Review: Veedel Kaztro – Büdchen LP

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(Melting Pot Music/Groove Attack)
 
Nach dem »Büdchen Tape«, der »Büdchen EP« und dem »Büdchen Tape 2« liegt nun Veedel Kaztros erster offizieller Langspieler vor. Und was läge da näher, als das Ganze – tadaa – »Büdchen LP« zu nennen. Den kreativen Part hat Veedel also offensichtlich für den Albuminhalt aufgespart. Routiniert packt der Kölner einmal mehr seinen etablierten Büdchen-Swagger aus und repräsentiert nach guter alter HipHop- Tradition sein Veedel. Die 13 Tracks, produziert von Leuten wie Costa Kwanta, Twit One, Yourz und Hip Hop höchstselbst, kommen allesamt recht jazzy und laid back daher – der gern gesehene MPM-Style eben. Da werden gerne mal die Bläser ausgepackt wie auf »Paul Würdig du hast mein Leben zerstört«, dem Quasi-Cover eines alten Tocotronic-Gassenhauers, oder dem Stück »Tim Taylor«, das auf dem bekannten Saxofon-Thema aus Wham!s Achtzigerjahre-Schmonzette »Careless Whispers« beruht, und in dem sich Veedel lauthals über Vegetarier beschwert, die seinem Essen das Essen wegessen. Außerdem gibt es Anleihen bei den Ärzten, wenn Veedel Kaztro den iPod seiner Lebensabschnittsgefährtin in Flammen aufgehen lässt, sowie bei den Marvelettes, die im Intro des treibenden Kollabo-Bretts »Basinga« mit Exzem & Vagabond bemüht werden. Veedels Kombination aus jazziger Instrumentierung, sympathisch vorgetragener Fick-dich-Attitüde und jugendlicher Unbekümmertheit auf sämtlichen Ebenen macht einfach Bock. Allerdings sollte man dafür ein bisschen länger am Büdchen abhängen als nur auf Kippenlänge, denn es braucht ein paar Durchläufe, um sämtliche Wortspiele (»Ich bin am Anfang, doch ficke deine Rolex: Nenn es Uhr-Knall«), Ellenbogen-Checks gegen Kollegen wie Samy Deluxe, Fler und EstA sowie sämtliche abgehandelten Themen vom Mettigel-Wettessen bis hin zu Veedels Verwandtschaftsbeziehung zu HipHop (der sein Opa ist, aber nach altem Mann stinkt) wirklich zu peilen. Fazit: Rap, und zwar ins Dope übersetzt.
 

 
Text: Daniel Schieferdecker