T9 – R.I.F.F.A. // Review

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(hhv.de)

»Schwing das Schwert, armer Ritter/T9-2 oder Twittern.« Gut ein Jahr nachdem der vermutlich verkannteste Lieblingsrapper deiner Lieblings­rapper Doz9 mit Torky Tork die sträflich vernachlässigte EP-Glanztat »T9« zwischen die Speichen des laufenden Deutschrapbetriebs warf, kehrt T9 auf oder genauer gesagt von »R.I.F.F.A.« zurück. Denn die Protagonisten der deutschen HipHop-Szene zwischen A&Rs, Agenturensöhnen und Aftershow-Groupies machen auch 2016 reif für die Insel. Das bedeutet im musikalischen Aufbauseminar von T9 vor allem: Aversion und ­Abgrenzung. »Ghettofaust – Props für Zeilen, die ich wack find/Wechsel schlechtgelaunt die Ecke, aufgrund des Fakts, dass ich fresh bin«, miesepetert Doz9 etwa auf dem verrauschten Garagenjazz »Über Katzen und Kater«. Hatte Torky als Musikmaschinist hinter »Normaler Samt« unter anderem auch schon ­Chartluft geschnuppert, holt Doz9 ihn mit seiner renitenten Rotzlöffel-­Delivery wieder in den unzugänglichen Sperrbezirk – verfleischwolfte Soul-Flips, übersteuerte Dauerschleifen-Loops, bedrohlicher Sci-Fi-Bap. Im bittersüßen Setting von »R.I.F.F.A.« kreieren T9 jene heuchlerische Atmosphäre, die einem Badeausflug auf Lampedusa entsprechen würde. Dafür brauchen die zwei Berufsmuffel aber keine vorgeschobenen Verlierverbitterung oder des­illusioniertes Selbtsmitleid – gesellschaftliche Ausgeburten wie C-Promis, Chauvinisten oder Computerfirmen bieten auch ohne Fantasiebestrebungen reichlich Angriffsfläche, um rund dreißig Minuten herumzupöbeln. Denn nicht die unberechenbaren Lo-Fi-Loops oder die metaphorische Pisse im Gesicht, sondern die subtextuelle Offenbarung dieses Grusel­kabinetts called Gesellschaftsmitte macht »R.I.F.F.A.« so beklemmend, so unbequem – und so unterhaltsam. Bei so viel atmosphärischer Dichte zwischen Abfallmenschen und Existenzängs­ten braucht man außer Fatoni und Sonne Ra dann auch keine weiteren Stimmen als Doz: »Verägere mich, ich Joe Gerner dich«. Wenn Deutschrap wirklich ein Game ist, bleiben T9 Spielverderber aus Überzeugung.

Text: Fionn Birr