Review: Migos – Rich Ni**a Timeline

migos-rnt-cover
 
Okay, vor ein paar Monaten wären Migos fast erschossen worden, aber im Großen und Ganzen haben sie den Dreh raus. Obwohl bisher jeder Song, den das Trio aus Atlanta veröffentlicht hat, gratis erhältlich war, verdienen Migos allein durch Streaming­-Einnahmen mindestens 12.000 Dollar. Täglich. Shows spielen sie auch zwei bis vier pro Woche, dafür gibt es jedes Mal 40.000 Dollar. Und Gott weiß, was erst passiert, wenn das für Februar geplante kommerzielle Debüt der Gruppe erscheint. Bevor es so weit ist, legen Migos noch ein Mix­tape vor. 18 Tracks, 80 Minuten, wie immer nicht zu knapp bemessen. Und: »Rich Ni**a Timeline« ist der bisher beste Migos­-Release. Ihr Spektrum hat sich im Vergleich zum Anfang des Jahres veröffentlichten »No Label 2« deutlich verbreitert, die Beats sind musikalischer und verspielter, nicht mehr alles ist immerzu auf Attacke gebürstet. Die MCs lassen sich von den neuen Stimmungs­lagen anstecken: Quavo, Offset und Takeoff sind zwar noch immer gut darin, Worte allein durch ihre Wiederholung in Hooklines zu verwandeln, ihre Flows aber sind vielseitiger als je zuvor und lassen mehr Zwischentöne zu, auch mal einen nachdenklichen oder gar verletzlichen Track wie den orgeli­gen Rausschmeißer »Struggle«. Vor allem aber hört man jetzt auch Lockerheit in der Musik von Migos. Ob der Mainstream­-Takeover 2015 nun gelingen wird oder nicht: Was sie haben, kann ihnen niemand mehr nehmen. »All Good« feiert diesen Umstand mit einer Atlanta­-Version von »Juicy«.
 

 
Text: Daniel Gerhardt