Rasul

 

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Der überraschende Tod von Ali »Rasul« Rakhshandeh liegt knapp über ein Jahr zurück. Seitdem vermisst die Szene schmerzlich den besten Lyricist, der je in Deutschland auf Englisch rappte. Mit der Münchner Crew Square One und ihrem Album »Walk Of Life« schuf er einen unbestrittenen Klassiker. Als Solo-Künstler in seinem Kollektiv Kings & Crookz unter dem Schirm von Starting Lineup releasete er die zwei in der Rückschau weit unterschätzten Quasi-Alben »Opium Vol. 1« und »Opium Vol. 2«. Zudem protegierte er die Producer Monroe und Crada, die in den letzten Jahren zu den besten Beat-Bastlern des Landes reiften. Posthum erscheint jetzt »Writing Colours«, sein einziges Soloalbum.

 

In einem seiner letzten Interviews sagte Ali: »Um dieses Album zu verstehen, muss man meine Geschichte kennen. Alles, was vor meinem Umzug in Deutschland und danach in Vancouver passiert ist.« Hier ist die Geschichte einer der wichtigsten und beeindruckendsten Figuren des deutschen HipHop. Erzählt von seinen engsten musikalischen Begleitern: Iman Shahidi, seinem Münchner Produzenten, mit dem er die Magie von Square One erfand. Dem Square One-DJ Edward Sizzerhand. René Goldenbeld, der Square One Ende der Neunziger auf Showdown Records signte. Christian »Crada« Kalla, den Ali nicht nur entdeckt, sondern auch mit väterlicher Zuneigung zu einem der Top-Produzenten Europas formte. Jacek »Ju-Ar« Barwitzki aus Bad Nauhof bei Frankfurt, der mit Magicsoul als Beat-Duo Truestatiks mit der Letzte war, der für Ali produzierte. Und Philipp »Kitsune« Senkpiel und Markus Ernst, Alis Management-Team von Starting Lineup, die ihm in der letzten Dekade so nahe standen wie kaum andere und von seiner Familie mit seinem ­musikalischen Erbe betraut wurden.

 

 

WALK OF LIFE

 

Iman: Ich habe Ali mit 15 kennengelernt. Zwei Perser in München, die auf HipHop stehen – da läuft man sich halt über den Weg. Ich war damals Tänzer. Ali war einer der ersten, der in München auf Englisch rappte. Seine Texte waren damals schon tiefgründig. Man musste eigentlich Wissenschaftler sein und hunderttausende Bücher gelesen haben, um ihn zu verstehen.

 

René: Ali ist aus dem Iran und wurde wohl schon früh von seinem Onkel in eine religiös geprägte Schule geschickt. Dadurch ist er schon sehr früh mit einer Menge an Wissen in Berührung gekommen und war so ein unglaublich belesener Typ.

 

Iman: Ali war damals Rapper bei Justaboo, ich als Tänzer. Für das Justaboo-Album habe ich meinen ersten Track produziert. Wir haben uns dann aufgelöst, aber weiter Musik gemacht. Ali hat früher selbst richtig gute Beats produziert und in einem kleinen Studio ein Demo aufgenommen, mit einem einzigen Beat von mir. Damals war New York für uns das Größte. Wir haben alle davon geträumt, da hinzufahren. Ali hat es einfach getan.

 

Kitsune: Er hat für etwa zwei Jahre in Brooklyn gewohnt und an der Long Island University für zwei Semester Psychologie studiert. Nach einem IQ-Test bekam er dort ein Stipendium. Aber er hat dort auch seine Erfahrung auf der Straße gemacht. Gerade im Brooklyn der Neunziger als es da eben noch nicht wie Disney World war. Es gab da Episoden, die er im Nachhinein gerne ausgeblendet hätte.

 

Eddie: 1995 kam Ali aus den Staaten zurück nach München und arbeitete im Plattenladen Bam Bam Records. Ali hatte zu der Zeit nicht das beste Image in München. Es gab ein paar Leute, die fanden seine kommerziellen Sachen von Justaboo nicht ganz so toll. Aber ich habe mir lieber meine eigene Meinung gebildet und wir haben uns auf Anhieb verstanden.

 

Iman: Als Ali etwas überstürzt nach New York ging, war das schon ein kleiner Knacks in unserer Beziehung. Nach seiner Rückkehr brauchte es wieder eine gewisse Zeit, um sich wieder freundschaftlich anzunähern, aber Ali hatte ein noch größeres Feuer in sich und wollte unbedingt Musik machen. 1997 haben wir uns zu zweit zusammengetan, Equipment in meine Wohnung gestellt und mit dem ersten Square One-Demo begonnen. Unser Plan war: Wir nehmen einfach auf und bringen es selber raus. Wir haben nie damit gerechnet, dass uns irgendjemand signen würde, weil englischsprachiger HipHop in Deutschland einfach nicht funktioniert hat. Auf einmal kam René von Showdown an.

