Soulja Boy & Bow Wow haben ein Tape zusammen: Nur Hits // Feature

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Fun Fact: Weder (Lil) Bow Wow noch Soulja Boy haben bisher die 30 geknackt. Gestern machten die beiden Ex-Superstars auf ihrem Mixtape »Ignorant $hit« gemeinsame Sache und man muss sich nicht vorstellen es wäre 2008, um diesen Release ernst zu nehmen. Aber ein Text über Soulja Boy wäre kein Text über Soulja Boy, gäbe es nicht jede Menge Skurrilitäten. Wer zu jung ist, um sich an den wahrscheinlich lustigsten Beef der letzten zehn Jahre zu erinnern, für den kommt hier die Kurzversion der Bow Wow-Soulja-Beef-Chronik.

Alles begann ganz friedlich 2008, im Jahr der absurden Tänze. Wenige Monate nach seinem Durchbruch mit »Souljaboytellem.com« reitet der 18-jährige Soulja Boy gerade seine größte Hype-Welle zwischen den Mega-Hits »Crank That« und »Turn My Swag On«. Bow Wow war bereits seit 2000 als 13-jähriger durch sein Jermaine Dupri-Signing ein etablierter Künstler. Sein Debüt »Beware of Dog« kam mit einigen Klassikern, darunter auch »That’s My Name feat. Snoop Dogg«. Sein 2005 veröffentlichtest Album »Wanted« landete sogar auf Platz 1 der US-Rap-Charts. Da sich beide Künstler vor allem im damals schon brodelnden Atlanta aufhielten, kam es im Juli 2008 zur ersten Kollaboration der Teenie-Stars auf »Marco Polo«: einem internationalen Hit, der auf Partys mit »Black Music« im Namen zwischen Dorfdisko und ATL-Stripclub hoch und runter gespielt wurde.

 

Der erste Youtube-Beef im HipHop

Doch schon kurz darauf ging es bergab. Nas hatte 2006 auf seinem gleichnamigen Album die aktuelle Situation der Szene als »HipHop is dead« zusammengefasst. Kurz nach »Marco Polo« meldete sich Soulja Boy, der spätestens seit seinem ebenfalls unglaublich lustigen Beef mit Ice-T gegen die gesamte Veteranen-Szene schoss, in einem seiner legendären YouTube-Blogs mit den Worten »Nas killed HipHop«. Bow Wow disste ihn dafür in einem Freestyle, woraufhin Soulja Boy drohte, dessen Karriere zu beenden. Bow Wow beschwor seinen inneren Ghostface Killah herauf, holte sich ein paar Goons plus Punchline-Soundclips und blamierte sich mächtig. Die Diskussion verschob sich immer mehr in Richtung Lamborghinis und Einkommen – trotz des ein oder anderen Disstracks. Die Diskussion, wer diesen Beef gewonnen hatte, wurde irgendwann genauso absurd, wie die Streiterei an sich – unterhaltsam war das allemal.

Geklärt wurde der Streit 2011 schließlich mit einem Lambo-Rennen und dem nachfolgenden Track »Get Money«: im dazugehörigen Video tauschten die beiden direkt ihre Karren aus. Ein weiteres Mal kochte der Beef 2012 auf, als Soulja Boy Bow Wow auf Twitter als »broke boy« bezeichnete, was allerdings ohne Konsequenzen blieb. Seitdem fokussierte sich Bow Wow auf seine TV-Karriere bei »106&Park« oder als überforderter Grammy-Host, Soulja Boy hingegen verschwand mit einer Vielzahl halb produzierter Mixtapes im Abgrund des Soundcloud-Sumpfes.

 

Fast forward zu 2016: Nachdem Soulja Boy Ende Mai alle Künstler aus seinem SODMG-Label schmiss, kam die Ankündigung, dass er und Bow Wow bald ein neues Projekt bringen würden, völlig überraschend. Seit gestern haben wir den Salat, aber irgendwie ist das Ganze weniger schlecht als gedacht – es ist ehrlich gesagt sogar überraschend gut. Und es ist nicht nur die Nostalgie (ok, doch ein bisschen), die »Ignorant $hit« so hörbar macht.

Zunächst einmal bekommt man hier das, was draufsteht, nämlich ignorante Bars über Frauen, Drogen und natürlich über Geld. Man bekommt Trap-Beats vor den Kopf geknallt und wird von Autotune umgarnt. Aber: Die beiden stammen aus der Ringtone-Era, wo es darum ging, eine gute Hook mit einem tanzbaren Beat zu produzieren. Soulja Boy und Bow Wow zeigen, dass sie das auf keinen Fall verlernt haben, auch wenn sie sich etwas vom Zeitgeist mitschleifen lassen. Soulja Boy reaktiviert sein Hook-Talent, wie auf »My House« und »Fucking Up a Check«. Zwar folgen die meisten Songs dem für Trap üblichen repetitiven Schema, Soulja Boy klingt aber einfach gut, wodurch die meisten Songs der Kategorie »catchy« zuzurechnen sind. Bow Wow hingegen überzeugt vor allem in seinen Verses. Bereits im Intro kommt die aberwitzige Line »hoes come and go, just like Lebron James hairline«. Die Wiederauferstehung des Teenie-Star-Duos ist geglückt und eines ist sicher: vor einigen Jahren noch hätten Zehntausende ein Jamba-Sparabo abgeschlossen, um »Ignorant $hit« auf ihr Sony Ericsson-Handy zu ziehen.