leicht zugänglich ist, die gezeichneten Bilder aber gut untermalt. Es rauscht im ­Hintergrund, während die Melodien düster dahinplätschern und die Drums genauso rumpeln wie der Flow von Doz9. Das Gegenteil von Wohlfühlmusik. Ein schöner Kontrast zu all den Liebeserklärungen an das vermeintlich perfekte Hauptstadtleben.