Rick Ross – Rich Forever

    Mit dicker Haut oder Abperlfähigkeiten polymerer Kunststoffe hat das nichts mehr zu tun. Rick Ross ist unbezwingbar. Im Oktober erlitt er zwei Herzinfarkte innerhalb weniger Stunden, musste deswegen in beiden Fällen mit dem Privatjet notlanden, aber feierte kurz darauf seine Genesung verantwortungsbewusst bei Fried Chicken. Auch die Nachricht, dass Daimler ihrer Luxusautomanufaktur Maybach, von der Ross sich für sein, nun ja, Imperium den Namen leiht, ab 2013 den Hahn abdreht, stört ihn nicht. Der Baws posiert im quietschgelben Nerz auf Magazin-Covern und schreibt kontinuierlich an seiner beeindruckenden Erfolgsgeschichte weiter. Ab sofort mit einem neuen Kapitel – dem Mixtape »Rich Forever«.

    »Would you rather live forever or be rich forever? I think living forever is dope. But I rather be rich forever.« So erklärt Livestyle-Experte Ross parallel zur Free Download-Veröffentlichung gegenüber Elliot Wilson im »Rozay Radio« sein neues Mixtape. Da darf man auf die Erklärung zum Kollaborationsprojekt mit Drake unter dem Titel »You Only Live Once« gespannt sein.

    Bis dahin gibt es »Rich Forever«, 80 Minuten über die Vorzüge des süßen Lebens von Rick Ross. Und was ein Leben der Boss da hat – Pat Riley ist der Nachbar, die Socken sind aus Kaschmir, 25 Flatscreens hängen in der Bude, das einzige relevante Trending Topic im Leben ist #cash und bei Louis Vuitton geht man Sonntags shoppen. Darum geht es in erster Linie auf »Rich Forever«. War abzusehen. Dass Ross aber das Mixtape-Spiel so gut verstanden hat, konnte man nicht unbedingt erwarten. Immerhin verdient er keinen Pfennig am freien Download, hat aber in das Projekt offensichtlich ordentlich investiert. Allein die Gästeliste lässt so manches Major-Album blass: Pharrell, Nas, John Legend, Kelly Rowland, Styles P, Diddy, French Montana, Drake, Lex Luger, Boi-1da, Chuck English und natürlich die Kollegen der MMG-Bagage. Ricky kann sich’s leisten. Wie? Die Erklärung gibt es von ihm selbst: »I’m from where your hustle determines your salary.«

    Einen unbestreitbaren Hit hat Ross auf »Rich Forever« natürlich auch: Für »Stay Schemin« stellt er sich mit Platinjunge Drake und Schneemann French Montana den Star des Mainstreams und den Star der Straßen zur Seite und gemeinsam nölt man sich eine Hookline zusammen, die man auf Hot 97 in Kürze 174 Mal am Tag hören wird. Mit Future angelt sich Ross zudem den richtigen Kandidaten für die nächste Atlanta-Stripclub-Hymne – zu »Ring Ring« werden alsbald sekundäre Geschlechtsteile präsentiert und die eine oder andere Dirty Sprite gemischt. Mit 2 Chainz und Wale schreit Ross gepflegte »Fuck Em«s in Richtung Schlechterverdienende und erfreut sich an seinen zehn Rolls Royces und dem prallen Dollar-Päckchen in der Gesäßtasche. Bei so viel Überheblichkeiten sollte es doch tatsächlich auch nicht stören, wenn sich das synthetische Händeklatschen wie bei Lex Luger anhört. Für über die Hälfte von »Rich Forever« hat sich Rozay Produzenten geschnappt, die sich ganz offensichtlich von Lex Luger beeinflussen ließen. Das ist in den meisten Fällen okay, bei Beat Billionaire sogar ein Quentchen eigenständig und wenn Diddy sich am Ross-Flow versucht sogar ziemlich unterhaltsam. Wie es richtig geht, zeigt natürlich Luger selbst, der für »Off The Beat« die Hi-Hats zittern lässt, als hätte er Waka Flocka gerade erst die erste MySpace-Nachricht geschickt.

    Was soll man also sagen? Rick Ross zeigt weiterhin allen Zweiflern den vergoldeten Hintern. Er ist Trending Topic bei Twitter, die Blogs drehen durch und das kommende Album »God Forgives, I Don’t« soll sowieso nochmal alles in den Schatten stellen. Wir freuen uns.


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    (ae)