 

 

IT’S YOURS

 

Eddie: Ali und ich haben jeden Freitag eine HipHop-Party in der Maximilianstraße veranstaltet, die recht erfolgreich wurde und wir auch DJs und Acts von außerhalb buchen konnten. Den DJs haben wir dann halt auch immer unser Demotape mitgegeben, so wie das eben auch die Leute in New York gemacht haben.

 

René: DJ Tomekk hat mir ein Demotape einer Crew aus München zukommen lassen. Drei Tracks, von denen ich sofort angetan war. Iman an den Beats, Cuts von Edward Sizzerhand und Ali an den Raps. Keiner von uns konnte glauben, dass die aus München sind. Das muss wohl 1998 gewesen sein. Das erste Lebenszeichen von Square One gab es auf dem »Superrappin‘«-Sampler. Da standen Square One zwischen all den angesagten Indie-Typen aus Amerika. Der Track »Dayz To Come« war einer der drei Tracks vom Demo. Der zweite war dann »Analyze« von der »Mind.Body.Soul«-Maxi und der dritte ein unveröffentlichter Track mit Ono von Walkin‘ Large.

 

Eddie: Ali hatte recht gute Links nach New York, deswegen wollten wir hier in Deutschland Sachen aufnehmen, ein paar Vinyls pressen und die dann in New York an DJs und Plattenläden verteilen. Wir haben den Sound aus New York geliebt und uns auch eher dort gesehen. Wir haben nie daran geglaubt, dass sowas in Deutschland möglich wäre. Umso überraschter waren wir, dass es zu dem Deal mit Showdown kam. Wenn du aber einen Deal mit Aussicht auf einen weltweiten Vertrieb angeboten bekommst, dann machst du es natürlich auch.

 

René: Square One waren von Anfang an sehr selbständig und hatten gleich zu Beginn eine sehr eigene Vision, was passieren sollte. Ich kann mich an fast keinen Moment erinnern, an dem ich intervenieren musste. Musikalisch war die Vision von Iman und Ali sehr gefestigt.

 

Eddie: Wir hatten lange auch noch gar keinen Namen. Die ersten Auftritte liefen noch unter Rasul und DJ Sizzerhand. Wir haben ewig überlegt. Jeder hat fünf Namen aufgeschrieben und irgendwann blieb einer übrig. Square One als Begriff – immer zurück zum Ursprung – hat uns einfach am besten gefallen.

 

René: Das Signing von Square One war nur möglich, weil wir Budgets von Warner hatten, die wir selbst verwalten konnten. Für jedes Square One brauchten wir auch ein Deichkind, sonst hätte uns Warner den Stecker gezogen. Ich habe recht früh gemerkt, was für einen hohen Anspruch die Jungs haben. Ali sagte damals schon, dass ihre Musik so gut sei, dass sie auf Welt-Niveau mithalten kann. Deswegen wollten sie ihre Sachen auch gleich global verdealen. Auf dem Album gab es keine Referenz auf Deutschland oder München. Ali hat sich immer als globaler MC gesehen, der sich auch mit dem Amis messen kann. Alis Zuversicht hat sich natürlich auch von Anfang an auf alle anderen versprüht.

 

Eddie: Natürlich ist man nicht von einem Tag auf den anderen Teil einer Gruppe. Ich bin dann aber irgendwann in die Sachen reingewachsen. Vieles hat am Anfang eher nur über die Musik funktioniert, irgendwann ist dann natürlich auch Freundschaft daraus geworden.

 

René: Ich habe von Anfang an versucht, Realität hineinzubringen und allen klar zu machen, dass der Weg für englischsprachigen Rap aus Deutschland sehr steinig sein wird. Das war natürlich schwierig. Du hattest da einen sitzen, der die Welt erobern will, auf der anderen Seite wusste ich aus meiner Erfahrung etwa mit KC da Rookee, wie schwierig es ist, sowas global zu verdealen. Das Rappen auf Englisch war natürlich eine Problematik, die bei Square One ganz entscheidend war.

 

Iman: Das Problem lag da bei uns. Der Showdown-Deal kam so plötzlich. Wir haben einfach Zeit gebraucht, um diese Songs zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Wir mussten uns ja auch erstmal einen Namen machen. Wir haben es uns selbst auch schwer gemacht. Der Anspruch an uns selbst war hoch. Zwischen der ersten Maxi »Mind.Body.Soul« und dem Nachfolger »State Of The Art« lag mehr als ein Jahr. In der Zeit hätten wir sicher zwei weitere Maxis rausbringen können, aber wir wollten es nicht. Wir waren einfach nicht zufrieden. Wir wollten noch besser werden.

 

René: Ali hat schon nach drei Tracks gesagt, dass das Album ein Klassiker wird. Und so war es ja am Ende auch.

