Review: Sadi Gent – Bis Dato

Sadi Gent Bis Dato

 

(Sadi Gent/Groove Attack)

 

Sadi Gents Debütalbum ist die zeitweise ernüchternde Bestands­aufnahme eines selten nüchternen Hauptstädters. Kühle Höhen, warme Tiefen – auf »Bis dato« schafft der Berliner ein außergewöhnliches Klangbild, das rein atmosphärisch beizeiten an die betäubte Stimmung von Frank Oceans »Channel Orange« erinnert. Dessen Platte spielt zwar in einem etwas anderen Milieu, doch die inhaltlichen Ziele und Wünsche sind durchaus miteinander vergleichbar. Auch Sadi Gent behandelt in seinen Stücken die Flucht aus der Stadt, verbalisiert das ohnmächtige Gefühl zwischen innerem Aufschrei und Gleichgültigkeit und beschäftigt sich eindringlich mit den eskapistischen Episoden zwischen Alkoholexzessen und dem Aufwachen in fremden Betten. Besonders gut ist Sadi Gent immer dann, wenn er konkret und persönlich wird und sich bemüht, eigene Worte für seine Ängste und Probleme zu finden. Denn in diesen Momenten gelingt es ihm, Allgemeingültigkeit zu schaffen. Gleichzeitig verliert er sich an vie­len Stellen der Platte allerdings auch in Allgemeinplätzen und Plattitüden, die er vielleicht ernster meinen mag als manch anderer Rapper, die er aber eigentlich nicht nötig hat. Denn auch wenn Sadi Gent in gewisser Weise ein Sonderling ist, so ist er ganz bestimmt nicht der Letzte seiner Art. Schließlich sind seine persönlichsten Passagen am stärksten, und zwar deshalb, weil sie dem Zuhörer unaufdringlich die Möglichkeit geben, sich in der vorge­tragenen Verlorenheit wiederzufinden. Die größte Stärke dieses Albums liegt daher in seiner Eigenständigkeit, und die größten Momente findet man immer dann, wenn ungehörte Worte und Töne eine kühle, aber doch einnehmende Zeitgeistigkeit entwickeln.

 

Text: Max Leßmann