Samy Deluxe, Eko Fresh & Afrob: »Es ist ja nicht so, dass zu unseren Konzerten nur Senioren kommen« // Feature

Red Bull. Soundclash. 2017. Nachdem der Fight zwischen Sido und Haftbefehl vor zwei Jahren auf der Metaebene auch ein regionaler Battle zwischen Berlin und Frankfurt war, ist der diesjährige Soundclash auch der Kampf Jung gegen Alt. So stehen sich am 13. Dezember in der Hamburger Sporthalle zwei Teams vollkommen unterschiedlicher Deutschrap-Generationen gegenüber: Team »New Level«, bestehend aus Crack Ignaz, LGoony und Soufian, und Team »Reality Check«, das von Afrob, Samy Deluxe und Eko Fresh geformt wird. Letztere haben wir beim Dreh einiger Vorab-Videos für den Red-Bull-Kanal in Berlin getroffen. Generation Gap? Generation Rap!

August. Einer der seltenen wirklich heißen Tage des Jahres. Afrob und Samy sitzen entspannt im Außenbereich des Prince Charles in Berlin-Kreuzberg und sind in ein Gespräch vertieft – ASD reunited. Eko steht etwas abseits, vertieft in sein Handy. Als Robbe kurz aufblickt und sieht, dass ein Vertreter der JUICE anwesend ist, ruft er: »We love the JUICE!« Samy grinst. Robbe zieht mit ernster Miene an seiner E-Zigarette, bläst zufrieden Rauch in die Luft und fängt an zu lachen. Abklatschen, kurze Frage nach dem Befinden, man kennt sich. Die Stimmung ist gut. Beste Voraussetzung für das, was heute noch passieren soll.

Ein paar kleine interaktive Videos für den Veranstalter sollen heute im Club gedreht werden – die Aufbauten laufen gerade –, um auf das große HipHop-Endjahresevent hinzuweisen: den Red Bull Soundclash. Nachdem bereits Hafti gegen Sido sowie Kraftklub gegen K.I.Z. angetreten sind, wurden für den diesjährigen Event am 13. Dezember in Hamburg zwei gänzlich neue Teams zusammengestellt. Zum einen Team »New Level«, bestehend aus Crack Ignaz, LGoony und Soufian, und zum anderen eben die drei hier anwesenden, gestandenen Männer und Deutschrap-Ikonen, die unter dem Team-Namen »Reality Check« firmieren: Eko Fresh, Afrob und Samy Deluxe.

Bevor überhaupt die erste Frage gestellt werden kann, wie das denn so ist mit den Jungen und den Alten, der Old School und der New School, mit den verschiedenen Zielgruppen und dem durchschnittlichen HipHop-Publikum der beiden Teams, sagt Robbe: »Es ist ja nicht so, dass zu unseren Konzerten nur Senioren kommen. Bei unseren Shows sind auch immer viele junge Leute da.« Er nickt wissend. Und Samy stimmt zu: »Wer heute ‚Reimemonster’ oder ‚Grüne Brille’ mitrappt, hat die Songs früher zwar oft nicht mitbekommen, ist deshalb aber heute nicht weniger textsicher als die Älteren.« Die beiden sind sich einig, dass sie auch bei Jüngeren noch Relevanz genießen und nicht nur als Setlist-Lieferanten für Golden-Age-HipHop-Partys dienen. Das wollen sie auch beim Soundclash im Dezember einmal mehr unter Beweis stellen.


 
Das Videoteam ist so weit fertig, die drei Protagonisten werden zum Dreh gerufen. Als erstes: Stehprobe. Hier werden kurz die Einstellungen und das Licht gecheckt. Routine für die drei Rapper, die zusammen auf mehr als hundert Musikvideodrehs kommen. Alle drei sind entsprechend entspannt, sie kennen das alles. Sam checkt trotzdem jede einzelne Aufnahme, Perfektionist eben, während Afrob mit Set-Fotograf Christoph Voy herumwitzelt. Eko, der gerade einen anstrengenden Dreh zur zweiten Staffel der ZDF-Serie »Blockbustaz« hinter sich hat, spart sich das Ganze und hängt stattdessen lieber auf dem Club-Sofa, bis er von der Make-Up-Artistin, die ein nices »Pizza Italia«-Shirt trägt, zum obligatorischen Schminken gerufen wird.