 

Eddie: Die Qualität der Rhymes, Produktionen und Scratches hat eine musikalische Chemie geschaffen, die Leute nicht nur auf Platte, sondern auch live feierten. Das hat maßgeblich zum Phänomen Square One beigetragen.

 

Iman: Das Album war ein Spiegelbild unserer Persönlichkeit. Wir waren eher nachdenklich und ruhiger als die anderen, die unbeschwert durchs Leben gehen und für die alles rosarot ist und alles gut wird. Das war weniger unser Ding. Wir waren keine Klassen-Kasper und eher nachdenklich. In diesem Album steckt unser ganzes Herz. Dieses Album hat uns zu der Zeit alles bedeutet. Dieses Album zu machen, war für Ali und mich das Wichtigste. Es war unser großer Traum. Als dieser Traum in Erfüllung ging, als wir vor ziemlich genau zehn Jahren in New York waren, um dort unser Album zu Mastern – das für uns das Größte.

 

René: Ich glaube, Ali war es wichtig einen Sidekick zu haben. Deswegen hat er Gianni Dolo mit ins Boot geholt. Er hat sich neben einem Muttersprachler einfach sicherer gefühlt.

 

Eddie: Wir haben schon versucht, unterschiedliche Facetten auf das Album zu bringen, damit für jeden was dabei ist. Aber Ali hat einfach sehr deepe Texte geschrieben und deswegen ist das Album so geworden, wie es ist. Es war gut, dass Gianni Dolo als Ausgleich noch dazu kam – er war ja eher der Party Rapper. Seine Texte hat jeder sofort verstanden, während man bei Ali auf jeden Fall mindestens zwei Mal hinhören musste. In der Kombination ist das Ganze dann erst so gut geworden.

 

Iman: Wir haben kaum negatives Feedback bekommen. Außer halt, dass ein paar Leute gesagt haben, wir würden klingen wie DJ Premier oder Pete Rock. Es war natürlich nie unser Ziel zu biten. Wir sind halt mit den Sachen aufgewachsen und das ist der Sound, der uns geprägt hat. Das geht dann einfach ins Blut über. Es kam einfach automatisch aus uns heraus.

 

René: Wir waren dann in New York und haben dort direkt beim Empire State Building die Vocals aufgenommen. Beim dortigen Treffen mit A.G. hat man schon gemerkt wie Alis Augen geglänzt haben. Da ist sein Selbstbewusstsein schon ein wenig gebröckelt. Natürlich weil wir auch alle gemerkt haben, dass A.G. Respekt vor ihm hatte. Er hat sich bei seinem Verse ja auch echt Mühe gegeben. War ja eigentlich eine reine Feature-Nummer. Er hat seine Kohle noch direkt im Flur bekommen. Umso mehr hat man Alis Stolz angesehen.

 

 

Iman: Wir haben schon beim ersten Treffen in Hamburg den Verantwortlichen gesagt, dass wir uns nicht als die Gruppe sehen, die mit ihrem ersten Album 50.000 Platten verkauft oder groß in die deutschen Charts einsteigt. Wir sind eine Gruppe, die erst mit dem dritten oder vierten Album erfolgreich sein könnte. Und so wollten wir auch arbeiten. Wir wollten langfristig Musik machen. Das war schon damals unser Ziel. Es war in meinen Augen gar nicht so schlimm, dass wir mit den Verkaufszahlen unter den Erwartungen blieben. Das war nie unser Ziel. Aber durch die Erwartungshaltungen von außen sind auch in uns die Erwartungen größer geworden. In unseren Köpfen hatten wir aber immer ein zweites und drittes Album. Wir hatten immer Gang Starr im Kopf. Die haben erst mit ihrer vierten Platte was verkauft. Genauso wie unsere Münchner Kollegen von Blumentopf.

 

René: Finanziell hat sich Square One natürlich nicht gerechnet. Wir haben voll auf Qualität gesetzt. Wir sind nach New York zum Mastering geflogen. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, ohne auf die Uhr zu schauen im Boogiepark Studio in Hamburg an den Sachen zu arbeiten – das Studio war Teil des Showdown-Konglomerats. Als Plattenfirma konnten wir das nie umlegen, aber inhaltlich hat sich das Endprodukt natürlich allemal gerechnet. Als Sureshot hatten wir natürlich die Möglichkeit, Sachen zu verbinden. Wir haben damals die ganze Promo für Rawkus gemacht. Da haben wir Synergien genutzt. Mir war es wichtiger Square One zwischen Jeru oder Pharoahe auf Mixtapes zu platzieren, als über Saturn Flyer nachzudenken. Es war auf jeden Fall erstmal eine Kunst, die deutschen HipHop-Kids von einem englischsprachigen Act zu überzeugen. Wir konnten bei weitem nicht darüber nachdenken, eine Hit-Single zu basteln, um damit den Mainstream zu erobern. Das war illusorisch. Aber Ali hat natürlich gemerkt, was mit den deutschen Sachen zu der Zeit passiert und natürlich hat er auf deren Erfolge geschielt.

