Review: Pharoahe Monch – PTSD: Post Traumatic Stress Disorder

pharoahe-monch-ptsd-lp-cover-lead
 
Pharoahe Monch ist der überaus rare Beweis dafür, dass man als Rapper tatsächlich mit einem makellosen Katalog ins dreiundzwanzigste Karrierejahr gehen kann, und dass man dabei immer noch innovativ, konzentriert und, ja, hungrig klingen kann, ohne beim ständigen Abgleich mit Kontostand und Tagesgeschäft irgendwo die falsche Abzweigung zu nehmen. Daran denkt man kurz, wenn der (gleichaltrige!) Eminem auf »Rap God« sagt: »I still rap like I’m on my Pharoahe Monch grind«. Tja. Auf »PTSD«, seinem vierten Soloalbum, setzt Pharoahe den mit »W.A.R. (We Are Renegades)« eingeschlagenen Weg fort und lässt nun, der Titel verrät es, posttraumatische Belastungsstörungen die inhaltliche Klammer bilden. Und wie schon auf dem Vorgänger mündet dieser zunächst sperrige theoretische Überbau schnell in einer eloquent und organisch erzählten Sammlung von Kurzfilmen. Ausgangspunkt ist sein eigener Weg als Künstler, der nach seinem größten Hit acht Jahre ohne neues Album blieb, der mit Depressionen und Ängsten ebenso zu kämpfen hatte wie mit der Musikindustrie und nun mit seinem zweiten komplett independent veröffentlichten Projekt metaphorisch den Kriegsveteranen gibt. »PTSD« will – natürlich – weder catchy sein noch irgendeinem New Yorker Sound 2014 nacheifern. Eine Wohlfühlplatte klingt auch anders. Aber »PTSD« ist musikalisch wie inhaltlich Soul im besten Sinne: Schmerz, Aggression, Verzweiflung und neu erlangtes Selbstbewusstsein werden mal in der ersten, mal in der dritten Person verhandelt. Pharoahe beweist auf »The Jungle« oder »Damage« wieder, dass er als ruhiger Beobachter, Kommentator und Lyricist nichts und niemanden zu fürchten hat, aber gerade wenn er wirklich persönlich wird, gelingt ihm das seltene Kunststück, sich ohne jedes Pathos ungehemmt verletzlich zu zeigen – und mit jeder Strophe einer der komplettesten MCs im Spiel zu sein. Eingangs heißt es: »We fight demons from our past only to face new monsters/I ask, are we comatose or unconscious?« Pharoahe Monch ist zum Glück hellwach und nutzt jede Sekunde dieses Albums für die Genesung.