Es ist warm heute. Heiß. T-Shirt- und kurze-Hosen-Wetter. Sam und Eko zollen diesem Umstand klamottentechnisch Tribut, nur Robbe steht in langen Jeans im Club. Sam zieht ihn damit auf: »Wir kennen uns jetzt schon seit zwanzig Jahren, aber ich hab dich noch nie in Shorts gesehen.« Er lacht. Afrob widerspricht: »Doch, hast du!« Samy denkt kurz nach, dann sagt er: »Stimmt. In Südafrika hast du welche angehabt, beim Videodreh zu ‚Four Fists’. Wann war das noch? 2002?« Gelächter.

Nun werden weitere Test-Shots gemacht, Kameralaufwege gecheckt, Abläufe ein letztes Mal abgesprochen – der ganze technisch-organisatorische Schnickschnack eines Videodrehs halt, den man beim fertigen Produkt am Ende nicht sieht. Nicht sehen darf. Die dezent melancholische Musik, die im Hintergrund läuft, passt so gar nicht zur guten Stimmung, aber irgendwie zur repetitiven Eintönigkeit, der hier hochkonzentriert nachgegangen wird. Eko ruft, bezugnehmend auf das dezent belastende Hintergrundgedudel, daher in den Raum: »Können wir vielleicht die Musik changen? Oder wollt ihr, dass wir uns umbringen?« Erneut Gelächter. Aber die Musik muss jetzt eh aus. Es kann losgehen.

In der Folge sprechen die Protagonisten abwechselnd Fragen an die Fans in die Kamera, anhand derer diese überprüfen können, wie viel sie wirklich von ihren Lieblingsrappern wissen. »Wie heißt mein größter Hit, Arschloch?«, sagt Robbe gen Objektiv. Und fragt dann den Regisseur: »Kann man ‚Arschloch’ vielleicht rausschneiden?« Wieder lachen alle. »Ach was,«, revidiert Robbe, »wir sind hier in Berlin: Da muss man so reden!« Erneut Gelächter. Passend zum Berlin-Statement weht von draußen laute Technomusik in den Club. Die Türen müssen geschlossen werden. Temperaturanstieg. Spätestens jetzt wünscht Robbe sich wahrscheinlich auch, er hätte eine kurze Hose an.

In der Folge werden sämtliche Fragen aufgenommen, wobei vor allem Eko einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Er bettet seine Ansagen immer in kleine improvisierte Reden ein, die allen Anwesenden stets ein Lächeln abringt. Seine erste Frage beginnt er mit den Worten: »So, du kleiner Schlaumeier: Du denkst wohl, du weißt alles, huh?« Die Aufnahmen sind auf jeden Fall schnell im Kasten, das meiste davon One Take. Normal für die Jungs. Oder, um mal die Beginner zu zitieren: »Alles chef, alles def, alles Routine.«

Über das gegnerische Team wird im Laufe des Drehs hingegen nicht gesprochen. Es scheint kein Anlass zu bestehen, sich intensiver mit den baldigen Soundclash-Gegnern zu befassen. Warum auch? Die Erfahrung, die bereits angesprochene Routine, verleiht den drei Rappern Souveränität und Gelassenheit – immerhin sind im Team »Reality Check« mehr als sechzig Jahre Bühnenerfahrung vereint. Jeder einzelne von ihnen hat alleine schon weit mehr Shows gespielt als die drei New Leveller zusammen. Statements an die vermeintliche Konkurrenz droppen Ek, Robbe und Sam lediglich auf musikalischer Ebene, in ihrem ersten gemeinsamen Song »Slam wieder« feat. Onyx. Robbe darauf: »Wer sind die Rapper da?/Ich fick diese Rapper, ja!/Ich schneide sie in Scheiben: Pizza Ruccola.« Wir werden sehen, wer sich am Ende an wem die Zähne ausbeißt.

Foto: Christoph Voy