 

Iman: Ich bin mit »Midnight Marauders«, »Mecca And The Soul Brother« und Diamond D. aufgewachsen. Das hat mich am stärksten beeinflusst. Später habe ich noch das »Reflection Eternal« sehr gefeiert. Bei Ali stand Rakim an oberster Stufe. Erst ganz, ganz, ganz weit dahinter kamen andere. Daraus entstand »Walk Of Life«.

 

 

CROSSROADS

 

René: Es gab verschiedene Gründe für die Trennung. Einerseits persönliche Sachen unter den Jungs, andererseits natürlich auch die Enttäuschung über den ausgebliebenen Erfolg. Alis Anspruch war, irgendwann im Madison Square Garden aufzutreten. Er musste irgendwann einfach erkennen, dass das nicht realistisch ist. Auf der Promotour fing es an zu kriseln. Aber keiner konnte sagen, woran es lag. Jeder hatte untereinander irgendwie Stress. Wir haben noch versucht, es zu kitten, aber die Jungs haben es nicht hingekriegt. Wir hatten gerade eine Touranfrage aus Japan. Das Album kam dort raus und ist richtig gut angekommen.

 

Eddie: Menschlich gab es halt Höhen und Tiefen. Wir sind schon relativ oft aneinander geraten. Wir wollten uns tausende Male trennen, haben uns aber dann immer wieder zusammengerauft. Da gibt es natürlich vier verschiedene Storys. Wir haben nie daran gezweifelt, was wir musikalisch mit Square One machen oder auch an dem Weg, den wir eingeschlagen haben. Es sind einfach ein paar Sachen passiert, die es uns nicht mehr möglich gemacht haben, den Weg weiter zu gehen.

 

Markus: Es gibt einen Grund für die Trennung: Square One war nicht erfolgreich. Ihr Label-Kollege Mr. Schnabel ist zwei Wochen vorher auf Platz 46 der Charts eingestiegen und Square One hat gerade mal an den Top100 gekratzt. Da hat man sich dann gefragt, ob das alles überhaupt Sinn macht.

 

Eddie: Für mich war der ausgebliebene Erfolg kein Grund. Ich war immer sehr realistisch. Mir war klar, dass man mit einem englischsprachigen Album in Deutschland nicht in die Top10 kommt. Ali hat das, glaube ich, aber etwas anders gesehen. Der hat sich mehr erhofft.

 

Iman: Square One ist nicht gescheitert, weil wir zu wenig Platten verkauft haben, sondern weil die Freundschaft zwischen Ali und mir über die Jahre auf der Strecke geblieben ist. Wir waren so sehr davon besessen dieses Album zu machen, dass wir alles andere drumherum vergessen haben. Ich habe nur für dieses Album gelebt. Alles andere war sekundär.

 

Kitsune: Als das Album herauskam, waren die Jungs Ende Zwanzig. Sie hatten einen Labeldeal, einen Hype und die Aussicht, mit dem Album etwas zu reißen. Es war ihre große Chance. Die Erwartungen wurden jäh enttäuscht und so hat man sich innerhalb der Gruppe zerfleischt, getrieben von der eigenen Frustration, dass Plan A nicht aufgegangen ist und es eigentlich keinen Plan B gab.

 

Iman: Ali hat immer damit gekämpft, dass die Leute es einfach nicht verstanden haben. Es war wie eine dunkle Wolke, die über ihm schwebte: Er gibt alles für die Musik, aber die Leute checken es einfach nicht. Die Leute finden es einfach nur okay, aber erkennen nicht das Genie dahinter.

 

MOVIN ON

 

Kitsune: Ill Will hat Ali nach einem Feature für seine Platte gefragt, doch Ali sagte ihm, dass es Square One nicht mehr gäbe und er aufgehört habe zu rappen. Will muss ihm dann sehr eindrücklich klargemacht haben, dass er nicht aufhören kann. Das könne er ihm und den Leuten da draußen nicht antun. Er müsse weiter machen.

 

Markus: Ali wollte nach dem Split nicht mehr rappen. Aber nach etwa einem halben Jahr hatten wir ihn soweit und er nahm »Keep It Moving« auf – seinem ersten Song nach der Trennung. Das war für ihn wohl der Startschuß für die Solo-Karriere. Von René hat er dann zur gleichen Zeit die ersten Beat-CDs von Monroe bekommen.

 

Kitsune: Wir haben Ali unbewusst in unserer naiven Art wieder gezeigt, dass man trotzdem Spaß an der Sache haben kann. Monroe, Ill Will und wir haben ihm wieder das Gefühl gegeben, an sich selbst zu glauben und Spaß dabei zu haben, gute Songs zu machen.

