Review: Pusha T – My Name Is My Name

Pusha T - My Name Is My Name

 

(Def Jam / Universal)

 

Es gibt eh schon so viele verbotene Wörter im HipHop, also könnte eigentlich auch mal jemand den Ausdruck »Klassiker« auf die schwarze Liste setzen. Jedes Album, das nicht sofort bei Erscheinen als solcher wahrgenommen wird, hat versagt. Jeder Rapper, der nicht antritt, um einen Klassiker aufzunehmen, steht unter dem Verdacht der Genügsamkeit. Und einer der notorischsten Vorabklassiker der letzten Zeit ist Pusha Ts Solodebüt »My Name Is My Name«. Kanye West, der Teile der Platte produziert hat, ließ kürzlich sogar verlauten, Pusha T sei der einzige MC, den er neben sich dulde. Joaquin Phoenix, so hieß es zunächst, habe gar einen Beat zu dem Album beigesteuert – eine PR-trächtige Meldung, die von Def Jam bestätigt, von Phoenix selbst aber längst dementiert wurde. Und Pusha? Zeigt sich in jüngeren Interviews angefressen, weil andere Rapper das große Geld machen, während er als einer von Kanyes Good-Music-Wasserträgern wahrgenommen wird. Für den Clipse-MC ist die Rolle der beleidigten Leberwurst nicht ganz ungefährlich. Pushas Stärke war schließlich immer die Eiseskälte, mit der er seine Drogengeschichten auf Schuld und Sühne abklopfte. Alles andere ging an ihm vorbei. Zu Klassikern wurden »Lord Willin’« und »Hell Hath No Fury« von selbst. Wenn er und sein Umfeld jetzt aber versuchen, »My Name Is My Name« in höchste Höhen zu pushen, wirkt das nicht nur verkrampft, sondern schürt Erwartungen, denen kaum ein Album gerecht werden kann. So auch bei »My Name Is My Name«: Die Platte ist einerseits beeinflusst vom neuen Kanye-Minimalismus, macht andererseits aber die bisher größten Pop-Zugeständnisse in Pusha Ts Karriere. Diese beiden Seiten bringt »My Name Is My Name« jedoch nie ganz zusammen. Die unterschwellige Bedrohung von »Numbers On The Boards« passt nicht zu den Club-Bemühungen von »No Regrets«. Neben der unterkühlten Selbstsicherheit aus »Nosetalgia« (mit der nächsten Killerstrophe von Kendrick Lamar) steht etwas verloren die ­Auto-Tune-Orgie »40 Acres«. Pusha ist zu erfahren und talentiert, um sich zwischen diesen Polen komplett zu verirren und bringt »My Name Is My Name« souverän über die Runden, erreicht aber nur mit einzelnen Tracks das Level, auf dem er selbst, Kanye und viel­leicht auch irgendein persönlicher Assistent von Joaquin Phoenix das Album gerne gesehen hätten. Kein Beinbruch, aber eben auch kein Klassiker.

 

Text: Daniel Gerhardt