Review: Blokkmonsta – Blokkhaus

blokkmonsta_cover
 
(Hirntot Records/Distri)
 
»Ah, die von der JUICE haben also noch immer Angst vor mir«, denkt Blokkmonsta vermutlich, während er diese überschwängliche Review liest. Dabei, male ich mir aus, sitzt er in seiner abgedunkelten Wohnung, trinkt Cola aus einem ausgehöhltem Schimpansen­schädel und putzt liebevoll seine AK­47. In einer Zeit, in der Deutschrap auch deswegen so breitentauglich geworden ist, weil die meisten Straßenrapper keinen Hehl mehr daraus machen, dass sie uns überzeichnete Kunstfiguren verkaufen, ist es umso erstaunlicher, dass man sich bei Blokkmonsta noch immer nicht sicher ist, wie sehr seine knalligen Splatter­-Lyrics auf der Realität basieren. Mit anderen Worten: Blokk beherrscht das Spiel der Selbstinszenierung perfekt. Mit den Mitteln des Westberliner Undergrounds, also rau, dreckig und ohne glossy Ghetto­-Romantik, dominiert er mit Hirntot Records seit bald einer Dekade eine Nische, die von großen Teilen der Szene kritisch beäugt wird. Sicher tut man Blokkmonsta kein Unrecht, wenn man sein neuestes Opus »Blokkhaus« als Versuch wertet, ein Stück weit aus dieser auszubrechen. Dank der Mithilfe einer unerhört großen Riege von rappenden Gästen und zugäng­licheren (aka weniger brutalen) Lyrics wird das (vollkommen zu Recht) gelingen. So zeigt Blokk sich auf »Blokkhaus« thematisch vielfältig und musikalisch durch­weg geschmackssicher. Die synthetischen Beats geben frontal auf die Zwölf und bleiben der Berliner Tradition, musikalische In­spiration zu großen Teilen aus dem dreckigen Süden (vor allem aus Memphis) zu beziehen, treu. Die so prominenten wie überraschenden Auftritte von Kool Savas und Eko Fresh, bis hin zu Prinz Pi und MC Bogy sind zudem weit mehr als Effekthascherei. Trotz der vielen beteiligten Köche bleibt Blokk­monsta immer der Chef im Ring. Er gibt die Themen vor, lässt sich zugleich auf seine Gäste ein und klingt jederzeit schön bedrückend und bedrohlich. Damit das klar ist: Das hier ist keine leichte Kost für entspannte Sommerabende. Aber dank der besten Savas-Strophe seit Langem, der vielen gelungenen Stücke zwischen Gangster­-Träumen, Battlerap und Ghetto­-Alltagsbeschreibungen und dem einnehmenden Protagonisten geht »Blokkhaus« als großartige Unterhaltung für verregnete Herbsttage durch.