 

René: Nach Square One hat sich Alis musikalischer Ansatz ziemlich verändert. Er war in erster Linie am Hier und Jetzt interessiert und wollte mit dem Newcomer aus Brooklyn mithalten. Der Square One-Sound war immer nur Ali und Iman in Kombination. Monroe war damals Praktikant bei Showdown. Ich hab Ali seine Beattapes vorgespielt und er war begeistert. Die Zwei haben dann auch geklickt – witzigerweise nicht nur musikalisch, sondern auch als Typen. Monroe, der blutjunge Ostfriese und Ali, der persische Bayer.

 

Markus: Irgendwann war klar, dass das Solo-Ding für René nicht interessant ist und da hat Ali bei uns angefragt. Es ging da nicht um ein Signing, sondern vielmehr um das Management und die Hilfe bei der Zusammenstellung eines Albums, damit Ali dann irgendwo einen Deal kriegt.

 

René: Klar haben wir versucht, Ali solo an den Start zu bringen, aber wir haben schnell gemerkt, dass es sich für beide Seiten nicht gut anfühlt. Ali wollte woanders hin. Ali solo war einfach nicht Square One. Eigentlich hätten wir ja auch Anspruch auf seine Solo-Sachen gehabt, aber wieso hätten wir ihn jetzt zwingen sollen, auf jazzy Beats zu rappen?

 

Iman: Zwei Jahre nach dem Bruch von Square One habe ich Ali mal getroffen. Er ist dann mit seinem Tape zu mir gekommen und wollte wissen, was ich davon halte. Das waren bestimmt 13 Songs, die er zum Großteil mit Monroe gemacht hatte. Das war fast ein komplettes Album, das er aber nur als Demo mit sich trug. Viele wären froh gewesen, wenn sie überhaupt so ein Album hinbekommen hätten.

 

Kitsune: Ali hatte verschiedene konkrete Label-Angebote. Azad wollte ihn bei Bozz, Savas für Optik. Azad hat das Zeug zwar sehr gefeiert, aber es hat künstlerisch nicht gepasst, weil die Erstausrichtung von Bozz eher auf Straßenrap lag.

 

Markus: Bald hatte Ali 65 Songs zusammen, die sowieso nicht auf ein Album gepasst hätten. Die Öffentlichkeit hatte ihn da fast schon vom Schirm verloren, deswegen wollten wir ihn mit den Mixtapes wieder in die Wahrnehmung bringen. Innerhalb eines Jahres kamen dann die zwei »Opium«-Teile.

 

Crada: Unser Team hieß Kings & Crookz und bestand aus Ali, Kaled Ibrahim, Kitsune, Markus und mir als Produzent. Ali war ja derjenige, der mich zu Starting Lineup brachte. 2005 habe ich Ali auf dem Splash! am Freitag eine Beat-CD gegeben und am Sonntag kam er auf mich zu und sagte, er wolle einen Beat haben. Und da hat er mir auch DJ Kitsune und Markus von Starting Lineup vorgestellt. Die beiden fanden meine Beats einen ziemlichen Dreck, aber Ali hat sie überredet, weil er wohl in den Beats irgendwas gehört hat. Ich kam ja krass aus dem Backpack-Bereich und das erste, was mir Ali sagte, war: Du musst mehr aktuelle Musik hören. Aber ich konnte es nicht. Ich wollte nur meinen Kweli, Common und Mos Def hören. Trotzdem hat mich Ali dazu gebracht und es war genau das, was mir gefehlt hat. Ich muste einfach zeitgemäßer werden. Ali war für mich absolut prägend, was meine Musik angeht. Er hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.

 

Kitsune: Ali wollte mit Kings & Crookz der Musik seinen eigenen Stempel geben und damit ausdrücken, dass er genauso auf der organisatorischen Seite aktiv ist wie auf der musikalischen. Es sollte klar ersichtlich sein, dass er nicht nur ein weiteres Signing auf Starting Lineup ist. Er hat sich da ein kleines Team an Musikern und Kreativen zur Seite gestellt.

 

 

SELF TITLED

 

Markus: Ali ist musikalisch nie stehengeblieben. Er hat den alten Sound geliebt und kannte sich da auch wahnsinnig gut aus, sogar mit dem Zeug von 1988. Aber er hat eben auch die aktuellen Sachen voll draufgehabt. Er war einer der härtesten Beanie Sigel-, Dipset– und später auch Drake-Fans. Da konnte er alles auswendig.

 

René: Das Eine war Ali auf der Bühne, sehr von sich überzeugt in dicker Lederjacke. Swag galore. Auf der anderen Seite stand Ali, der sehr verletzliche, in sich gekehrte und introvertierte Typ privat. Zwei völlig verschiedene Personen. Zudem muss man ja auch sagen, dass Ali in zwei Welten gelebt hat: Auf der einen Seite war er der überall respektierte Künstler mit gefeiertem Album, auf der anderen Seite konnte er abends in München keine Cola trinken gehen, weil er kaum Kohle hatte.

