Review: Wiz Khalifa – Rolling Papers

Rolling Papers

 

(Rostrum/Atlantic)

 

Da ist es nun also, das Major-Debüt von Wiz Khalifa nach unzähligen Mixtapes und zwei Independent-Alben. Man rechnete mit ordentlich lässig-abgestyleter Kiffermucke, und tatsächlich ließ schon der Titel inhaltlich keine Fragen offen. Doch musikalisch ging die erste Single »Black & Yellow« von den Pop-Norwegern Stargate in eine etwas andere Richtung als noch das allseits gefeierte »Kush & OJ«, und zwar ohne Umwege direkt in den Mainstream. Tatsächlich haben die Reißbrett-A&Rs von Atlantic es geschafft, dem Herrn Khalifa die halbe Platte von den Rihanna-und Beyoncé-Songwritern glattbügeln zu lassen. Der Underground-Fan wird sich enttäuscht zeigen, doch wenn man ganz ehrlich ist, dann passen diese ecken- und kantenlosen Beats ganz gut zu den oberflächlichen THC-Tales des Herrn Khalifa. »And they say all I rap about is bitches and champagne/you would too if every night you’d see the same thang«, rappt er wenig augenzwinkernd zu Beginn des Albums, und tatsächlich wird auf den nächsten 57 Minuten beinahe ausschließlich Kush verbrannt, Bombay Saphire Gin in Kübeln weggekippt und dazu noch reichlich gevögelt. Das ist nicht weltbewegend, aber kohärent und unterhaltsam allemal – und letztlich auch authentisch, wenn man sich sein aktuelles Leben vorstellt. Wiz Khalifa schafft es dabei eindrucksvoll, den Spagat zwischen Mainstream-Erwartungen und der Authentizität seiner bisherigen Mixtapes nicht wie einen solchen wirken zu lassen. Seinen Hang zu eingängigen Melodien und Hooks lebt er noch stärker aus als bisher, und auch seinem »Pittsburgh-Sound«, hier größtenteils vertreten durch das Produzentenduo I.D. Labs, bleibt er auf der besseren Albumhälfte treu. Daneben hat er mit Too $hort das passendste Feature aus der Legendenliga auf einem Jim Jonsin-Beat und vielleicht dem besten Track des Albums (»On My Level«). Obwohl die lyrische Tiefe natürlich zu wünschen übrig lässt und manche Songs dann doch ein wenig zu sehr auf die böse Seite der Pop-Macht schielen, ist »Rolling Papers« ein solides bis gutes Mainstream-Debüt geworden – wenn auch kein instanter Klassiker. Und das nächste Mixtape kommt bestimmt.

 

Text: Yannick Frodl