Prezident – Limbus // Review

Prezident  Limbus

(Vindig/Groove Attack)

Prezident lädt zur Reise durch den »Limbus« – die Vorhölle, »der ewige Ikea«, wo rastlose Seelen, denen trotz eines sündenfreien Lebens der Eintritt in den Himmel verwehrt wurde, ihr Dasein fristen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Es ist ein ungemütlicher Trip in die Annalen der Smartphones, Discounter-­Märkte und generischen Rapper. Der Wuppertaler gewährt eine intensive Führung durch »die ewig gleiche Dauerwerbesendung, die nie enden wird.« Danach findet man sich weggetreten und maßlos überfordert in der Realität wieder. Und fragt sich, ob es das jetzt war und was da gerade alles passiert ist – nur um unwillkürlich erneut den Play-Button zu betätigen. Zu viel ist in den letzten 45 Minuten passiert, die einem doch viel kürzer vorkamen. Da waren gefällige, beruhigende Stationen, in denen doch alles »halb so wild« war. Doch plötzlich kriecht da ein skelettales, eiskaltes Ungetüm von Beat aus dem Abgrund, das mit einem packenden Sarah-Jaffe-Vocalsample statt einer Hook den perfekten Nährboden für die atmosphärischen Assoziationsketten und Beobachtungen Prezidents darstellt und dessen zum Schneiden dichter Vibe einem unweigerlich die Nacken­haare aufstellt. Wenn Prezident daraufhin noch als »Fressfeind« aller Plastikrapper zum obligatorischen Rundumschlag ausholt, fügt sich das nicht nur nahtlos ins Gesamtbild ein, sondern hinterlässt auch offene Münder. Wortverspielter denn je wechselt der Misch­bier­verächter zwischen harten Klartextansagen und eleganter Bildsprache hin und her, was zwar sehr anspruchsvoll, aber schon aufgrund der beißenden Sprachgewalt des Protagonisten nicht minder faszinierend ist. Die skizzenhaften Beats, die zu großen Teilen den Maschinen von Jay Baez entspringen, verdichten sich zu einem Nebel, der seine Höhepunkte zwar klar in den düsteren Momenten findet, aber mit den willkommenen Atempausen nichts falsch macht. Der straff gespannte roten Faden und die mitreißende, unvorhersehbare Klimax gestalten die Reise durch den Limbus unbequem und verlangen dem Reisenden einiges ab. Kein Strandurlaub der Welt kann so etwas bieten.

Text: Skinny