 

Eddie: Ali war auf jeden Fall der Frontmann von Square One. Er hat die Band gegründet, hat mich zur Gruppe gebracht und hat das ganze Konstrukt Square One geschaffen. Er war einfach ein verdammt talentierter MC. Als ich früher Mixtapes gemacht habe, hat er immer etwas beigesteuert. Ich konnte ihm dann den Titel des Mixtapes sagen und er hat innerhalb von fünf Minuten einen Chorus dafür gemacht und am nächsten Tag einen kompletten Song. Ali hat immer 100 Prozent gegeben. Du konntest ihm Wortfetzen zuwerfen und er hat daraus einen Song gemacht. Das hatte schon etwas von einem Genie. Er brauchte ein Puzzle-Stück, um daraus ein ganzes Haus zu bauen. Das war schon einzigartig.

 

Iman: Ali war ein sehr nachdenklicher Typ. Er hat sich immer sehr, sehr viele Gedanken über sehr, sehr viele Sachen gemacht. Außerdem hat er sich immer Sorgen gemacht. Dabei hat er mich immer einen Pessimisten genannt. Ich habe dann immer geantwortet, dass er lieber aufhören sollte, sich Gedanken über seine Gedanken zu machen. Ali hat sich nur sehr ungern geöffnet. Er hat immer versucht, alles erst mit sich selbst auszumachen. In gewissen Situationen bist du aber einfach auf Hilfe von Freunden angewiesen, aber das kam für ihn nur sehr selten in Frage. Er wollte alles selbst schaffen. Dennoch kam Ali immer sehr selbstbewusst rüber und war auch ein sehr geselliger Mensch. Er hat sich immer mit allen Leuten gut verstanden und hat Gott und die Welt gekannt.

 

Ju-Ar: Ali wusste schon ganz genau, was er will und hatte einen ganz genauen Plan. Er wusste genau, wie die Tracks strukturiert sein sollten und hat uns auch teilweise Anleitungen gegeben, wie er gerne eine Kick und eine Snare hätte. Er hatte eine sehr klare Vision. Aber Ali sprach gleich von Beginn an in einem sehr familiären Ton und war uns schon ab der zweiten Email extrem vertraut.

 

Iman: Zu der Zeit als Ali mit einigen Künstlern zusammengearbeitet hat, waren sie noch ungeschliffene, rohe Diamanten. Er hat es immer erkannt. Er hat Talent einfach gesehen. Da hatte Ali eine Gabe. Jeder, der mitbekommen hat, wie Ali Musik gehört hat, der weiß, dass Ali Musik verstanden hat.

 

Markus: Sein Auge für Talent macht Ali auch viel größer als »Walk Of Life«. Er hat mit Iman einen Sound entwickelt, auf den dann ein Curse hängengeblieben ist. Er hat Monroe entdeckt. Und natürlich Crada.

 

Crada: Ali ist der einzige Rapper, der immer die Wahrheit erzählt hat. Alles was er rappte, war wahr. Das klingt so krass, aber er stimmt. Seine Liebe zu Rap war so groß, er hätte niemals Mist erzählen können. So habe ich das nie wieder gesehen. So eine Wertschätzung für die Kultur, für diese Musik und Geschichte. Das war einzigartig. Das sehe ich auch jetzt als meine Aufgabe – seine Legacy weiterzutragen. Ich nenne das die Ali-Qualitätskontrolle. Ich stelle mir immer vor, dass er neben mir steht, sich die Sachen anhört und frage mich, ob es ihm gefallen würde oder nicht. Wenn ja, dann passt es. Diese Qualitätskontrolle wende ich immer an und sag mir dann: Ali würde keinen Scheiß machen. Ali war ja auch der Erste, der auf »Fireworks« gerappt hat. Der Anspruch, immer 100 Prozent zu geben und nur das Beste von sich zu veröffentlichen – diese Attitüde trage ich bis heute in mir rum.

 

Kitsune: Ali wollte sich und seine Kunst niemandem anvertrauen, der diese Musik nicht versteht. Das war die Hürde, die man nehmen musste, um an ihn heranzukommen. Ali hat immer zu 100 Prozent gewusst, was er kann und wie gut er ist, woraus er auch nie einen Hehl gemacht hat. Aber er war nie arrogant dabei.

 

Crada: Ali war für mich immer so eine Respektsperson, dass ich nie so richtig nah an ihn rangekommen bin. Er hat mich immer nach Persönlichem gefragt, aber ich habe mir das bei ihm nie angemaßt. Ali war mein Mentor und einer der herzlichsten Menschen überhaupt. Wenn ich anrief ging er immer mit »Hi, hier ist Papa.« ans Telefon. Die Verantwortung für sein Team hat er unglaublich ernst genommen.

 

Eddie: Wir alle hatten im Kopf, dass wir irgendwann nochmal was als Square One machen. Irgendwann wäre die Zeit gekommen. 2006 habe ich mal eine MySpace-Seite von Square One angelegt und da kam ein enormes Feedback, auch aus dem Ausland. Zu der Zeit waren wir auch alle im Mailkontakt und haben über eine Reunion gesprochen. Wir hatten aber alle andere Sachen zu tun und dann ist Ali auch schon nach Kanada gezogen.

