Review: Jonwayne – Rap Album One

80

Jonwayne

 

(Stones Throw Records/Groove Attack)

 

Wer böse ist, könnte behaupten, Jonwayne sei die optische Nerd-Version von Action Bronson. Und: Jonwayne klinge wie eine Kreuzung aus Notorious B.I.G. und einer Coloradokröte, die Oberlehrer spielt. Denn sein Flow klingt von sich selbst überzeugt, von oben herab und ein bisschen gelangweilt. Das könnte aber auch von Qualität zeugen. Genauso wie die Tatsache, dass der 22-Jährige sein Debütalbum fast komplett selbst produziert hat. Und auch wenn es den Anschein hat, als würde sich manch­mal etwas Brooklyn-Grimm in seine Stimme mischen, kommt Jonwayne eigentlich aus Los Angeles. In ihm offenbaren sich aber ein breites musikalisches Spektrum, große Ambitionen und Hustle. Gleich der Opener »After The Calm« besticht mit betörendem Singsang, der suggeriert: »Fallin deeper into hallucination …« Was da beginnt und auch weiterhin abläuft, ist melodiös und harmonisch. Aber in diesen tranceartigen Gebilden tun sich Abgründe auf, Felsspalten und Höhlen, in die man Jonwayne unweigerlich, weil hypnotisiert, folgen muss. Und so fällt man durch dieses Album und glaubt, dass das Schweben sei. Man kommt vorbei an einem grandiosen Barpiano-Song (»You Can Love Me When I’m Dead«), reist geradewegs durch die soulige Tiefe eines wunderba­ren Vocal-Samples (»The Come Up Pt. 1«) und trifft schließlich »Zeroh’s Song«, ein verspultes Ständchen, das sich wie ein Bandwurm auf Barbituraten ins eigene Gehör dreht. »The Come Up Pt. 2« besteht dann aber leider nur aus gut gemeinten Nervensägen-Nervositäten. Jonwayne spielt mit hohem Einsatz. Er lässt es sich nicht nehmen, ganze Songhälften mit Spielereien zu füllen. Das führt dazu, dass »Rap Album One« zunehmend abfällt, weil das Konzept ausfranst. Aber Jonwayne ist hungrig, lässig und durchzogen von Missmut. Dabei driftet er zwischen dem Verkopfen der Independent-Attitüde und großspurigen Mainstream-Zitaten hin und her. Das ist dann »all black everything« unter der unabhängigen Sonne Kaliforniens. Größtenteils abgeklärt ist dieses Debüt und voll zerstückelter Leichtfüßigkeit. Und wer gut ist, wird bestätigen: klingt überzeugend.

 

Text: Joshua Groß