Review: Riff Raff – Neon Icon

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(Mad Decent)
 
Vielleicht kommt irgendwann dieser Moment, in dem man weiß, ob man Horst Simco nun lieben oder hassen soll. Der Moment, in dem man mit aller Gewissheit darüber urteilen kann, ob Riffs Angriffe auf das Rap-Game auf realen Ambitionen beruhen oder ob er nur auf die schnelle Knete der College-Kids aus ist. Der Moment, in dem man Riffs Rap entweder als die willkommene Sprengung aller Genregrenzen gutheißen kann, oder aber als einfallslose Mash-Ups der aktuellen Musiktrends abtut. Zuletzt schien dieser Moment in weite Ferne zu rücken, denn Mad Decent, das Label um Produzent Diplo, verschob das lang erwartete »Neon Icon« ständig. Nun ist es da – und bietet keine klaren Antworten auf die Fragen, die sich um den Mann aus Houston gerankt haben. Der Opener »Introducting The Icon« zeigt Riff Raff erst einmal als gewachsenen Rapper und »white Gucci Mane with a spray tan«: selbstironisch, wortgewandt und überraschend sicher im Flow. »Bitch, I can sing a hook like Alicia Keys« heißt es dann auch noch. Also legt Riff zum unsäglichen »Kokayne« an, seiner persönlichen Version von Radio-Rock-Rap. Hat man zum Glück wieder vergessen, wenn Riff in »How to Be the Man« auf einem wunderbar reduzierten DJ-Mustard-Beat zeigt, wie das mit der Selbstüberschätzung im Club funktioniert. Ein Song wie »Time« mit schrägem Singsang-Flow möchte man erst als Parodie verzeichnen, muss dann aber feststellen, dass Riff diese kitschige Reflektion seiner ungerade verlaufenden Karriere wohl tatsächlich ernst meint. Zugegeben, die meisten Tracks auf »Neon Icon« werden wohl ebenso schnell wieder »out of fashion« klingen, wie sie den aktuellen Zeitgeist bedienen. Man kann Riff Raff aber auch hoch anrechnen, dass er den überdrehten Springbreak-Soundtrack, den sein Label Mad Decent gerne mal fährt, gekonnt umschifft – mit Ausnahme von »Maybe You Love Me«. Lieben wird man Riff nach diesem Album womöglich nicht. Faszinierend bleibt er aber.