 

 

GO

 

Markus: Wir hatten den Plan, drei hochwertige Mixtapes rauszubringen. Zu der Zeit waren wir auch mit Labels in Japan und einigen Indies in den USA im Gespräch. Aber dann kam die WM 2006 dazwischen. Ein Großteil von Alis Familie, die alle bereits in Kanada wohnten, war für alle Spiele der iranischen Nationalmannschaft in Deutschland. Da merkte Ali, wie sehr er seine Famile vermisst.

 

Crada: Alis Kindheit hat ihn sehr geprägt. Er hat immer für eine gewisse Akzeptanz kämpft müssen. Er war immer auf der Suche nach sich selbst. Er wollte immer nur glücklich sein, nahe bei seiner Familie. Diese Suche nach dem Glück hat ihn nicht losgelassen und ihn bis nach Vancouver gebracht.

 

Markus: Die Entscheidung nach Kanada zu gehen, kam genau zur VÖ und Promo von »Opium Vol. 2«. Doch als Ali seine Nichte im Arm hielt und sagte, dass wir nicht böse sein sollten, er aber zu seiner Familie müsse, haben wir das komplett verstanden. Das hat natürlich dem Produkt nicht geholfen, aber es war viel wichtiger, dass Ali glücklich wird.

 

Crada: Seine ganze Familie war in Kanada. Die Idee, auch dahin zu ziehen, kam immer mal wieder zur Sprache und irgendwann war es dann soweit. Er meinte noch, dass er vielleicht auch wieder komme, aber er müsse jetzt zu seiner Familie. Ganz seine Zelte hatte er in Deutschland nicht abgerissen. Aber dass er nie wieder zurückkommen würde, konnte ja niemand wissen.

 

Markus: Kanada hat ein großartiges Förderungsprogramm für heimische Musiker – davon haben schon Nelly Furtado, Michael Bublé, Drake oder die Swollen Members profitiert. Das war dann der Plan, als Ali zu seiner Familie nach Kanada ging. Den simplen 9-to-5-Job, den er hier in Deutschland hatte, hätte er auch ganz leicht in Kanada machen können.

 

Kitsune: Ali konnte über ein Familienzusammenführungsprogramm nach Kanada ziehen, aber deswegen das erste Jahr nicht arbeiten. Als Perser mit iranischen Pass war es für Ali alles andere als einfach – besonders nach 9/11 – herumzureisen. Nach einem Jahr gab es dann aber Probleme mit seinen Papieren und er konnte auch nicht mehr nach Deutschland zurück, weil seine Aufenthaltsgenehmigung hier abgelaufen war. Die hätten ihn vielleicht nach Teheran abgeschoben.

 

Ju-Ar: Magicsoul, mit dem ich zusammen als Truestatiks produziere, und ich hatten einen Beat auf einer Compilation des luxemburgischen Blog thisistomorrow.blogspot.com. Ali hörte ihn und schrieb uns im Frühjahr 2009 an. Er wollte mehr hören. Wir hatten aber gerade gar keine Beats rumliegen, außer meinem fast fertigen Instrumental-Album. Also haben wir einfach das geschickt. Ali war total begeistert und nach zwei, drei Tagen flog ein Track nach dem anderen in unsere Inbox.

 

Kitsune: Er hat sich in Vancouver ein bisschen schwergetan. In Kanada musste er erstmal den Leuten klarmachen, welchen Status er hat und wer überhaupt Square One war. Deswegen brauchte er relativ lange, um eine Struktur aufzubauen und überhaupt wieder professionell Musik zu machen. Er musste wieder von Null anfangen, ganz ohne Square One-Bonus. Deswegen hat alles länger gedauert, als er es vorhatte. Es hat fast drei Jahre gebraucht, bis er wieder auf professionellem Niveau arbeiten konnte.

 

Markus: Das ursprüngliche Album hieß »Welcome Home«. Der Titel stand eigentlich schon seit der »Opium«-Zeit fest. Dann wollte er vorab in Kanada noch eine EP – »If You Build It They Will Come« – machen. Irgendwann hat er aber das Album in »Writing Colours« umbenannt, weil er meinte, dass sich sein Mindstate verändert hat und das besser passen würde.

 

Crada: Ali hatte in Kanada immer wieder verschiedene Konzepte für seine Musik. Er hatte Pläne für Alben, Mixtapes und EPs. Im Januar 2010 verfolgte er den Plan, eine EP nur mit Tracks von Iman und mir zu veröffentlichen. Nur ein paar Wochen später hat er dann von einem ganzen Album gesprochen. Er hat die ganze Zeit Musik gemacht und auch geschrieben, dass er sich gerade am Höhepunkt seines musikalischen Schaffens befinde.

