Review: Rick Ross – Hood Billionaire

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(Def Jam/Universal Music)
 
Rick Ross hat Kilos verloren, Schreck lass nach. Zum Glück geht’s nur um’s Körpergewicht. Der Boss pusht weiterhin Großmengen und auch mit schlankerer Hüfte übt er sich beim Rappen in Unantastbarkeit wie eh und je. Schließlich wird mit »Hood Billionaire« bereits Album Numero due in Zwovierzehn aufgekocht und reichlich inbrünstig über tiefergelegtes Getrappe gebrüllt – »Just certain energies (…), real bass heavy«, wie der Boss vorweg verkünden ließ. Entsprechend übt sich Rozay nun über große Teile in Hashtag-Hooks, die Migos stolz machen dürften. Da reicht wie auf »Heavyweight« auch mal ein einfaches »Ding! Ding!« als Refrain, um Hater die Bling-behangene Faust musikalisch spüren zu lassen. Einen ersten Atemzug gewährt schließlich »Phone Tap«, in dem Rick Ross zu vernebelten Chören die Paranoia eines Corner-Großhändlers porträtiert und dabei fast erschreckend verletzlich wirkt. Auch »Trap Luv«, das mit seinem geschönten Soul-Bombast Jiggas »Blueprint« zitiert, lässt einen kurzen Einblick in die womöglich doch existente Seele dieses milliardenschweren Pakets erhaschen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Rozay braucht keiner blöd kommen. Wer’s nicht glaubt, gibt sich das DJ-Toomp-Brett »Elvis Presley Blvd.« und die zugegeben eher platte George-Zimmermann-Abrechnung »Burn«. Wenn Big K.R.I.T. zum Ende dieses Albums jedoch die Gitarren heulen lässt und mit der Blues-Hook von »Brimstone« dem frühen Werk von UGK gedenkt, dann ist das ein Schlüsselmoment, der unweigerlich den Vergleich zwischen »Hood Billionaire« und seinem Vorgänger aufmacht. Tatsächlich rennt Rick Ross auf seinem jüngsten Wurf weniger Ideen hinterher als noch auf »Mastermind« und konzentriert sich vorwiegend aufs großmäulige Representen. Das macht »Hood Billionaire« zwar stimmiger, irgendwie aber auch langweiliger. Denn letzten Endes sind es genau die ruhigen Momente, die zeigen, was für eine gute Figur der Bawse auf pathetischem Soulgechoppe macht. Scheiß auf die Waage.