T9 – Plastik aus Gold // Review


(New Def / HHV Records)

Realness, was ist das überhaupt? »Von der Neun zur Fünf Zivilist« entgegnet Doz9 auf »Mein Freund«, der dritten Auskopplung der dritten Kollabo-LP mit Torky Tork »Plastik aus Gold«. Seit sie als T9 vor zwei Jahren die Schland-Rap-Szene mit sample-basiertem Leftfield-Bummtschack unterwanderten, ist vieles in die Timeline gepostet worden: Erstie-­Gören stellen sich beschwipst mit »i bims« vor, 12,6 % der Wahlberechtigten haben den Geschichtsunterricht geschwänzt und spätestens mit »Ich und mein Bruder«, dem Debüt der hessischen Bros Mädness & Döll, gibt es hierzulande ein Etikett, unter dem auch T9 steht: Grown Man Rap. Will auf den vorliegenden zwölf Anspielern vor allem heißen, dass Torky und »Doztorkevsky« sich längst mit ihrem unrasierten Alien-Sein abgefunden haben und lieber die Happy Hour in der Stammkneipe zu eskapistischen Crate-Digger-Gelüsten bejubeln, als Allmachtsfantasien herbeizusinnieren. Wenn man es eh nicht maken wird, muss man auch nichts faken. Realness heißt hier aber auch ein »Leben im Dies, das«, welches T9 vor allem am Wochenende mit »Mentalität: ‚wir können ja mal gucken’« führen. Rap macht Mama nicht zur Eigenheimbesitzerin oder wenigstens stolz, sondern bleibt für T9 wohl doch nur ein extra­vagantes Hobby. Lebensmotto: »Untergund und grundlos broke«. Klar hagelt es in Doz9s verschachtelten Assoziationsketten-Lines immer noch Aversionsansagen zu Zeitgeist und Zukunftsaussichten – Erwachsensein beginnt schließlich nicht im Kopf, sondern im Personal­ausweis. Doch definiert man sich nicht über Kinderkram wie BPM-Zahlen, Reimfetisch und Kleidungsstil, der derartige Diskussionen sonst bestimmt, sondern über Haltung: »Ohne To-The-Floor zur Vier/ Viele gute Ideen von mir, beginnen mit: ‚Halt kurz mal mein Bier!’« Sonne Ra, Döll und Karate Andi vergolden die tanzbaren Besserverdiener-Funk-Flips und heruntergefahrenen Eckkneipen-Soul-Versätze mit selbstironischen wie real-talkenden Gastauftritten. Am Ende ist »Plastik aus Gold« keine juvenil-renitente 187-Gegenthese, sondern lediglich die Antwort auf die Frage: Realness, was ist das überhaupt?