 

Ju-Ar: Ali hat immer gesagt, er hat die ganze Zeit nach Produzenten gesucht, die nicht komplett vom Mainstream verblendet sind, die alles nur aus Liebe zur Musik machen und nicht des Geldes wegen. Er hat bei uns diesen Vibe der Neunziger herausgehört.

 

Kitsune: Die Truestatiks sind als neue Leute dazugekommen, die sich ihm zu der Zeit auch voll widmen konnten. Bei Crada wurde es ja 2009 und 2010 terminlich immer schwieriger. Ali wollte ihm da in väterlicher Liebe nicht zur Last fallen und hat selbst nach neuen Sachen geschaut. Umso schöner war es dann natürlich auch, dass er auch wieder mit Iman in Kontakt gekommen ist und der Kreis sich endlich wieder geschlossen hat.

 

Crada: Ich weiß noch, wie er mich anrief und begeistert sagte, dass »Fireworks« die erste Single für sein Album sein sollte. Ich musste ihm dann sagen, dass Drake den Beat gepickt hat. Er meinte nur: »Das nächste Mal sagst du bitte bescheid.« Leider hat er nicht mehr mitbekommen, dass Alicia Keys auf den Track gekommen ist. Das war kurz vor seinem Tod.

 

 

INFINITE

 

Ju-Ar: »Heavenly Father« war der letzte Song, den wir ihm fertig produziert geschickt haben. Daraufhin kam noch eine Mail, wie sehr ihm der Track gefallen. Und drei Tage später habe ich von seinem Tod erfahren.

 

Markus: Bei der Beerdigung in Vancouver hat man uns nicht nur gebeten, im Namen seiner Musik-Freunde eine Rede zu halten, sondern auch den Sarg zum Grab zu tragen. Das war eine unglaubliche Ehre für Kitsune, Monroe und mich. Der Familie war unheimlich wichtig, Alis Umfeld in Kanada zu vermitteln, welchen Stellenwert er als Künstler in Europa hatte. Alis kleine Schwester hat uns dann gebeten, uns um seine Musik zu kümmern, weil wir die einzigen wären, die das könnten. Sie hatte Angst, dass seine Musik missbräuchlich veröffentlicht wird und nicht im angemessenen Rahmen nach außen dringt.

 

Ju-Ar: Die Beats von »Writing Colours« stammen zum großen Teil von meinem Instrumentalalbum. Ich mache seit Jahren diese Musik, nur wurde sie von den MCs hier aus der Gegend nie verstanden. Ich hab mir immer gewünscht, dass irgendjemand sich dafür interessiert und darauf rappt. Und dann war Ali plötzlich da, der natürlich auch nicht irgendjemand ist, und hat voll darauf geflasht. Vor einigen Monaten hat mich Kitsune zum ersten Mal kontaktiert. Wir wussten ja auch nicht, was wir mit den ganzen Files, die wir auf dem Computer hatten, machen sollten. Es wär aber sicher in Alis Interesse gewesen, dass die Welt diese Songs zu hören bekommt.

 

Iman: Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir irgendwann wieder zusammen arbeiten. Wir haben uns über Facebook wiedergefunden, viel über Musik gesprochen und uns entschlossen, wieder gemeinsam Musik zu machen. Der ursprüngliche Plan war eigentlich ein Square One-Track. Ali wollte aber erst sein Solo-Album fertig machen. Für uns beide war das kein großes Ding, weil uns klar war, dass wir früher oder später wieder gemeinsam etwas aufnehmen würden. Den Beat von »Movin‘ On« habe ich dann direkt produziert, die anderen sind schon zwei, drei Jahre davor entstanden. Ali hat mir relativ am Ende einige Emails geschrieben und gesagt: Schick mir mehr Musik Iman, ich muss endlich wieder auf Beats von dir schreiben.

 

Ali (aus einem Blogeintrag vom April 2007): »Ich war immer ein Künstler im Sinne von: geistesabwesend, entfremdet melancholisch, stets durch die Tiefen meines Geistes wandernd, immer auf der Suche, aber nie am Ziel; desillusioniert von der weltlichen Realität, die normalen menschlichen Verantwortungen gegenüber meinem Umfeld und meinen Eltern ablehnend; ein von Pech verfolgter Autor, auf der Suche nach passenden Adjektiven und Relativpronomen, immer bemüht, meine Worte so zu perfektionieren, wie es noch niemand vor mir geschafft hat. Ich schreibe, um in die Gärten meiner Erinnerungen zurückzukehren, stets auf der Flucht vor den immmer wiederkehrenden Schüben meiner Depressionen, die mich im Schlaf heimsuchen. Ich schreibe aus mir nicht bekannten therapeutischen Gründen. Ich schreibe, weil es das Einzige ist, was ich kenne, weil es alles ist, was ich bin.«

 

Interviews & Text: Alex Engelen
Foto: Tyler Simpson